Václav Klaus – von einem Fettnäpfchen zum anderen

Zehn Jahre war er an der Macht, nun muss er abtreten – der tschechische Präsident Václav Klaus. Er darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren. Die Ära Klaus war wohl nicht die beste in der Geschichte des Staates. Im Ausland bleiben nur die Faux-pas in Erinnerung.

Zusatzinhalt überspringen

Wahlurnen geschlossen

Die Stichwahl um das Präsidentenamt in Tschechien zwischen dem konservativen Aussenminister Karel Schwarzenberg (75) und dem linken Ex-Regierungschef Milos Zeman (68) ist seit 14 Uhr beendet. Das Resultat sollte ab 17 Uhr vorliegen. Zum Endspurt im Kampf um den Hradschin

Präsident soll nur jemand sein, der «sein Leben hier verbracht hat». So liess sich Klaus unlängst von den Medien zitieren. Mit diesen Worten attackierte er seinen potenziellen Nachfolger Karel Schwarzenberg. Der Adelige verbrachte die Mehrheit seiner 73 Jahre im Exil. In Klaus‘ Augen ist Schwarzenberg deshalb kein echter Tscheche.

Mit seiner Äusserung ergriff der 71jährige Klaus Partei für Miloš Zeman. Eigentlich erstaunlich. Denn der Linkspopulist Zeman müsste für den Bürgerlichen Klaus ein Feindbild sein. Auch in der Europafrage vertreten Zeman und Klaus oft eine Meinung. Beide sind für einen nationalistischen Kurs, sie sehen Brüssel vor allem als Bedrohung.

Porträt Klaus die Hànde verwerfend Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wohl kein Ruhmesblatt der Geschichte: Václav Klaus muss nach 10 Jahren sein Amt als Präsident abgeben. Keystone

Als Präsident hatte Klaus mit seinem EU-kritischen Kurs immer wieder für Aufregung gesorgt. In seinem neusten Buch «Europa braucht Freiheit» prangert Klaus die Euro-Zone an und plädiert für ein Europa der Nationalstaaten. Die Skepsis gegenüber der EU nehmen ihm viele Tschechen übel. Manche sind der Meinung, Klaus habe das Land in Europa in Misskredit gebracht.

Dissidenten waren ihm suspekt

Schwarzenberg hat in seiner Exil-Zeit Dissidenten unterstützt – Klaus will das nicht wahrhaben. Kürzlich liess der Technokrat Klaus verlauten, er würde dem Adeligen die Aussagen über die Beneš-Dekrete «niemals verzeihen».

Schwarzenberg war der Büroleiter des langjährigen Präsidenten Václav Havel, er stand dem Dichterpräsidenten sehr nahe. Diese Nähe war Klaus immer suspekt – genauso suspekt wie Havels Ermahnungen über Moral, Menschenrecht und Liebe. Als Präsident habe Klaus die Szene der Ex-Dissidenten gehasst und politisch kaltgestellt, kommentiert «Der Bund».

Viel Kritik erntete Klaus mit einer seiner letzten Handlungen als Präsident. Am Neujahrstag 2013 unterzeichnete er die grösste Amnestie seit 1989. Dank dieser Amnestie sind auch zahlreiche Wirtschaftsverbrecher wieder auf freiem Fuss. Als Protest gegen diese Amnestie wurden in zahlreichen Schulstuben die Porträts von Klaus bereits abgehängt, auch wenn die Amtszeit bis zum 7. März dauert.

Klau-Affäre ist unverzeihlich

Auch das nimmt man dem Präsidenten übel: 2011 hat Klaus bei einer Medienkonferenz seines chilenischen Amtskollegen den Kugelschreiber mitgehen lassen. Die Medien haben die Klau-Affäre genüsslich aufgegriffen; sie machte Tschechien international zum Gespött.

Klaus hatte versprochen, sich nicht in den Wahlkampf einzumischen. Doch er und die ganze Familie konnten einfach nicht den Mund halten. Schwarzenberg sang kürzlich die tschechische Hymne – und Klaus’ Sohn mokierte sich über das Nuscheln des Adeligen. Und Livia Klausová kritisierte Schwarzenbergs Frau, die potenzielle First Lady: Sie spricht kein Tschechisch.

Nein, so richtig glücklich waren die Tschechen nie mit ihrem Präsidenten Václav Klaus. Den nächsten Staatschef können sie jetzt zum ersten Mal direkt wählen. Die Kritik an Klaus zeigte sich in der phänomenal hohen Beteiligung beim ersten Wahlgang – 61,3 Prozent. Klaus kritisierte die Direktwahl prompt als «fatalen Fehler». Bei Klaus‘ Abgang wird es nun wohl ein nationales Aufatmen geben.