Der Iran hat den USA einen Plan zu einem möglichen Kriegsende vorgelegt. Der Plan sieht vor, dass zuerst die Seeblockade aufgehoben wird. Über das heikle Thema – das iranische Atomprogramm – soll erst später gesprochen werden. Doch die letzten Verhandlungsversuche sind gescheitert: Die iranischen Vertreter waren zwar in die pakistanische Hauptstadt Islamabad angereist – aber wenig später wieder abgereist. Darum reisten die USA gar nicht erst an. Die Verhandlungen stecken fest. Was braucht es für erfolgreiche Verhandlungen? Die Politologin und Verhandlungsexpertin Nora Meier schätzt ein.
SRF News: Was braucht es, damit solche Verhandlungstreffen funktionieren?
Nora Meier: Zuerst einmal Zeit. Wenn sich die Verhandlungsdelegationen das erste Mal treffen, haben idealerweise bereits mehrere bilaterale Treffen im Vorfeld stattgefunden. Das kann Monate dauern. Beim ersten grösseren Treffen geht es dann darum, dass die Parteien ihre eigene Ausgangslage schildern. Gut möglich, dass die Positionen da noch diametral entgegengesetzt sind. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Beim zweiten Treffen kann man im besten Fall über mögliche Schnittmengen sprechen. Und im dritten Treffen könnten diese konkretisiert werden zu bestimmten Verhandlungsthemen. Wenn man sich auf Themen einigen kann, ist das meist schon ein Durchbruch.
Welche wichtigen Prinzipien sollte jede Verhandlerin kennen?
Die Vorbereitung ist zentral. Und zwar sollte man sich auf jede einzelne Verhandlungsrunde erneut seriös vorbereiten.
Man kann keine guten Verhandlungen führen, wenn man nicht gut vorbereitet ist.
Das wird oft unterschätzt. Man kann keine guten Verhandlungen führen, wenn man nicht gut vorbereitet ist. Ausserdem sollte man sich von Anfang an bewusst sein, welche Schnittmengen man anbieten kann. Es braucht einen gewissen Kooperationswillen. Und drittens sollte man seiner eigenen Rolle bewusst sein: Welches Ziel verfolgt man und wo sind die roten Linien?
Ihre Einschätzung: Wie gut ist das zwischen den USA und dem Iran bisher gelungen?
Für mich ist die Zielsetzung der USA zu wenig klar. Was wollen sie überhaupt? Wenn man das Ziel nicht im Auge hat, ist auch die Strategie nicht klar. Der Iran wiederum hat gewisse Bedingungen gestellt, um überhaupt wieder in direkte Gespräche mit den USA einzutreten. Zum Beispiel, dass man nicht unter Drohungen verhandeln möchte. Das ist eine nachvollziehbare Forderung.
US-Präsident Donald Trump ist als unberechenbarer Verhandlungspartner bekannt – was ändert das?
Das ist die grosse Schwierigkeit. Das Einzige, was man tun kann: Flexibel bleiben und mehrere Szenarien bereithalten. Gewisse Umstände sind gegeben. Dazu gehört auch seine Persönlichkeit und seine Volatilität. Da darf man auch nicht auf die anderen Mitglieder der US-Delegation hoffen. Sie vertreten die Interessen dieser Administration und sind letztlich an das gebunden, wofür sich Trump zuletzt entschieden hat.
Was würden Sie dem Iran und den USA für die nächsten Verhandlungen raten?
Sie sollten versuchen, Gemeinsamkeiten zu finden. Und die dürfte es geben – zum Beispiel mit der Strasse von Hormus. Und genau das versucht der Iran ja jetzt mit dem neuesten Vorschlag. Das könnte ein erster Schritt sein. Der negative Kreis muss zuerst durchbrochen werden. Wenn das klappt, könnten nach dem kurzfristigen Erfolg auch schwierigere Themen angegangen werden, wie das Atomprogramm. Und da wäre es wichtig, dass Israel miteinbezogen wird – indem die USA dem Iran garantieren, dass Israel sich an allfällige Abmachungen zwischen den USA und dem Iran hält. Dieser Schritt könnte für den Iran mehr Vertrauen in den Prozess schaffen.