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Auf Staatsbesuch in den USA Hinter höfischen Worten: König Charles' Rede zeigt klare Kante

Mit seiner Rede vor dem Kongress hat König Charles III. seinem Staatsbesuch in den USA eine deutlich stärkere politische Dimension verliehen als im Vorfeld erwartet wurde. Was als diplomatischer Höhepunkt eines symbolischen Besuchs zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit angekündigt war, entwickelte sich zu einem Auftritt mit klaren politischen Botschaften, sorgfältig formuliert, aber in der Wirkung unmissverständlich.

König Charles auf viertägigem Staatsbesuch

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König Charles hat bei einer historischen Rede vor dem US-Kongress eine unverbrüchliche Allianz zwischen Grossbritannien und den USA beschworen. Die Rede war als Teil seines viertägigen Staatsbesuchs in den USA geplant. Dieser fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Washington und London. Trump hatte den britischen Premierminister Keir Starmer wiederholt dafür kritisiert, dass sich Grossbritannien nicht an dem von den USA und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran beteiligt hat.

Unter minutenlangem Applaus wurde Charles im US-Kongress empfangen. Seine Rede begann im klassischen Ton eines Staatsbesuchs: humorvoll, historisch grundiert und mit Verweisen auf die gemeinsame Geschichte beider Länder. Doch schon früh wurde deutlich, dass der König nicht nur auf die Vergangenheit blickt, sondern auch aktuelle politische Spannungen anspricht. Einigen dürfte das Lachen bald vergangen sein.

Zwischen Diplomatie und klaren Botschaften

Im Zentrum seiner Rede stand die Verteidigung demokratischer Prinzipien. König Charles betonte wiederholt die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit, institutionellen Kontrollen und Gewaltenteilung. Er erinnerte daran, dass die Macht der Exekutive immer kontrolliert werden müsse.

Auch wenn diese Aussagen gezielt an Präsident Donald Trump gerichtet waren, erwähnte der König den Namen Trump nur einmal in der Rede. Geschickt zitierte er den Präsidenten, der bei seinem Besuch in England im vergangenen Herbst gesagt hat: «Das Band der Verwandtschaft und Identität zwischen Amerika und dem Vereinigten Königreich ist unbezahlbar und ewig.» Es sei unersetzlich und unzerstörbar. Charles warnte vor Isolationismus und rief dazu auf, die transatlantischen Bündnisse und multilateralen Partnerschaften zu stärken.

Nato, Ukraine und Klimapolitik

Er verwies auf die Nato und die gemeinsame Verantwortung für die Verteidigung Europas. Die Unterstützung der Ukraine benannte er explizit als Voraussetzung für einen gerechten Frieden. Dabei baute er klassische Konfliktthemen elegant ein. So spannte er den Bogen von der Nato zu einem seiner persönlichen Kernanliegen, dem Klimaschutz. Er stellte Umweltfragen als Teil nationaler Sicherheit dar.  Der Verlust natürlicher Systeme sei eine Bedrohung für Wohlstand und Sicherheit, sagte er. Und das in den USA, wo die Umweltpolitik unter Trump stark umstritten ist.

Geteilte Reaktionen in Washington

In Washington wird die Rede intensiv diskutiert und als eine der deutlichsten politischen Interventionen eines britischen Monarchen bezeichnet. Während demokratische Kreise die Rede als notwendige Erinnerung an gemeinsame Werte loben, sehen republikanische Stimmen darin eine ungewöhnlich direkte Einmischung. Fest steht: König Charles hat die Rolle des neutralen Staatsoberhaupts gewahrt und gleichzeitig ihre Grenzen maximal ausgelotet.

Barbara Colpi

USA-Korrespondentin

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Barbara Colpi berichtet seit Juli 2022 als Korrespondentin für Radio SRF und News Digital aus den Vereinigten Staaten. Sie ist seit 2005 bei Radio SRF und begann als Redaktorin in der Sportredaktion, wo sie 2008 die stellvertretende Leitung übernahm. Im Frühling 2016 wechselte die studierte Sozialanthropologin auf den Korrespondentenposten nach Lausanne.

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Heute Morgen, 29.04.2026, 6 Uhr

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