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Legende: Audio Ein Trump-Tower in Moskau? abspielen. Laufzeit 07:09 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 01.05.2019.
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Verwicklung in Russland-Affäre Felix Sater – ein Betrüger, den die Behörden schützen

Als früherer Geschäftspartner Donald Trumps spielte Sater eine wichtige Rolle beim Trump Tower-Projekt in Moskau. Ein Porträt.

John Le Carré könnte an der Lebensgeschichte von Felix Sater mitgeschrieben haben. In Interviews präsentiert er sich gerne als erfolgreicher Geschäftsmann und selbstloser Kämpfer gegen Terroristen. Dabei sagt er Sätze wie: «Während Jahren habe ich tagsüber Trump-Türme gebaut und nachts Bin Laden gejagt.»

Der Investigativjournalist Grant Stern, der sich seit bald vier Jahren intensiv mit Felix Sater auseinandersetzt, zeichnet ein anderes Bild. Sater sei vermutlich einer der intelligentesten Kriminellen der Welt, ein Geldwäscher mit einer gewalttätigen Vergangenheit und einem Talent dafür, ungestraft davon zu kommen.

Felix Sater – oder Felix Sheferovsky

  • Felix Sater wird 1966 in der damaligen Sowjetunion als Felix Michailovich Sheferovsky geboren.
  • Als 7-Jähriger wandert er mit seiner Familie in die USA aus und wächst in Brooklyn auf.
  • Sein Vater gehört zum Netzwerk des berüchtigten russischen Mafia-Paten Semjon Mogilevich.
  • Zu seinen Jugendfreunden gehört auch Michael Cohen, der spätere Anwalt von Donald Trump.

Sater wird zunächst Börsenhändler. Seine Lizenz verliert er 1993, als er wegen gefährlicher Körperverletzung für 15 Monate hinter Gitter muss. Danach beteiligt er sich an einem Aktien-Betrugssystem, erleichtert seine Opfer um zig Millionen und fliegt 1998 auf.

Felix Sater
Legende: In Interviews tut Sater seine Verbrechen als Jugendsünden ab, für die er sich heute schäme. Screenshot ABC

Stern hat die Gerichtsakten gelesen. Das Aktien-Betrugssystem habe Sater in einem Trump-Gebäude an der Wallstreet betrieben, zusammen mit Mitgliedern der russischen und italienischen Mafia-Familien von New York. 1998 sei die Gruppe wegen organisierter Kriminalität angeklagt und verurteilt worden. Sater habe den Kopf aus der Schlinge gezogen, indem er sich als kooperierender Zeuge angedient und seine Kumpanen verraten habe.

Fortan arbeitet Sater im Geheimen als Informant für das FBI, das damals vom heutigen Sonderermittler Robert Mueller geleitet wird. Auch US-Geheimdienste nutzen Saters Dienste, etwa bei illegalen Waffengeschäften. Die Bundesbehörden halten schützend ihre Hand über Sater. Seine kriminelle Vergangenheit halten sie unter Verschluss.

Michael Cohen
Legende: Michael Cohen, Rechtsberater während Trumps Wahlkampf, ist ein Jugendfreund von Felix Sater. 2018 wurde er wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen in der Russland-Affäre verurteilt. Keystone

Folgenlos bleiben auch seine mutmasslichen Delikte in den Folgejahren. Denn 2002 ist Sater bei der Firma Bayrock eingestiegen, die im Trump Tower eingemietet ist und im In- und Ausland Immobilienprojekte realisiert – gemeinsam mit Donald Trump. Dabei werden erneut Investoren um Millionen betrogen.

Lug und Trug im Wissen der Behörden

Sämtliche Klagen gegen Bayrock und Sater werden entweder abgewiesen, oder es kommt zu aussergerichtlichen Einigungen. Stern ist auf Gerichtsakten gestossen, die belegen: Die Bundesbehörden wussten, dass Sater weiterhin log und betrog.

Die «New York Times» macht 2007 erstmals die kriminelle Vergangenheit Saters publik. Aber erst fünf Jahre später, nach einem Urteil des obersten Gerichts, wird diese auch offiziell bestätigt.

Trump während seines Wahlkampfs
Legende: Trump behauptet nach den Enthüllungen, Sater kaum zu kennen, obwohl unzählige Kontakte dokumentiert sind. Unter Eid behauptet er 2013, er würde nicht einmal wissen, wie Sater aussehe. Keystone/Archiv

Sater bleibt jedoch verbunden mit Trumps Firma – bis zu dessen Wahlsieg vor zwei Jahren. Er verteilt Visitenkarten der Trump-Organisation, die ihn als Berater, als «Senior Advisor», ausweisen. Er verfügt über ein Büro im Trump Tower und mit seinem Jugendfreund Cohen verfolgt er das Projekt Trump Tower Moskau. Sater ist damit betraut, Kontakte in Moskau herzustellen und Wahlkampfbotschaften zu entwickeln, die Putin gefallen sollen.

Visitenkarte, die Sater als Trumps Senior Advisor ausweist
Legende: Sater hat Visitenkarten verteilt, die ihn als «Senior Advisor» Donald Trumps ausweisen. Screenshot ABC

Seit den Russland-Untersuchungen halten Sater und Trump öffentlich Distanz zueinander. Grant Stern ist überzeugt, dass Sater belastende Informationen besitzt über Trump – angeblich, weil dieser ausländischen Regierungen bei seinen Bauprojekten Bestechungsgelder bezahlt haben soll.

Der Präsident, der Angst haben muss vor einem vorbestraften Betrüger, einem FBI-Informanten mit Geheimdienstverbindungen, den die Behörden deshalb jahrelang geschützt haben: John Le Carré hätte sich das nicht besser ausdenken können.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Grossrieder  (View)
    Ich denke dieser Herr hat mehr gegen die Dems im Sack als gegen DT. Wenn nicht, haetten sie ihn schon lange geschroepft und gegen den POTUS angesetzt. Man darf annehmen dass, nur wegen dem Namen Demokraten, nicht weniger Unehrlichkeit in der Partei sitzt als in der Opposition. Es gibt ja schließlich nur zwei Parteien welche sich um Macht und Geld reißen in den Staaten und eine gibt sich demokratisch!?
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  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Die starten wieder wie ein gefrässiger, agiler und sehr gefährlichen Tiger und landen wohl wieder als ein von Motten zerfressener Bettvorleger und veranstalten danach wieder eine Chicken-Party. Das wird wohl so die nächsten 2, vielleicht sogar 6 Jahren so weiter gehen.
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  • Kommentar von kurt trionfini  (kt)
    Meine Erwartungen an einen Restposten von "Niveau" wurden im Verlauf dieser Präsidentschaft enttäuscht. Die Hoffnung, es könnte sich wenigstens etwas "Niwo" einstellen hat der POTUS erfolgreich zerstört. Mittlerweile begnüge ich mich "Nivea".
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