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Von Caracas bis Feuerland Südamerikas zahlreiche Krisenherde

Frustration und Wut über die Regierungen entlädt sich in vielen südamerikanischen Ländern. Ein Überblick, wo es brodelt.

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Aus dem Archiv: In Bolivien eskaliert die Gewalt
Aus Tagesschau vom 12.11.2019.
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Bolivien: Evo Morales war der dienstälteste Präsident des Kontinents. Bereits seit 2006 leitet der frühere Koka-Bauer im Amt. Nach der ersten Runde der Präsidentenwahl am 20. Oktober erklärte er sich direkt zum Sieger, obwohl verschiedentlich Zweifel angemeldet wurden. Nach heftigen Protesten hat Morales inzwischen seinen Rücktritt erklärt und ist ins Asyl nach Mexiko geflohen. Die Senatorin Jeanine Añez hat sich unterdessen zur Interimspräsidentin Boliviens erklärt.

Zwar florierte Bolivien unter dem linken Präsidenten, doch das zunehmend selbstherrliche und autoritäre Gehabe des indigenen Staatschef stiess immer mehr Bolivianern bitter auf. Vor allem die Menschen im wirtschaftlich starken Osten des Landes fühlen sich von Morales über den Tisch gezogen.

Argentinien: Der neu gewählte Präsident Fernández übernimmt Argentinien mitten in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. 2018 rutschten nach Angaben der Statistikbehörde 3.4 Millionen Argentinier in die Armut ab. Nun leben 35.4 Prozent der Menschen in dem südamerikanischen Land unterhalb der Armutsgrenze. Gewerkschaften und soziale Bewegungen fordern mehr Sozialmassnahmen und legen mit Protesten immer wieder die Hauptstadt Buenos Aires lahm.

Viele setzen ihre Hoffnung auf die ehemalige Staatschefin Cristina Kirchner, die als Vizepräsidentin nun wieder in die Regierung einzieht. Allerdings läuft gegen sie ein knappes Dutzend Ermittlungsverfahren wegen Korruption, ausserdem steht sie mit dem IWF auf Kriegsfuss. Die Rückzahlungsmodalitäten für den Rekordkredit des IWF über 57 Milliarden US-Dollar an Argentinien müssen nach dem Amtsantritt der neuen Regierung am 10. Dezember wohl neu verhandelt werden.

Chile: Das Land galt in Südamerika lange als Hort der Stabilität. Allerdings gibt es im reichsten Land der Region hohe Einkommensunterschiede: Vor allem Bildung und Gesundheitsversorgung sind sehr teuer.

Die heftigen Proteste entzündeten sich letztlich an einer relativ bescheidenden Erhöhung der Metro-Preise. Viele der Demonstranten fordern nun aber mehr: eine Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftsmodell und eine grundlegende Reform der Verfassung, die noch aus der Zeit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet stammt.

Venezuela: Seit Anfang des Jahres liefern sich Staatschef Maduro und der selbsternannte Interimspräsident Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Maduro ist international weitgehend isoliert, hält sich mit Hilfe des Militärs aber weiter an der Macht. Guaidó wird auf dem internationalen Parkett zwar hofiert, kann sich in Venezuela selbst aber nicht durchsetzen.

Die humanitäre Lage in dem einst reichen Land mit den grössten Erdölreserven der Welt ist katastrophal. 4.5 Millionen der gut 30 Millionen Venezolaner haben das Land bereits verlassen. Vor allem das Nachbarland Kolumbien gerät bei der Aufnahme der Flüchtlinge und Migranten zunehmend an seine Grenzen.

Ecuador: Bei wütenden Protesten der indigenen Bevölkerung gegen die Streichung von Benzinsubventionen sind in Ecuador mehrere Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt.

Die Kürzung der Subventionen für Treibstoff um jährlich 1.2 Milliarden Dollar war eine Auflage des IWF für einen Kredit von 4.2 Milliarden Dollar. Dadurch kostete der Liter Diesel plötzlich das Doppelte – vor allem indigene Bauern litten unter dem Preissprung. Mittlerweile hat die Regierung von Präsident Moreno zwar die Subventionsstreichung kassiert, das Problem der hohen Verschuldung und der sozialen Ungleichheit ist damit aber längst nicht vom Tisch.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Alle Krisenherden in Südamerika und Zentralamerika wurden von den USA absichtlich verursacht um die gesamte Region zu destabillisieren! Gleiches tut die USA auch in sehr vielen afrikanische, asiatischen und europäischen Staaten! Immer mit dem Ziel Chaos und Unordnung anzustiften! Die USA fürchtet sich immer vor wirtschaftlicher und militärischer Konkurenz in anderen Ländern selbst dann wenn die Befürchtungen noch so lächerlich sind!
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Alexander Ognjenovic: 1. Seit wann hat die USA militärische Konkurrenz aus Südamerika zu befürchten? Der einzige Staat der den USA militärisch irgendeinmal ebenbürtig sein wird ist China. Die anderen können den USA das Wasser nicht reichen. 2. Was ist der Vorteil für die USA, wenn Länder wirtschaftlich zerfallen? Das heisst nämlich kein Einkommen, kein Handel und zwar auch für die USA. 3. Wie hätte also die USA einen Evo Morales stürzen können? Er hat sich sein Ende selber geschaufelt.
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    2. Antwort von Stefan Trasser  (chiggifan)
      @Alex: ihre Weltsicht ist ziemlich eindimensional: alles böse kommt aus den USA. Fertig.
      Das ist mir dann doch deutlich zu einfach.
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    3. Antwort von Adrian Egger  (El idilio Intag)
      Hier geht es nicht um militärische Gefahr. Hier geht es nur darum abhängig zu machen. Die Amerikaner wollen und brauchen die Rostoffe. Die es in Zukunft, unter anderem mit den Elektrofahrzeugen, in grossen Mengen brauchen wird. Leider zulasten der Natur. Halt wie immer...
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    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Adrian Egger: Wenn die Ecuadorianer gemäss Ihrem Kommentar ihre eigene Verfassung verletzen, dann muss man das aber nicht den Amerikanern in die Schuhe schieben, denn dann ist das selbst gewähltes Elend.
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  • Kommentar von Samuel Wanitsch  (Sämu)
    Höchste Zeit, einmal etwas breiter über die Situation in Lateinamerika zu berichten. Zu schade, dass unerwähnt bleibt, dass die USA diese Region wie eh und je als ihren Hinterhof betrachten und wo immer angesagt ihre "Regime Change"-Methode einsetzen, siehe Bolsonaro vs Rousseff/Lula, Macri vs Kirchner, Lopez/Guaidog vs Chavez/Maduro, Moreno vs Correa, Camacho/Mesa vs Morales. Manchmal gelingt's besser, manchmal weniger gut... Verschwörungstheorie? Wer sich interessiert, findet die Infos...
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Samuel Wanitsch: Sie glauben also die USA hätten alle diese Präsidenten eingesetzt. Wie soll denn das konkret gehen? Zudem sind einige der von Ihnen genannten (z. B. Maduro / Morales) alles andere als Freunde der USA. Ich sehe also alles andere als rationale Handlungen, die sie den USA hier zuschreiben, sondern ziemlich wirre und konzeptlose Handlungen.
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    2. Antwort von Adrian Egger  (El idilio Intag)
      @Thomas Leu: Wie das gehen soll? Ganz eifach. Man kauft den neuen Präsidenten. Im Falle Ecuador hat Rafael Correa seinen Nachfolger selbst aufgebaut. Lenin Moreno hat in seinem Wahlkampf versprochen den Kurs beizubehalten. Aber oh Wunder: Kaum im Amt wechselt er von links nach rechts und wechselt auf einen Amerika freundlichen Kurs. Unterdessen ist sogar von einem
      US Milittärstützpunkt auf Galapagos die Rede.
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    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Adrian Egger: Die Bevölkerung hat die Möglichkeit, korrupte Politiker bei den nächsten Wahlen abzuwählen. Evo Morales hat es soeben erlebt. Die US-amerikanische Regierung hat bei diesen Wahlen kein Stimmrecht.
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    4. Antwort von Adrian Egger  (El idilio Intag)
      @Thomas Leu: Die Ecuatorianer sind bekannt dafür dass sie nicht immer bis zu den regulären Wahlen warten. Wird es zu bunt wird der Präsident seines Amtes enthoben. Allerdings weiss man immer erst nach den Wahlen was man bekommt... Manchmal tauscht man Pest mit Cholera.
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