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Versorgungskrise Boris Johnson erwartet Versorgungsengpässe bis Weihnachten

  • Auch an Weihnachten ist mit einer mangelnden Versorgung mit Treibstoffen und Produkten in Supermärkten zu rechnen.
  • Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson hat die Hoffnungen auf eine kurzfristige Besserung der Versorgungslage gedämpft.
  • Trotz der Engpässe will Johnson den Forderungen nicht nachgeben, die nach dem Brexit verschärften Einwanderungsregeln zu lockern.
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Visa-Erleichterungen für LKW-Fahrer in Grossbritannien
Aus Tagesschau vom 25.09.2021.
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In einem Interview mit der BBC teilte Boris Johnson die Einschätzung von Finanzminister Rishi Sunak, dass die Versorgungskrise in Grossbritannien noch bis zu den Festtagen andauern könnte. Gleichzeitig gab er zu, dass sich ein Mangel an Lastwagenfahrer schon seit Langem abgezeichnet hatte. 

Autofahrer in Grossbritannien haben derzeit grosse Schwierigkeiten, an Benzin oder Diesel zu kommen. Vor den Tankstellen bilden sich lange Autoschlangen, vielerorts ist gar nichts mehr zu bekommen. Besonders in London und dem Südosten des Landes ist die Lage angespannt. In Schottland und im Norden Englands gibt es hingegen Anzeichen, dass der Druck etwas nachlässt.

Weniger Abhängigkeit vom Ausland

Wegen des EU-Austritts von Grossbritannien haben viele Lastwagenfahrer das Land verlassen. Damit fehlen die Chauffeure für die Verteilung der Güter in Grossbritannien.

Trotzdem will Johnson den Forderungen nach einer Lockerung der nach dem Brexit verschärften Einwanderungsregeln nicht nachgeben. «Was wir nicht wollen, ist eine Situation, in der die Logistikbranche sich auf die Einwanderung günstiger Arbeitskräfte stützt.»

Das habe nämlich zur Folge, «dass die Gehälter nicht steigen und die Qualität der Arbeitsplätze nicht zunimmt». Die britische Wirtschaft müsse ihre Abhängigkeit von schlecht bezahlten ausländischen Arbeitskräften beenden, um eine «gut bezahlte, gut ausgebildete, hochproduktive Volkswirtschaft» zu werden.

Es fehlen rund 100'000 Chauffeure 

In Grossbritannien fehlen schätzungsweise rund 100’000 Fahrer und Fahrerinnen. Das führte bereits zu leeren Regalen in Supermärkten. Auch in anderen Branchen, etwa in der Fleischindustrie, gibt es einen erheblichen Mangel an Fachkräften. Tausende Arbeitnehmer aus östlichen EU-Staaten sind seit dem Brexit abgewandert.

Kurzfristig will London nun auf ausländische Fachkräfte zurückgreifen. Am Samstag kündigte die Regierung an, Arbeitsvisa zu verlängern. Zudem sollen Visa für 300 Tanklastfahrer umgehend ausgestellt werden und bis kommenden März gelten.

Insgesamt sollen von Ende Oktober an 5000 ausländische Fernfahrer für eine befristete Dauer in Grossbritannien arbeiten. Statt bis Weihnachten sollen sie bis Februar bleiben können.

Armee muss aushelfen

Zur Überbrückung helfen ab Montag auch rund 200 britische Militärangehörige, darunter 100 Lastwagenfahrer, beim Verteilen von Treibstoffen.

Verwunderung löste auch eine Briefkampagne aus, bei der offenbar wahllos Menschen aus Deutschland mit einem Führerausweis aufgerufen wurden, sich ans Steuer eines Lastwagens zu setzen, auch wenn sie das zuvor noch nie getan haben. Führerscheine der Klasse 3, die in Deutschland bis 1999 ausgegeben wurden, erlauben das Fahren eines Lastwagens bis 7.5 Tonnen. Laut dem «Independent» haben tausende Deutsche ein entsprechendes Schreiben erhalten.

SRF 3 Info 3, 02.10.2021, 17:00 Uhr;

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Das Problem ist, dass die britische Regierung. (allen voran der PM BJ), sich keinen Plan gemacht haben, was es heisst, wenn nicht Briten auf der Insel auf dem Arbeitsmarkt verschwinden.
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie erst jetzt anfangen die Lücken in den Berufsgruppen zu zählen und strategisch zu gewichten.

    Oder aber, die Politiker benehmen sich weiterhin so elitär wie bisher, und versuchen dann weiterhin die Probleme auszusitzen und "abzudiskutieren" ...
  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Diese mannigfaltigen Probleme bei der Loslösung einer europäischen Industriemacht aus dem Netz der EU ist m.E. völlig normal.
    Bei dieser Dimension nach dem Erfolg zu fragen, nach nicht einmal zwei Jahren seit dem Austritt, entbehrt jeglichem Fachverständnis.
    Mir scheint die britische Regierung bisher äusserst erfolgreich auf Kurs zu sein bei der Bewältigung und praktischen Umsetzung sich vom Brüsseler Joch zu befreien.
    1. Antwort von Thomas Tanneler  (ipool)
      Frei
      Bis jetzt sehe keinen einzigen Punkt wo UK erfolgreich war. Ich meine etwas was dem Volk wirklich was gebracht hat. Hingegen bezüglich dem Brüsseler Joch, was zu erwarten ist:
      Durch die Steuern sowohl Import als auch Export werden Produkte von / zu EU teurer ohne Mehrwert. Somit wird UK so oder so sich dem EU Recht anpassen müssen. Real bringt der Brexit auch in Zukunft nicht wirklich was für den einzelnen Bürger, außer dass es ihm schlechter geht.
    2. Antwort von Matt Frei  (sense against mainstream)
      @Tanneler
      Wie gesagt - really early days und da kann noch viel geschehen, bis wir ein erstes Fazit ziehen können in Relation zur komplexen Herkulesaufgabe der Herauslösung.
      M.E. gibt es da schon Potential als kleinerer und unabhängiger Staat zu Punkten: kurze Entscheidungswege, innovative Anreize für Unternehmen aus aller Welt sich im Raum London anzusiedeln, liberalere Rahmen-Gesetzgebung, kein Umverteilungs- und Bürokratie Moloch à la Brüssel. Die Schweiz macht es vor, wenn auch nicht 1:1.
    3. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Ich weiss nicht, wie Sie sich informieren, aber von "erfolgreich auf Kurs" sehe ich überhaupt nichts. Verschiedene Branchen (Fischerei) sind gänzlich ruiniert, andere haben sehr grosse Mühe, zum Teil mit massiven Umsatzeinbussen (über 50%).

      Ach ja, und der Schwachsinn, auf einen Reisepass für Besucher aus Europa zu bestehen, zeugt auch nicht gerade von "Erfolg"…

      Aber ja wenn "Brüsseler Joch" oder ähnliches in einem Kommentar auftaucht, wird ein Salzfach benötigt…
    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Frei: der Wunsch ist bei ihnen Vater des Gedankens.
    5. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Frei: Diese „mannigfaltigen Probleme“ verantwortet zu einem ansehnlichen Teil B.J. Punkt.
    6. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Es ist doch interessant, wie die Brexiteers im Forum Punkt für Punkt den naiven Optimismus ablegen (müssen). So ziemlich alle vorausgesagten, von den Brexiteers damals als Pessimismus und jetzt als normal bezeichneten Folgen sind eingetroffen. Schade, dass es nicht ganz zur Einsicht reicht: In einer globalisierten, vernetzten Welt ist man mit einem Alleingang nicht souveräner, sondern getrieben von äusseren Einflüssen und Entscheidungen, bei denen man dann nicht mal mitreden kann.
    7. Antwort von Matt Frei  (sense against mainstream)
      @Kleffel
      Wunschdenken unserer EU Turbos:
      Der Brexit darf nichts Gutes haben, also möglichst rasch für gescheitert erklären.
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Es erschliesst sich mir nicht, weshalb des Brexit wegen 100'000 Lastwagenfahrer*innen GB verlassen.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Wegen des nicht mehr freien Personen-/Arbeits-/Service- Verkehrs.
      Die EU Fahrer können nicht mehr für die GB Unternehmer fahren.
      Das ist jetzt die Kontrolle die GB nun hat.
      Sie können nun frei bestimmen, wie viele fremdländische Arbeiter sie ins Land lassen wollen.