Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Viertägiger Staatsbesuch Warum Keir Starmer nach China reiste

Der britische Premierminister Keir Starmer ist für einen viertägigen Staatsbesuch nach China gereist. Es ist der erste China-Besuch eines britischen Regierungschefs seit acht Jahren. Begleitet wird Starmer von einer grossen Wirtschaftsdelegation. Er trifft sich unter anderem mit Staats- und Parteichef Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang. SRF-Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser ordnet ein, welche Interessen London verfolgt. Was sich Peking verspricht, erläutert SRF-Chinakorrespondent Samuel Emch.

Patrik Wülser

Grossbritannien-Korrespondent

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Patrik Wülser arbeitet seit Ende 2019 in London als Grossbritannien-Korrespondent für SRF. Wülser war von 2011 bis 2017 Afrika-Korrespondent und lebte mit seiner Familie in Nairobi. Danach war er Leiter der Auslandsredaktion von Radio SRF in Bern.

Was erhofft sich Keir Starmer von dieser Reise?

Starmer sucht wirtschaftlichen Aufschwung. Es geht um Stahl, Windräder, Batterien und insbesondere Investitionen. Er steht innenpolitisch unter Druck. Das versprochene Wirtschaftswachstum lässt auf sich warten. Auch seine Besänftigungspolitik gegenüber Trump wurde nicht belohnt. Der engste Partner hat Starmer in jüngster Zeit mehrfach vor den Kopf gestossen. Das ist mit ein Grund, dass der Premierminister seine Fühler nach China ausstreckt.

Gruppe von Menschen bei einer Veranstaltung in einem formellen Raum.
Legende: Starmer ist mit 57 Vertreterinnen und Vertretern aus der britischen Wirtschaft angereist. Das illustriert, wo der Schwerpunkt dieser Reise liegt. Reuters / Carl Court

Wie angespannt ist das Verhältnis zu Peking?

Vor allem konservative Politikerinnen und Politiker sehen China als Gefahr für den britischen Staat. Man dürfe nicht so naiv sein wie der Premierminister, schreibt Oppositionschefin Kemi Badenoch. China verabscheue die Demokratie, verhänge Einreisesperren und trete Menschenrechte mit Füssen. Zusätzlich berichtet der «Daily Telegraph», dass chinesische Akteure Telefonate in der Downing Street abgehört haben sollen.

«China glaubt nicht an die Demokratie»

Wie wird der Besuch in Grossbritannien kommentiert?

Die konservative Presse spricht von der «Operation Kowtow», einer demütigen Unterwerfung. Starmer spricht von «britischem Pragmatismus». Er tue alles, was für Grossbritannien gut sei. Man könnte es auch eine opportunistische Verbeugung in drei Himmelsrichtungen nennen: Die USA als geopolitisch wichtigsten Partner, die EU als grösster wirtschaftlicher Nachbar und China als Weltwirtschaftsmacht.

Samuel Emch

Ostasien-Korrespondent

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Samuel Emch ist seit dem Sommer 2022 Ostasien-Korrespondent für SRF. Zuvor war er während mehrerer Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF.

Was erwartet die chinesische Führung vom Besuch?

Peking geht es in erster Linie um die politische Wiederannäherung. Die vergangenen Jahre waren von Spannung geprägt. Diese Annäherung wird im geopolitischen Kontext präsentiert, also mit Verweis auf die Spannungen zwischen Europa und den USA. Chinesische Propaganda-Medien kommentieren, die Reise sei Zeichen dafür, dass Grossbritannien endlich zur Vernunft gekommen sei.

Menschen vor Porträt und Fahnen auf Platz.
Legende: Da die USA unberechenbar geworden seien, suchten jetzt die westlichen Länder die aussenpolitische Stabilität in China, heisst es von chinesischen Staatsmedien. Keystone / AP Photo, Ng Han Guan

Auch Vertreter Frankreichs, Kanadas und Deutschlands reisen nach China. Wie wird Starmers Reise in einen grösseren Kontext gestellt?

Über die Propaganda-Medien wird verbreitet: Die westlichen Länder lösen sich von den USA. Der Westen habe realisiert, dass er sich selbst schade, wenn er blind den USA folge. Und da die USA unberechenbar geworden seien, suchten jetzt die westlichen Länder die aussenpolitische Stabilität in China. Weiter seien die hohen Besuche aus dem Westen auch ein Beweis dafür, dass es sich nicht lohne, China zu ignorieren – den zuverlässigen und stabilen Partner.

Welche Interessen verfolgt China konkret?

Neben geopolitischem Einfluss geht es um wirtschaftliche Interessen. Offene Märkte in Europa und Kanada sind für Chinas exportorientierte Wirtschaft zentral. Westliche Staats- und Regierungschefs würden ihren Firmen gerne Zugang zum chinesischen Markt verschaffen. Gleichzeitig bleiben die Hürden für ausländische Firmen in China hoch. Zudem nutzt China wirtschaftliche Beziehungen, um politische Interessen durchzusetzen. Das hat man zuletzt bei den Seltenen Erden gesehen.

Echo der Zeit, 28.01.2026, 18:00 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel