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Trump braucht die evangelikalen Wähler – und nutzt dazu die Israel-Politik
Aus SRF 4 News aktuell vom 20.11.2019.
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USA stützen Israel «Trump muss die Evangelikalen mobilisieren»

Der neue US-Kurs in der Nahostpolitik, wonach die israelischen Siedlungen im Westjordanland nicht gegen das Völkerrecht verstossen, sei vor allem ein Zeichen von US-Präsident Trump an die Evangelikalen in den USA, sagt Politikprofessor Thomas Jäger. Mit dem Entscheid wolle sich Trump deren Stimmen sichern.

Thomas Jäger

Thomas Jäger

Politikwissenschaftler

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Der Politologe Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Aussenpolitik an der Universität Köln.

SRF News: Wer sind die Evangelikalen in den USA?

Thomas Jäger: Es sind protestantische Christen, grösstenteils Weisse. Sie sind die grösste Religionsgemeinschaft in den USA – knapp 25 Prozent der US-Bürger rechnen sich zu ihnen. Bis zu 80 Prozent der Evangelikalen sind Trump-Anhänger.

Trump konnte die Evangelikalen für sich gewinnen – dabei spielt seine Israel-Politik eine grosse Rolle.

Nicht nur für den amtierenden US-Präsidenten sind sie die wichtigste Wählergruppe, das war auch schon für den letzten republikanischen Präsidenten George W. Bush so. Erstaunlich ist: Bush bezeichnete sich als wiedergeborener Christ, ein Ex-Alkoholiker, der von der Droge wegkam und ein gottesfürchtiges Leben führen wollte. Demgegenüber ist Trump alles andere als gottesfürchtig. Zu Beginn seiner Kampagne 2016 dachte man denn auch, er könne die Evangelikalen nicht für sich gewinnen. Doch das ist ihm gelungen – und dabei spielt seine Israel-Politik eine grosse Rolle.

Wieso halten die Evangelikalen trotz Trumps in vielen Bereichen unchristlichen Verhaltens zu ihm?

Für etwas Unruhe unter den Evangelikalen sorgte Trumps Syrienpolitik. In ihren Augen liess er die Kurden und die Christen in den Kurdengebieten im Stich. Und sie befürchteten, dass er als nächstes Israel im Stich lassen könnte. Denn durch Trumps Politik wurden Iran und die Türkei gestärkt – zwei Länder, die Israel gegenüber sehr kritisch eingestellt sind.

Die beiden Wahlniederlagen in Kentucky und Louisiana waren für Trump eine Warnung.

Für Trump war es deshalb wichtig klarzustellen, dass er fest an der Seite Israels und des rechten israelischen Premiers Benjamin Netanjahus steht. Eine Warnung für Trump waren die beiden Niederlagen von republikanischen Gouverneurskandidaten in Kentucky und Louisiana. Das zeigte, dass er die Evangelikalen vor allem im Süden der USA wieder mobilisieren muss. Deshalb jetzt dieses Zeichen der Unterstützung für Israels Siedlungspolitik.

Pence steht hinter Trump, der in ein Mikrofon spricht.
Legende: Auch Trumps Vizepräsident Mike Pence (links) ist ein evangelikaler Christ. Reuters

Ist Trump in dem Fall auf Gedeih und Verderb auf die evangelikalen Wähler angewiesen, wenn er wiedergewählt werden will?

Tatsächlich ist Trumps Wiederwahl ohne die Stimmen der Evangelikalen nicht möglich. Er muss diese Wählergruppe zusammenhalten. Dabei sind sie nicht nur eine grosse Gruppe, sondern sie sind auch dazu motiviert, Trump nochmals vier Jahre ins Weisse Haus zu schicken.

Die Evangelikalen sind sehr gut mobilisierbar und für Trump deshalb unerlässlich.

Diese Tatsache ist umso wichtiger, wenn man weiss, dass die Wahlbeteiligung in den USA eher gering ist und ein Kandidat nur dann eine Chance hat, gewählt zu werden, wenn seine Anhängerinnen und Anhänger auch tatsächlich zur Wahl gehen. Die Evangelikalen sind sehr gut mobilisierbar, sie sind auf die Republikaner eingeschworen und für Trump deshalb unerlässlich.

Das Gespräch führte Romana Costa.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Schmid  (andy)
    Längst sind wir im 21. Jahrhundert - immer noch bestimmen extreme Religionsgemeinschaften Wahlen und Politik. Wer beherrschte den Klu KLux Can der latent noch vorhanden ist. Die USA ist eine Problem Nation mit wöchentlichen tödlichen Attacken an Universities, Schulen, Shopping Centers + Hofieren von extremen Religionen. Nirgends auf der Welt haben Israelis/Juden grössere Unterstützung + Einfluss. Miese Politiker wollen sich dies zu Nutzen machen. Der grosse Fehler fand vor 70 Jahren statt.
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  • Kommentar von Peter Holzer  (Peter Holzer)
    Ich empfehle allen nach Paula White zu googeln. Trumps persönliche Pastorin im Weissen Haus. Jeder der an Gott glaubt, oder auch nicht sollte diese weitere Verbindung von Trump hinterfragen. Diese Dame ist ein Kapitel für sich und kein vernünftig und geradliniger Mensch würde sie sich freiwillig als Pastorin wünschen.

    Man muss sie selber gesehen haben um es zu glauben was da erzählt wird!
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    1. Antwort von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
      Herr Holzer: Sie haben sicherlich mehr als Recht. Nur, man muss das Verhalten der gesamten Bevölkerung in Bezug auf Religion in Betracht ziehen. Jedem Europäer, ob nun gläubig oder nicht, zieht es die Schuhe as wenn man das Sammelsurium an Religionen sich ansieht. Kommt aber von der Entstehung des Landes weil viele Glaubensgemeinchaften dorthin emigriert sind.
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    2. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Herr Kreuter: sie haben recht, die Amerikaner leben ihren Glauben anders als z.B. wir Schweizer. Dann gibt es noch die Amischen, Quaker etc. die nochmals schwieriger zu verstehen sind.

      Das alles ist aber solange O.K. als diese Menschen dies für sich leben und nicht in die Politik bringen um andere zu manipulieren.

      Auch ein noch so glaubensbetrunkener weiss in seinem innersten was richtig und falsch ist. Das White House ist sicherlich kein „Holy Ground“ wie es Fr. White meint.
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    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Scientology ist dort eine offiziell anerkannte Kirche... Es gibt dort auch kreationistische Schulen, in denen Kindern absoluter Unsinn beigebracht wird. Ich finde das nicht nicht ok, sondern eine Katastrophe. Vor allem für die Kinder, die in einem dafür sehr empfänglichen Alter einer Gehirnwäsche unterzogen werden. Kein Wunder haben die Amerikaner offenbar mehr Mühe als andere, Fakt von Fiktion (Fake News) zu unterscheiden. Viele lernen halt zu glauben, statt zu hinterfragen.
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Ich denke, viel habe die letzten Präsidentschaftswahlen in den USA nicht verstanden. Ich kenne viele US-amerikanische Bürger, auf Evangelikale. Im Gespräch sagen sie mir immer wieder, dass sie Donald Trump nicht als Präsident wollten. Aber Hillary Clinton wollten sie eben noch viel weniger. Es war weniger ein Wahl für Trump als viel mehr eine Wahl gegen Clinton. Und genau deshalb denke ich, dass die Demokraten gute Chancen haben, die nächste Präsidentin oder den nächsten Präsidenten zu stellen.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Eine vernünftige Analyse der Wahl 2016. Die Dems und die Medien haben statt dessen die Lüge verbreitet, es seien die Russen gewesen und damit dem Land grossen Schaden zugefügt. Und mit dieser Lügentaktik machen die Dems weiter. Die Dems hätten gute Chancen, wenn sie zeigen, dass sie für ihre Wähler politisieren und nicht für den Deep State oder ihren Filz bzw. ihre Taschen (Clinton, Biden, Kerry u.a.). Ein Nicht-Clinton-Filz-Demokrat als Kandidat gibt es wenige: v.a. Gabard, whs. Sanders
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    2. Antwort von m. mitulla  (m.mitulla)
      Das sehe ich genauso - nur, muss jeder Kandidat - egal von welcher Partei - wissen, dass es ganze Heerscharen von Geheimdienstlern gibt, die versuchen werden, seine Kandidatur mit hergeholten Skandalen in der Luft zu zerreissen.
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    3. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @mitulla: ausser wenn der Kandidat sich entsprechend der Erwartungen der Geheimdienstlern verhält, wie z.B. Obama (mit ein paar Ausnahmen).
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    4. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Herr Bernoulli: Wieder erwähnen sie alle anderen würden Lügen. Haben sie Beweise, dass ihre Informationen aus zweiter Hand mehr Wahrheitsgehalt haben, als jene die sie als falsch titulieren?

      Würden sie diese Aussagen mit „ich denke“ oder „meiner Meinung nach..“ ergänzen wäre es etwas anderes. Aber immer und immer alle Trump Kritiker als Irrläufer und der Lüge verfallene zu bezeichnen ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung.
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