Stau in 7200 Metern Höhe. Mehr als 200 Lastenträger, Bergsteiger und Bergsteigerinnen müssen vor einem Engpass oberhalb von Camp drei fast zwei Stunden lang warten, bevor es weitergeht. Es ist Nacht, es ist kalt, die Luft ist gefährlich dünn, sie schnaufen und husten und frieren.
Nepal hat acht der weltweit 14 8000er-Berge. Aber kein Gipfel zieht so viele Bergsteiger an wie der Mount Everest. Obwohl die Regierung des Himalaja-Staates die Gebühr vor ein paar Monaten erhöht hat, von 11'000 auf 15'000 Dollar, hat Nepal für diese Saison rund 500 Lizenzen verkauft – so viele wie noch nie. Das liegt auch daran, dass China den Zugang von Tibet aus in diesem Jahr gesperrt hat.
Gut fürs Geschäft, aber gefährlich
Viele Bergsteiger und Bergsteigerinnen – das sei zwar gut fürs Geschäft, sagt Phur Gelja Sherpa, der Chef der Branchenorganisation Nepal Mountaineering Association. Aber es sei auch gefährlich. Je mehr Leute den Mount Everest auf dem gleichen engen Weg bestiegen, desto grösser sei die Gefahr für ihr Leben.
Auch in diesem Jahr sind schon mehrere Bergsteiger ums Leben gekommen. Darum sagt Sherpa: 500 Bergsteiger und Bergsteigerinnen pro Jahr – das sei gerade noch machbar. Mehr aber nicht.
Die Tourismusbehörde sieht das anders. Nepal werde so viele Berg-Lizenzen verkaufen, wie angefragt würden, sagt Sprecher Himal Gautam. Wohl auch deshalb, weil der Bergtourismus eine wichtige Einnahmequelle ist.
Doch ein Bergsteiger, eine Bergsteigerin kommt nie allein. Jeder und jede Einzelne braucht mindestens einen Bergführer, dazu Träger und Küchenpersonal. Und jeder von ihnen produziert Müll.
Viele Bergsteiger schummeln
Im Kampf gegen den Everest-Abfall war die Regierung bisher nicht sehr erfolgreich. Bis letzten Dezember musste jeder Everest-Aspirant vor dem Start 4000 Dollar hinterlegen. Dieses Pfand wurde nur zurückgezahlt, wenn er oder sie nach der Besteigung mindestens zwölf Kilo Müll mit nach unten brachte.
Doch Everest-Experten berichten, dass viele Bergsteiger schummelten. Die Bergsteiger sammelten zwar Abfall, aber nur im leichter zugänglichen, unteren Teil des Berges, sagt der Journalist Dewan Rai, der die Online-Plattform Everest Chronicle betreibt. Ganz oben am Berg stapelten sich dagegen immer mehr Zelte, Seile und Exkremente.
Regierung nimmt neuen Anlauf
Nepal hat inzwischen einen neuen Anlauf genommen, um den Everest zu säubern. Vor einem halben Jahr legte die Regierung einen Fünf-Jahres-Aktionsplan vor. Statt 4000 Dollar Pfand sollen Bergsteiger künftig einen festen Betrag in einen Fonds einzahlen, aus dem Bergprofis fürs Aufräumen bezahlt werden. Die Regierung sei zuversichtlich, dass es künftig weniger Müll geben werde, sagt Sprecher Gautam.
Everest-Experte Dewan Rai ist dagegen skeptisch. Die Regierung gebe schon jetzt jedes Jahr Millionen von Dollar aus, um mithilfe von Armee, Polizei und Profikletterern Zigtausende Tonnen Abfall wieder runterzubringen. Doch ganz nach oben in die Todeszone, also den Bereich ab 8000 Metern, kämen die Aufräumer nicht.
Die gefrorenen Schichten aus verlassenen Seilen, Zelten und Exkrementen könnten also noch dicker werden. Zumindest solange der Ansturm auf den Mount Everest nicht abreisst. Aber danach sieht es im Moment nicht aus.