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USA und Türkei im Clinch Alphatiere auf Kollisionskurs

Legende: Video Erdogan geisselt US-Attacken gegen die Türkei abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.08.2018.
  • Die Meinungsverschiedenheiten zwischen US-Präsident Trump und seinem türkischen Amtskollegen Erdogan haben sich zum offenen Schlagabtausch entwickelt.
  • Am Samstag legte Erdogan nochmal nach und drohte damit, sich neue Freunde und Verbündete zu suchen.
  • Ab Montag gelten die neuen US-Strafzölle von 50 Prozent für Stahl aus der Türkei.

Im Streit mit den USA droht der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan dem Nato-Bündnispartner jetzt sogar offen mit einem Bruch.

Falls sich die USA weiter respektlos verhielten, werde seine Regierung damit beginnen, «nach neuen Freunden und Verbündeten zu suchen», schrieb Erdogan in einem Gastbeitrag, Link öffnet in einem neuen Fenster der «New York Times» («NYT»). Sollte die US-Regierung die Souveränität der Türkei nicht respektieren, «dann könnte unsere Partnerschaft in Gefahr sein».

Absturz der türkischen Währung

Der Konflikt hat mittlerweile starke Auswirkungen auf die türkische Wirtschaft – und darüber hinaus. Die Landeswährung Lira sank zuletzt auf ein neues Tief zum US-Dollar und zum Euro. Binnen 24 Stunden verlor die Lira rund 20 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar. Verantwortung für den Absturz der Lira übernahm Erdogan nicht.

Stattdessen dementierte er am Samstag vehement, dass die Wirtschaft des Landes in einer Krise stecke. Wirtschaftsanalysten in Europa warnen bereits vor Folgen für Banken, die Milliardenbeträge in der Türkei im Feuer haben.

Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen Nato-Partner vor
Autor: Recep Tayyip ErdoganTürkischer Präsident

Im Zentrum des Streits stehen offenbar zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-amerikanischen Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. «Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen Nato-Partner vor», sagte Erdogan am Samstag vor Anhängern in der Provinz Ordu am Schwarzen Meer.

Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag angeordnet, die Zölle auf Stahl aus der Türkei von diesem Montag an auf 50 Prozent zu verdoppeln und damit die türkische Wirtschaft bewusst stark unter Druck gesetzt. Für einen Dollar wurden zeitweise 6,87 Lira fällig, zu Monatsbeginn waren es weniger als 5 Lira.

«Sie bedrohen uns»

Mit Blick auf die USA erklärte Erdogan in der Schwarzmeerprovinz Ordu: «Sie bedrohen uns». Die Türkei werde aber nicht nachgeben: «Man kann diese Nation nicht mit Drohungen zähmen.» In Radio SRF hatte allerdings jüngst Türkei-Experte Thomas Seibert erklärt, dass das Land stark von den USA abhängig sei.

In einer weiteren Ansprache in Rize am Schwarzen Meer betonte Erdogan am Samstag: «Das ist keine Wirtschaft, die bankrott geht, die untergeht oder die durch eine Krise geht. Die Türkei wird aus dieser Devisen- und Zinsspirale so bald wie möglich rauskommen.»

Das sind die Kugeln, Granaten, Raketen eines Wirtschaftskrieges, der gegen unser Land geführt wird
Autor: Recep Tayyip ErdoganTürkischer Präsident

Erdogan sagte erneut, die Lösung liege darin, die Zinsen zu senken und mehr zu produzieren. Er liegt damit seit Jahren diametral entgegengesetzt zur gängigen Wirtschaftslehre, wonach Zinserhöhungen die Währung stärken und die Inflation bekämpfen. Die Inflation hat in der Türkei inzwischen die 15-Prozent-Marke überstiegen.

Und in Rize fügte der türkische Präsident noch hinzu: «Wir wissen sehr wohl, dass es auf die Dollar, Euro oder das Gold ankommt. Das sind die Kugeln, Granaten, Raketen eines Wirtschaftskrieges, der gegen unser Land geführt wird.» Er drohte damit, denen «die Hände zu brechen, die diese Waffen abfeuern».

Stahl-Strafzölle gelten ab Montag

Erdogan kündigte ausserdem erneut an, den Handel mit Ländern wie China, Russland, der Ukraine und dem Iran künftig in lokalen Währungen abzuwickeln. Allerdings hat die Lira nicht nur gegen Euro und Dollar, sondern auch gegen andere Währungen an Wert eingebüsst.

Das Weisse Haus hatte am Freitagabend erklärt, die neuen Strafzölle auf Stahl aus der Türkei in Höhe von 50 Prozent würden von diesem Montag an angewendet.

Beziehungen zur Türkei nicht gut

Der US-Präsident hatte am Freitagabend zunächst per Twitter die höheren Strafzölle angekündigt, ohne jedoch das Geltungsdatum zu nennen: «Ich habe gerade eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium hinsichtlich der Türkei bewilligt. (...) Unsere Beziehungen zur Türkei sind derzeit nicht gut.»

Trump verwies im selben Tweet ausdrücklich darauf, dass die Lira «schnell gegenüber unserem sehr starken Dollar abrutscht!» Seinen Worten nach wird Aluminium aus der Türkei künftig mit Zöllen von 20 Prozent belegt werden. Ein Datum dafür wurde zunächst nicht genannt.

Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums exportierte das Land 2017 Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (950 Mio Euro) in die USA – was laut Ministerium einem Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren entsprach.

Vergleich mit Pearl Harbor und 9/11

In seinem «NYT»-Gastbeitrag warf Erdogan der Trump-Regierung darüber hinaus vor, den türkischen Prediger Gülen nicht auszuliefern. Der Präsident schrieb, der Putschversuch vom Juli 2016, für den Gülen verantwortlich sei, ähnele dem, «was das amerikanische Volk zweifellos nach Pearl Harbor und den Angriffen vom 11. September erlebt hat».

Erdogan kritisierte auch, dass die Reaktion der USA nach dem Putsch «alles andere als zufriedenstellend» gewesen sei. «Das türkische Volk hatte erwartet, dass die Vereinigten Staaten die Attacke eindeutig verurteilen und ihre Solidarität mit der gewählten Führung der Türkei ausdrücken. Das haben sie nicht getan.»

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40 Kommentare

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  • Kommentar von R. Raphael (R.Raphael)
    Das Erdogan-Bashing im Westen funktioniert.......Dem US-Hegemon droht die Macht ūber die Tūrkei zu entgleiten, also werden alle erdenklichen Hebel in Bewegung gesetzt. Das Erschreckende bleibt nach wie vor die uneingeschrenkte Manipulationsmacht im Westen. Erdogan sei schrecklich und das Land wegen ihm am Ende, und die Leute glauben es. Einer jeder Kriegstreiberei liegt Lūge und Falschinformation zugrunde. Wann endlich merken das die Mehrheiten??
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Alles halb so wild. Erdogans Schwiegersohn und Finanzminister nimmt sich der Sache an. Die Türkei habe Alternativen. Dann ist ja alle in grünen Bereich und keiner muss sich darüber aufregen und sorgen. - NO PROBLEM ! Alles kommt gut für die Türkei und die türkische (tückische) Lira.
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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Präsident Trump hat immer noch einen guten Trumpf in der Hand. Die USA Wirtschaft boomt zur Zeit bestens mit einer historisch tiefen Arbeitslosenrate. Die kann man ja nicht von allen EU-Ländern behaupten. Leider haben es die Demokraten bis heute nicht geschafft eine valable(n), profilierte(n) Präsidentschaftskandidatin od. -kandidaten zu präsentieren. Deshalb könnte uns leider eine zweite Trump Präsidentschaft blühen.
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    1. Antwort von Walter Wieser (Walt)
      Es ist sogar noch schlimmer mit den Demokraten. Nebst der Tatsache das sie nicht in der Lage sind eine(n) Nachfolger(in) fuer Hillary nachzuziehen haben sie auch keine Agenda ausser dem konstanten Trump bashing vorzuweisen. Das ist kein Plan fuer eine erfolgreiche Zukunft. Deshalb kann man das Wort "Leider" fuer den Zustand der "demokratischen Partei" auch ruhig weglassen. '
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    2. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Schaltegger und Herr Wieser: Was bitteschön haben ihre Kommentare mit dem Thema des Beitrages zu tun? Ich selbst kann Herr Trumps Verhalten nicht verstehen. Diesen Aufwand nur wegen eines Geistlichen der garantiert in der Türkei missionieren wollte? Natürlich soll man gegen die türkische Regierung vorgehen aber nicht so, denn es trifft nur die Falschen.
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    3. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Die "historisch tiefe Arbeitslosenrate" ist ein Statistikwunder . Man geht von über 20 % arbeitslosen US-Amerikanern aus.Wenn man sich in gewissen US-Stadtquartieren und Landstrichen umguckt, kann man sich an Ort und Stelle davon überzeugen, dass die offizielle US Arbeitlosen-Statistik Unfug ist. Man hat seit der Finanzkrise Millionen von US-Amerikanern umgebucht von „offiziell arbeitslos“ in „not in the labor force“ (und daher offiziell nicht als „arbeitslos“ gezählt)!
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    4. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ MC: ganz richtig, die Arbeitslosenstatistik der USA sind ein Witz. Erfasst sind nur diejenigen, welche noch aktiv nach einem Job suchen. Die, die es aufgegeben haben, werden nicht erfasst.
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