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Die Gruppierung «Wolverine Watchmen» war bisher unbekannt
Aus Info 3 vom 09.10.2020.
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Vereitelte Entführung US-Korrespondent: «Eine bis anhin unbekannte Gruppierung»

Mehrere Männer haben im US-Bundesstaat Michigan vorgehabt, die Regierung zu stürzen und die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer zu entführen. Das Justizministerium Michigans vermutet sogar, dass die Männer planten, einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Die Behörden konnten die Pläne durchkreuzen und 13 Männer festnehmen.

Matthias Kündig

Matthias Kündig

USA-Korrespondent, SRF

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Matthias Kündig berichtet seit Herbst 2018 aus Miami über die USA, Mexiko, Zentralamerika und die Karibik. Davor war er Produzent beim «Echo der Zeit» und Sonderkorrespondent in Ägypten. Kündig studierte an der Universität Bern Geschichte und Politologie.

SRF News: Was wird den festgenommenen Männern genau vorgeworfen?

Matthias Kündig: Ihnen werden Verschwörung, Terrorismus und Waffendelikte zur Last gelegt. Konkret sollen sie vorgehabt haben, das Kapitol in der Hauptstadt Lansing zu stürmen, dort die Gouverneurin nach Wisconsin zu entführen und ihr dort den Prozess zu machen. Sie werfen der Demokratin Gretchen Whitmer vor, mit ihren Corona-Massnahmen gegen die in der Verfassung garantierten Freiheitsrechte verstossen zu haben.

Die Gruppe hat im Sommer offenbar Schusswaffen- und Kampftrainings durchgeführt. Sie hat sich Sprengstoff besorgt und das Ferienhaus Whitmers ausspioniert. Die Gruppe nennt sich «Wolverine Watchmen». Sie hat vermutlich direkte Verbindungen zu anderen gewaltbereiten Gruppierungen am rechten politischen Rand, zum sogenannten Boogaloo-Movement, das einen zweiten Bürgerkrieg in den USA anstrebt.

Offensichtlich existiert im Untergrund eine aktive Bewegung, deren Einfluss weit über den Bundesstaat Michigan hinausgeht?

Ja, und das darf auch nicht erstaunen. Die Bundespolizei FBI und die Geheimdienste weisen seit Jahren darauf hin, dass die grösste Gefahr für den Staat von diesen rechtsgerichteten und gewaltbereiten Gruppierungen ausgeht, welche die Institutionen nicht anerkennen und das staatliche Gewaltmonopol nicht akzeptieren.

Die «Wolverine Watchmen» haben vermutlich direkte Verbindungen auch zum Boogaloo-Movement, das einen zweiten Bürgerkrieg in den USA anstrebt.

So stehen derzeit zwei Mitglieder der Boogaloo-Bewegung vor Gericht wegen Mordes an zwei Polizisten. Und auch die «Wolverine Watchmen» sollen die privaten Adressen von Polizisten und Polizeikommandanten ausfindig gemacht haben.

Die Behörden konnten die Entführung der Gouverneurin vereiteln. Haben die Behörden diese Gruppen unter Kontrolle?

Dass das Komplott in Michigan aufgedeckt wurde, bevor es ausgeführt werden konnte, stimmt zunächst zuversichtlich. Die Aufdeckung sei möglich gewesen, weil das FBI und die Strafverfolgungsbehörden offenbar über Informanten in dieser Szene verfügen und Undercover-Agenten eingesetzt haben. Was etwas weniger zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass die «Wolverine Watchmen» bis gestern in Fachkreisen weitgehend unbekannt waren, sich quasi unter dem öffentlichen Radar bewegen konnten.

Die betroffene Gouverneurin gab US-Präsident Donald Trump die Schuld am Vorfall, zumindest indirekt. Ist das berechtigt?

Whitmer warf Trump vor allem Verantwortungslosigkeit vor. Sie wies darauf hin, dass sich der Präsident nie richtig abgegrenzt habe von den gewaltbereiten Gruppierungen am rechten politischen Rand und sogar die Warnungen der eigenen Geheimdienste hinterfrage. Seine halbherzige Distanzierung von rechten Gewaltgruppierungen, etwa anlässlich der Präsidentschafts-Debatte vergangener Woche, wirken auf diese Gruppierungen erwiesenermassen wie eine Ermunterung.

Der Präsident hat sich nie richtig abgrenzt von gewaltbereiten Gruppierungen am rechten politischen Rand

Wie berechtigt Whitmers Worte waren, bewies der Präsident mit seiner Reaktion. Zunächst schwieg er lange zum aufgedeckten Komplott. Am Freitagvormittag setzte er dann Tweets ab, in denen er zunächst Whitmer angriff. Nur nebenbei merkte er an, er sei selbstverständlich gegen jede Form von extremer Gewalt.

Das Gespräch führte Patrick Seiler.

Info 3, 09.10.2020, 17:00 Uhr;

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Die Gruppe hat den "Umsturz" deshalb geplant, weil die Fitnessstudios von den Covid Massnahmen betroffen waren. Die ganze Story liest sich eher wie eine Comedie. Ich würde diese Gruppe nicht allzu ernst einstufen. Das ganze ist eher als Randnotiz zum Schmunzeln am Ende der 8 Uhr Nachrichten anzusehen.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Auch mit der Verharmlosung von bis an die Zähne Bewaffneten Umstürzlern kann man hier nichts an der Situation verbessern, Hr. Gasser.
    2. Antwort von Roland Burri  (BurriR)
      Tut der Werte Herr Gasser auch nicht ! Auch hier lässt es sich beweisen: es gibt von allen Seiten bewaffnete Einheiten ! Von rechtsextremen und linksextremen
  • Kommentar von Roland Burri  (BurriR)
    Das sollen rechtsextrme Trump Anhänger gewesen und Trump sei schuld . Ok ! Lassen wir so stehen! Dann ist als der Vor wenigen Wochen bei Unruhen erschossene rechte Trump Anhänger Opfer von linksextremen Biden Anhänger geworden . Und dieser trägt eine Mitschuld? Ok das ist logisch! Beides ist zu verurteilen
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Sie sind komplett auf dem Holzweg. Erstens: Es gibt in den USA keine organisierten Linksextremen. Zweitens: Biden hat nicht zu Gewaltbereitschaft aufgerufen. Was an den einfachen vorliegenden Fakten ist nicht klar, dass eine direkte Mitverantwortung Trumps mit solchen Kindergartentaktiken verneint werden muss?
    2. Antwort von Roland Burri  (BurriR)
      Danke ich befinde mich nicht auf dem Holzweg! Selbstverständlich gibt es diese Szene! Die sind auch gut vernetzt wie man bei den BLM gesehen hat . Ausserdem sprach über die Tat . Wer soll es denn sonst gewesen sein ? Darf es für sie. Diese Extreme einfach nicht geben ?
    3. Antwort von Roland Burri  (BurriR)
      Selbstverständlich hat Herr Biden niemals zu dieser Gewalt aufgerufen! Aber das hat Herr Trump auch nicht ! Ein schwer zu glaubeneS unterstellen Von ihnen !
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Einige haben es wohl satt sich durch ihre schrägen Kommentaren zum Gespött zu machen. Andere kommentieren weiter, wie mir scheint, einzig um zu provozieren. Ich hoffe, dass die Republikaner Ihre Mehrheiten verlieren, mit denen sie über Jahrzehnte, die Politik blockiert haben, wenn sie einmal nicht am Ruder waren. Die Gemäßigten Demokraten hätten dann endlich die Möglichkeit vieles gerade zu rücken, was der Zampano in Schieflage gebracht hat!
    1. Antwort von Walter Freiburghaus  (sophisticated)
      Offenbar ist es hier tatsächlich sehr schwierig differenziert zu diskutieren Herr Kirchhoff. Ich habe ganz klar in der Sache Herr Krebs recht gegeben, aber das scheint nicht zu reichen.
      Ich darf hier klar sagen, ein so krasses darstellen eines Klischees ist unverantwortlich vom Sender ZDF. Provokativ gefragt, warum war es nicht gerade umgekehrt? Nein, was ich meine, beides Vertreterinnen mit ähnlichem Bildungsniveau und einer gewissen rhetorischen Gewandtheit. Das ZDF hat gepatzt, bewusst o unb