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Merkel: «Wir müssen jetzt handeln»
Aus News-Clip vom 20.01.2021.
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Verlängerter Shutdown Deutschlands Winter wird noch lange dauern

Es kam, wie es kommen musste: Geschäfte, Gastronomie und Kultur bleiben geschlossen, die Profi-Maske wird Pflicht im ÖV sowie beim Einkaufen, und Eltern bleiben in der Doppelrolle als Arbeitnehmende und Kinderbetreuende gefangen. Deutschland befände sich in den «härtesten Wochen dieser Pandemie», sagte die Kanzlerin.

Magisches Denken

Ihre Treffen mit den Bundesländern sind zum Ritual geworden. Oft genug folgten Versprechungen, die nicht eingehalten werden konnten: Der Shutdown sei auf den November «befristet», wurde garantiert, oder zu einem totalen Lockdown werde es nicht mehr kommen. Man weiss nicht recht, ob die Verantwortlichen wider besseres Wissen Hoffnung verbreiteten, oder dem magischen Denken verfallen waren.

Die Ankündigung, die Schulen würden zum 15. Februar wieder geöffnet werden, musste zurückgezogen werden. Nach zwei Monaten mit immer schärferen Massnahmen soll es ab Mitte Februar zwar aufwärtsgehen, allein: Mit Gewissheit garantieren kann das keiner. Die neue Virusvariante hat daran einen entscheidenden Anteil.

Die «harte Keule» wäre schwer zu vermitteln

Nun wird also der öffentliche Nahverkehr «entzerrt» durch mehr Busse und Bahnen, dort sowie in Geschäften gilt eine Pflicht zur OP- oder FFP2-Maske und Home-Office wird «wo möglich» verordnet. Zahlreiche Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass wesentlich stärkere Massnahmen notwendig wären, um die Inzidenz so weit zu drücken, wie es das erklärte Ziel der Regierenden ist.

Diese wären allerdings schwer zu vermitteln – ausgerechnet jetzt, wo die Corona-Zahlen zum ersten Mal seit Monaten wieder erkennbar sinken. «Die harte Keule», wie sie in Deutschland seit Tagen im Blätterwald und Netz-Gezwitscher diskutiert wurde, ist politisch nicht opportun. Eine Arbeitsgruppe soll nun stattdessen eine «sichere» Lockerungs-Strategie entwerfen.

Keine «alte Normalität» in Aussicht

Dass Politikerinnen den Corona-mürben Deutschen nicht noch mehr zumuten wollen, ist verständlich – erst recht, wenn wichtige Wahlen anstehen. Jeder erlebt die Auswirkungen sozialer Isolation bei gleichzeitig trüben Aussichten am eigenen Leib, manche brutal. Dennoch wäre es ehrlicher zuzugeben, dass die «alte Normalität» auch am 14. Februar noch nicht zurückkommt.

Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim wies am 1. April 2020 in ihrem Video darauf hin, dass die Pandemie erst überwunden sei, wenn Herdenimmunität erreicht werde, oder anders formuliert: Wenn 60-70 Prozent der Bevölkerung geimpft seien. Das ist nicht bloss ihre Meinung, sondern die logische Schlussfolgerung dessen, was wissenschaftlich über die Pandemie bekannt ist.

Nun läuft das mit der Impfung nicht auf Knopfdruck. Es gibt Produktions- und Lieferschwierigkeiten, Verteildiskussionen und Impfskepsis. Hinzu kommen lösbare logistische Herausforderungen und schwerer lösbare Verschwörungsängste. Wenn die Deutschen Glück haben, wird der nächste Winter erträglicher. Das lag dann aber nicht an einer Arbeitsgruppe.

Bettina Ramseier

Bettina Ramseier

Deutschland-Korrespondentin, SRF

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Bettina Ramseier ist SRF-Korrespondentin in Berlin. Sie ist seit 15 Jahren TV-Journalistin: Zuerst bei TeleZüri, danach als Wirtschaftsredaktorin bei SRF für «ECO», die «Tagesschau» und «10vor10».

SRF 4 News, 20.01.21, 5 Uhr

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Zum Winter, noch vor 2 Wochen war es in Oslo 19 Grad kälter. Es hat zweierlei gezeigt. Wenn wir 1-3 Umweltjahre einschalten, wo ein Geldverteilsystem spielen muss, dann kommen die Temperaturen runter - auch in Oslo, ein Coronajahr genügt und der Winter kommt zurück. Der Winter ist im Flachland schon vorbei, die Viren , wenn schon gab es ewig und wird es ewig geben und braucht es sogar. Viren kann man nicht und muss man nicht auslöschen, das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Sogar contraproduktiv.
  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Ja klar, wird der Winter länger - auch bei uns. Das ist normal, wenn sich die Ziele laufend ändern. Einmal sollten wir die "R-Zahl" unter 1 bekommen... Dann ging es darum, die Spitäler zu entlasten... Die Fallzahlen (nur positiv getestete - keine Kranken!) sollten sich pro 2 Wochen halbieren... Nun sollen wir präventiv, wegen den mutierten Viren aus GB und BRA, nicht nur die verschärften Massnahmen erdulden, sondern weitere Massnahmen dazu einhalten müssen - unerhört (s.Film von Reto Brennwald)!
  • Kommentar von Patrick Fuhrer  (derFu)
    Politik und Wissenschaft werden seit Beginn dieser Pandemie sträflich vermischt. Beschädigt werden am Schluss beide. Bestes Bsp. ist unsere Task Force. Es wurde der Bevölkerung für das besonnene Verhalten an den Festtagen gedankt, was nur zeigt, wie wenig die Infektionsdynamik verstanden wird. Als neuer Bösewicht muss nun ein Mutant herhalten (es gibt bereits mehrere tausend davon).