Darum geht es: In einer mit Spannung erwarteten Rede vor dem US-Kongress hat König Charles III. die Fähigkeit der USA und Grossbritanniens beschworen, Differenzen zu überwinden. «Immer und immer wieder haben unsere beiden Länder Wege gefunden, wieder zusammenzufinden», sagte der Monarch. Dispute hätten die gemeinsame Geschichte zwar geprägt. Als Ergebnis der gemeinsamen Tradition seien beide Länder jedoch «instinktiv gleichgesinnt».
Leise Kritik an Trump: Seine Rede nutzte der britische Monarch auch, um mehreren Meinungsäusserungen von Trump zumindest indirekt etwas entgegenzusetzen. Dabei wies er auf die Gefahr des Klimawandels hin, den der Republikaner immer wieder praktisch geleugnet hatte. Ohne Trumps Namen in diesem Kontext zu nennen, betonte der Monarch auch die Bedeutung der Nato und der Verteidigung der Ukraine.
Versöhnlich bei den Militärausgaben: Charles war folglich auch bemüht, die Wogen zu glätten – etwa im Bereich Militärausgaben. Das Vereinigte Königreich sei sich darüber im Klaren, dass die Bedrohungen von heute neue Antworten erforderten, so Charles. «Deshalb hat sich unser Land, um für die Zukunft gerüstet zu sein, zur grössten nachhaltigen Aufstockung der Verteidigungsausgaben seit dem Kalten Krieg verpflichtet.»
Reizthema Klimawandel: Charles III. sagte, das Engagement und die Kompetenz der US-Streitkräfte und ihrer Verbündeten bildeten das Herz der Nato. «Von den Tiefen des Atlantiks bis zu den katastrophal schmelzenden Eiskappen der Arktis», sagte Charles, was als Verweis auf den Klimawandel gewertet werden kann, den Trump praktisch leugnet. Der Klimawandel bedrohe weit mehr als die Harmonie und die unverzichtbare Vielfalt der Natur. «Wir ignorieren auf eigene Gefahr», dass diese natürlichen Systeme die Grundlage für Wohlstand und Sicherheit bildeten, sagte der König.
Reizthema Ukraine: «Es ist eine Zeit, die in vielerlei Hinsicht unbeständiger und gefährlicher ist als die Welt, von der meine verstorbene Mutter 1991 in diesem Plenarsaal sprach», sagte Charles. Der König nutzte die Chance, um zu einer entschlossenen Verteidigung der Ukraine aufzurufen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe die Nato ihren Artikel fünf aktiviert – und die Verbündeten hätten zu den USA gestanden. Heute sei «dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit erforderlich, um die Ukraine und ihr mutiges Volk zu verteidigen», sagte er in Richtung des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson.
Britisches Königspaar auf Besuch in den USA
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Bild 1 von 11. Der britische König Charles III. und Königin Camilla sind für vier Tage auf Staatsbesuch in den USA. Bildquelle: Reuters/Aaron Chown .
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Bild 2 von 11. Am Montagabend um 20:30 Uhr Schweizer Zeit landete das Königspaar in Washington. Bildquelle: Reuters/Eric Lee .
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Bild 3 von 11. Neben einer Rede, die Charles III. in Washington hält, erwarten ihn auch eine Militärzeremonie und ein Gespräch mit US-Präsident Donald Trump im Oval Office. Bildquelle: Reuters/Eric Lee.
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Bild 4 von 11. US-Präsident Donald Trump gilt als grosser Fan der britischen Royals. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Alex Brandon .
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Bild 5 von 11. Etwa mit einer Stunde Verspätung traf das Königspaar schliesslich im Weissen Haus ein. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Alex Brandon .
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Bild 6 von 11. Gleich nach dem Empfang im Weissen Haus ging es zum gemeinsamen Tee. Bildquelle: Reuters/Suzanne Plunkett.
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Bild 7 von 11. Die Royals besichtigen gemeinsam mit dem Präsidentenpaar die Bienenstöcke des Weissen Hauses. Bildquelle: Reuters/Suzanne Plunkett .
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Bild 8 von 11. Auch den Honig durften sie verkosten. Bildquelle: Reuters/Aaron Chown.
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Bild 9 von 11. Hunderte Menschen nahmen an der Gartenparty bei der britischen Botschaft teil. Bildquelle: Reuters/Roberto Schmidt .
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Bild 10 von 11. Am Dienstagabend (Schweizer Zeit) sprach König Charles III. vor dem US-Kongress. Bildquelle: AP Photo/Matt Rourke.
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Bild 11 von 11. In seiner Rede kritisierte der britische König indirekt die Trump-Regierung: Er mahnte zum Umweltschutz, der von der US-Regierung untergraben wird. Bildquelle: AP Photo/Manuel Balce Ceneta.
Epstein-Thema nicht erwähnt: Brisant ist Charles' Besuch in Washington auch wegen der Causa Jeffrey Epstein: Forderungen nach einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer des verstorbenen Multimillionärs hatte der Palast vor dem Besuch zurückgewiesen. Charles' jüngerer Bruder, Ex-Prinz Andrew, war viele Jahre mit Epstein befreundet; das Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte ihm vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies das stets zurück. Auch diesen Komplex erwähnte Charles nicht.
Laute Lacher im Publikum: Wie Elizabeth II. sorgte Charles in seiner Rede immer wieder für laute Lacher im Saal. Die nicht besonders gross gewachsene Königin hatte ihre Rede 1991 mit der Frage eröffnet, ob jeder sie gut sehen könne. Charles sorgte mit einem Zitat von Oscar Wilde für heitere Stimmung: «Wir haben heutzutage wirklich alles mit Amerika gemeinsam, ausser natürlich der Sprache.»