Der britische König ist in Washington eingetroffen. Heute sind der offizielle militärische Empfang im Weissen Haus und ein bilaterales Treffen zwischen ihm und US-Präsident Donald Trump geplant. Anschliessend wird König Charles eine Rede vor dem amerikanischen Kongress halten, bevor am Abend dann das grosse Staatsbankett folgt. USA-Korrespondentin Barbara Colpi erklärt, weshalb der Besuch eine wichtige politische Mission darstellt und welches Ziel hinter dem Pomp steckt.
Wie wird der Besuch wahrgenommen?
In den USA steht der Event-Charakter im Vordergrund. Überschattet wird der Besuch jedoch von den erhöhten Sicherheitsbedenken nach dem jüngsten Schussvorfall in Washington. Donald Trump wird versuchen, den Besuch als Bühne zu nutzen, um sich im Glanz der Monarchie als globalen Staatsmann inszenieren zu können. Ein Bild, das von innen- und aussenpolitischen Problemen ablenken soll. Trump gilt als ausgesprochener Verehrer der britischen Monarchie und verweist dabei gerne auf seine schottische Herkunft mütterlicherseits.
Welche politische Bedeutung hat dieser Besuch?
Es ist der erste USA-Besuch von König Charles in seiner neuen Rolle und er fällt in eine Phase, in der die transatlantischen Beziehungen unter Druck stehen. Entsprechend gross ist der symbolische Aufwand: Staatsbankett, Gartenparty, militärische Ehren und vor allem die Rede von König Charles vor dem Kongress, erst die zweite eines britischen Monarchen überhaupt. Hinter dem Pomp steht eine klare Mission: die «Special Relationship» zu stabilisieren. Zusätzlich fällt der Zeitpunkt bewusst auf das 250-Jahr-Jubiläum der US-Unabhängigkeit von der britischen Krone. König Charles agiert dabei als klassischer «Soft-Power»-Diplomat. Gerade weil er formal neutral ist, kann er hinter verschlossenen Türen Einfluss nehmen. Der Besuch ist somit eine wichtige diplomatische Mission, in einer Zeit, in der die Frage im Raum steht, wie verlässlich die USA unter Trump für ihre europäischen Partner noch sind.
Britisches Königspaar auf Besuch in den USA
-
Bild 1 von 9. Der britische König Charles III. und Königin Camilla sind für vier Tage auf Staatsbesuch in den USA. Bildquelle: Reuters/Aaron Chown .
-
Bild 2 von 9. Um 20:30 Uhr Schweizer Zeit landete das Königspaar in Washington. Bildquelle: Reuters/Eric Lee .
-
Bild 3 von 9. Neben einer Rede, die Charles III. in Washington hält, erwarten ihn auch eine Militärzeremonie und ein Gespräch mit US-Präsident Donald Trump im Oval Office. Bildquelle: Reuters/Eric Lee.
-
Bild 4 von 9. US-Präsident Donald Trump gilt als grosser Fan der britischen Royals. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Alex Brandon .
-
Bild 5 von 9. Etwa mit einer Stunde Verspätung traf das Königspaar schliesslich im Weissen Haus ein. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Alex Brandon .
-
Bild 6 von 9. Gleich nach dem Empfang im Weissen Haus ging es für die Royals über zum gemeinsamen Tee. Bildquelle: Reuters/Suzanne Plunkett.
-
Bild 7 von 9. Die Royals besichtigen gemeinsam mit dem Präsidentenpaar die Bienenstöcke des Weissen Hauses. Bildquelle: Reuters/Suzanne Plunkett .
-
Bild 8 von 9. Auch den Honig durften sie verköstigen. Bildquelle: Reuters/Aaron Chown.
-
Bild 9 von 9. Hunderte Menschen nahmen an der Gartenparty bei der britischen Botschaft teil. Bildquelle: Reuters/Roberto Schmidt .
Die Spannungen zwischen den USA und Grossbritannien haben in den letzten Monaten zugenommen. Welche Rolle spielt dabei die Diplomatie von König Charles?
Weil der König formal neutral ist, kann er im bilateralen Gespräch mit dem Präsidenten hinter verschlossenen Türen Einfluss nehmen. Die Beziehungen zwischen den USA und Grossbritannien sind derzeit ungewöhnlich kühl. Der aktuelle Hauptstreitpunkt ist der Krieg im Iran. Trump kritisiert offen, dass Grossbritannien eine militärische Beteiligung verweigert. Hinzu kommen Differenzen bei NATO-Verpflichtungen, in Handelsfragen und bei wirtschaftspolitischen Themen wie der Digitalsteuer. Auch Trumps wiederholte Angriffe auf Premier Keir Starmer belasten das Verhältnis. Hinzu kommt: Als Staatsoberhaupt von Kanada ist Charles auch indirekt in den Handelsstreit zwischen den USA und Kanada involviert. Gerade in dieser Situation kann er die Monarchie als diplomatischen Kanal nutzen, um Gesprächsfäden aufrechtzuerhalten, die politisch schwieriger geworden sind.
Welche heiklen Themen werden bewusst ausgeklammert?
Beide Seiten werden vermeiden, die Epstein-Affäre anzusprechen, da die Epstein-Akten sowohl Trump als auch das britische Königshaus indirekt belasten. Die Verbindungen zwischen Epstein und Andrew Mountbatten-Windsor, dem jüngeren Bruder von König Charles, schaden dem Ruf der Monarchie. Trotzdem hat Charles die Anfrage abgelehnt, Opfer des verurteilten Sexualstraftäters Epstein zu treffen und mit ihnen zu sprechen.