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Verkehrsrevolution in Fernost In China fahren die Busse selber – bezahlt wird mit dem Gesicht

Im weltgrössten Automarkt arbeitet man unter Hochdruck an selbstfahrenden Autos. Besonders im ÖV hat China Ambitionen.

Legende: Audio Willkommen in Chinas intelligenten Bussen abspielen. Laufzeit 03:07 Minuten.
03:07 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.10.2018.

«Danke, dass Sie mit dem intelligenten Bus fahren», sagt die Frauenstimme aus dem Lautsprecher. Entwickelt wurde der weisse Bus vom chinesischen Technologieunternehmen Haylion.

Er fährt durch ein Büroviertel in der Millionenstadt Shenzhen in Südchina. Wie von Geisterhand bewegt sich das Steuerrad im Bus. Hinter dem Steuer sitzt ein Busfahrer, aber nur zur Sicherheit – seine Hände hält er demonstrativ in die Luft.

Grosse Pläne – auch seitens der Regierung

Das Tech-Unternehmen Haylion nimmt in Chinas Plan zum autonomen Fahren eine Schlüsselrolle ein. Geht es nach der Regierung, soll bis 2030 jedes zehnte Auto auf Chinas Strassen selbstfahrend sein – im ÖV und Privatverkehr.

Haylion-Chef Hu Jianping vor und im selbstfahrenden Bus.
Legende: Haylion-Chef Hu Jianping hat Grosses vor: Sein Unternehmen soll die Revolution auf Chinas Strassen anführen. SRF/Martin Aldrovandi

Der weisse Bus ist voller Kameras, einige sind auf die Strasse gerichtet, andere zeigen auf die Passagiere. Der Chef des Unternehmens, Hu Jianping, erklärt, man habe verschiedene Systeme ausprobiert. In einem ersten Schritt bezahlen die Passagiere noch mit dem Smartphone. Die nächste Stufe: Bezahlen mit dem Gesicht. Dazu scannen die Kameras an den Türen die Gesichter der Passagiere.

Alles soll flexibel werden

Trotz allem High-Tech: Noch darf der Bus keine regulären Passagiere transportieren, die Lizenz gilt nur für Sonderfahrten – aber immerhin auf regulären Strassen. In Zukunft soll der Bus auch seinen Fahrplan flexibel den Passagieren anpassen, erklärt Hu: «Passagiere können mit dem Handy ihren Standort angeben – wie bei einem Taxi.»

Diesen On-Demand-Service gibt es schon heute mit normal durch Menschen gesteuerten Bussen in Shenzhen. Sie haben keine fixen Haltestellen mehr, sondern flexible Zeiten und Routen, je nach Passagierbedarf.

Blick aus dem Bus auf die Strasse
Legende: Wie von Geisterhand bewegt sich das Steuerrad. Bis der selbstfahrende Bus in Serie geht, dauert es aber noch. SRF/Martin Aldrovandi

Die Zukunft stellt sich Hu Jianping von der Firma Haylion vollautomatisch vor: Auch der Busfahrer, der jetzt noch sicherheitshalber hinter dem Steuer sitze, werde in ein paar Jahren nicht mehr nötig sein.

Und: Was sagt der Busfahrer selbst dazu? Macht er sich da keine Sorgen um seinen Job? Doch, doch, solche Gedanken habe er sich natürlich gemacht, sagt Busfahrer Sun. «Wenn die Entwicklung weiter voranschreitet, werde ich wohl meine Arbeit verlieren», sagt er.

Aber zumindest im Moment könne er sich nicht beklagen: «Im Vergleich zu früher habe ich jetzt viel weniger zu tun, auch weniger Stress.» Hinter dem Steuer zu sitzen und zuzuschauen, sei eigentlich ganz angenehm.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich hoffe, dass keiner neidisch ist auf diese vermeintliche Innovation. Was hier an Menschlichkeit verloren geht, passt ganz und gar zu China aber bestimmt nicht nach Europa. Wer glaubt dass künstliche Intelligenz intelligent ist, täuscht sich sehr. Man kann das bei uns bei den Musiksendungen hören, bei denen nicht mehr durch einen Menschen die Musiktitel gewählt werden, sondern per Zufallsauswahl eines Computers. Da kommt zwar ab +zu mal ein wirklich schöner + bekannter Titel, aber meist Mist!
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  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    Wenn ich die Kommentare hier lese, bin ich froh, ja dankbar, dass es offensichtlich noch Menschen gibt, die die digitale Welt vielleicht nicht verteufeln (ich möchte ja auch nicht mehr Briefe von Hand schreiben), aber der überbordenden technischen Entwicklung, die nach dem Motto agiert "wir machen's weil wir's machen können", doch noch kritisch gegenüber steht.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Naja, in der Schweiz fahren, wie in China, ein zwei Busse von alleine und Eritreer und andere Afrikaner bezahlen seit Jahren mit ihrem Gesicht, sprich der Poschtichauffeur macht einfach einen Strich auf eine Liste und die Gemeinde, sprich der Schweizer Steuerzahler, zahlt die Rechnung. Naja, Fahrten mit Gesichtserkennung zahlen, dass würde Sommaruga wirklich passen, so kann ihr Überwachungsstaat weiter agieren und Leuthard kann die Daten lukrativ verkaufen.
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