Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Werden demnächst gar Raketen im All eingesetzt? abspielen. Laufzeit 01:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.07.2019.
Inhalt

Waffen im All Das grosse Wettrüsten im Weltraum

Frankreich reagiert auf die Weltraum-Aktivitäten der Grossmächte. Der Kampf um die Hohheit im All ist in vollem Gang.

Längst gehören Aufklärungs- und Spionage-Satelliten zum Standardarsenal der Grossmächte. Sie liefern präzise Fotos und Daten, zum Leidwesen der ausspionierten Staaten. Auch deshalb geht die Hochrüstung im Weltraum weiter. Selbst der Einsatz von Raketen scheint vorstellbar.

Kamikaze- gegen Spionage-Satelliten

Seit Jahren investieren die USA, China, Russland, aber auch Indien massiv im Kampf um die Vormacht im All. Einzelne Länder entwickelten Waffensysteme zur Zerstörung gegnerischer Satelliten, sagt ETH-Strategieexperte Marcel Berni. «Die Chinesen haben es 2007 geschafft, einen sogenannten Kamikaze-Satelliten im Weltall funktionell zu machen und andere Satelliten damit anzugreifen».

Es begann mit Reagans Weltraum-Schutzschild

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Es begann mit Reagans Weltraum-Schutzschild

Die Idee, den Weltraum für militärische Zwecke zu nutzen, ist keineswegs ein Produkt der modernen Technik. Bereits 1983 wollte der damalige US-Präsident Ronald Reagan im Weltraum einen Schutzschild gegen Langstreckenracketen bauen. «So können wir Atomwaffen wirkungslos und unnötig machen», war er überzeugt. Damals scheiterte das Abwehrprogramm nach sechs Jahren an technischen und politischen Hürden.

Solch destruktive Kapazitäten seien auch in Russland sehr beliebt. «Es gibt sogenannte Kidnapping Satelliten, die andere Satelliten aus der Umlaufbahn befördern sollen oder sogar angreifen sollen», so Berni.

Drohnen-Steuerungs-Satelliten als Angriffsziele

Dabei sind Spionage-Satelliten bei weitem nicht die einzigen potentiellen Angriffsziele. Zunehmend würden Drohnen von Satelliten gesteuert, sagt der Experte für Militärstrategien am Institut Relations Internationales et Stratégiques in Paris, Jean-Paul Maulny. «Im Fall einer Krise kann das problematisch werden, denn gerade die grossen Drohnen werden via Satellit gesteuert. Und man kann sich vorstellen, dass in einem Krieg diese Steuer-Satelliten als erstes attackiert und zerstört würden.»

Verbündete wie Gegner rüsten den Weltraum auf. Wir müssen bereit sein.
Autor: Florence ParlyVerteidigungsministerin Frankreich

Auf diese Entwicklungen reagiert nun auch Frankreich. Nachdem US-Präsident Donald Trump bereits im vergangenen Jahr die Bildung einer «Space Force» angekündigt hatte, präsentiert es als erste europäische Nation detaillierte Pläne für ein «Weltraumkommando». 700 Millionen Euro will sich Frankreich die neue Weltraumstrategie bis 2025 kosten lassen. 200 Personen stark soll die neue Truppe sein.

Legende: Video Frankreich will seine Aufklärungs-Satelliten schützen abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.07.2019.

«Wir müssen bereit sein», sagte Verteidigungsministerin Florence Parly am Donnerstag bei der Präsentation der Strategie auf einer Luftwaffenbasis bei Lyon. «Wenn unsere eigenen Satelliten bedroht werden, dann beabsichtigen wir, die Satelliten unserer Gegner zu blenden.»

Antisatelliten-Waffen mit Laser-Technik

Vorgesehen ist, sogenannte Antisatelliten-Waffen zu entwickeln, die auf Lasertechnik basieren. Zudem sollen die Satelliten besser durch sogenannte Nano-Satelliten, Kleinst-Satelliten von der Grösse einer Schuhschachtel, überwacht werden.

Ein Ende des Wettrüstens im All dürfte mit derart militärisch genutzten Satelliten längst nicht erreicht sein. Schon bald könnten im Weltraum auch Raketen oder andere Geräte eingesetzt werden, ist ETH-Strategie-Experte Berni überzeugt. Im Weltraum gebe es derzeit noch «wenige Regeln, viele Akteuere und viele potentielle Waffen. Man macht, man will der Schnellste sein, man will wenige Anreize wahrnehmen, klare Rechtssprechung zu setzen.»

Chancenlose UNO-Bemühungen um Regulierung

Deshalb ringt die internationale Staatengemeinschaft derzeit um einen neuen Weltraumvertrag, der die militärische Nutzung regeln soll. Die Uno möchte die aktuelle Entwicklung stoppen oder zumindest eindämmen. Der bisherige Weltallvertrag aus den 1960er-Jahren bezieht sich auf den damaligen Stand der Technik und ist für die Regulierung der heutigen Gefahren völlig untauglich.

Das Weltall ist das neue Schlachtfeld der Grossmächte.
Autor: Guilherme PatriotaLeiter der Genfer Abrüstungsgespräche

Dennoch scheiterte der letzte Versuch, einen neuen Weltraumvertrag zu verabschieden bei der Genfer Abrüstungskonferenz im vergangenen Frühling kläglich. Ein 13-seitiger Vertragsentwurf, der die Definition von Weltraumwaffen, humanitäre Aspekte der Militarisierung des Alls und konkrete Einschränkungen und Transparenzpflichten enthielt, blieb chancenlos. Der Widerstand der Grossmächte war zu gross.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

23 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Soviel zum evolutionäre Spitzenereignis dieser Welt bekannt unter Homo sapiens sapiens. Angesichts der Tatsache, dass unser 'Habitat' durch unser Zutun wohlverstanden in Flammen oder auch unter Wasser steht, wie müssen wir die Haltung und das Bestreben von ein paar Littlefews bewerten, die statt die Flammen zu löschen oder das Wasser abzulassen, sagen Nö, möchten lieber etwas lässigeres, prestigeträchtigeres machen und das All bemüllen?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
      Eher zumüllen. Schrott im Weltraum ist Tatsache längst, Frau Kunz.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Starwars lässt grüssen. Die zweibeinige Spezies mit Denkapparat ist nun mal kein nettes Wesen. Sehen wir uns mal um: Da gibts Diebe, Abzocker, Stalker, Hooligans, Mörder, Kinderschänder, Vergewaltiger, Mafiosi, Terroristen usw. Warum sollten ausgerechnet PolitikerInnen und andere Mächtige auf der Kugel bessere Menschen sein. Dies ist nun die 4. Kriegsebene: Krieg im Wasser, auf dem Land, in der Luft und neuerdings IM WELTRAUM. So schreitet die Selbstzerstörung des Homo Sapiens Sapiens voran!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von S.B. Schweizer  (S.B. Schweizer)
    Klimaerwärmung finde zur gleichen Zeit in allen Weltregionen statt. Die Dichte an Satelliten wirft die Frage auf warum in der geführten CO2 Diskussion kaum ernsthaft recherchiert wird und eine vernünftige Auseinandersetzung mit der Digitalisierung stattfindet. Es spricht so viel dafür dass wir die Atmosphäre auch durch die mittlerweile allgegenwärtigen Mikrowellen zusätzlich aufheizen. Es werden immer mehr Satelliten ins All geschossen + Sendeantennen errichtet. Ohne Risiken und Nebenwirkungen?!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      @schweizer: Mir scheint es gibt zwei blinde Flecken, die uns die Welt, respektive unser Habitat kosten könnten: Die Aufrüstung, Militarisierung und die damit verbundene Digitalisierung. Die dann als Goodie den Menschen noch zur Verfügung gestellt wird. Damit diese sich langsam aber sicher einlullen lassen. Alles gut. Alles vernetzt. Materialität und Chrampf ausgehebelt. Alle Freiheitsrechte zum Ausverkauf. Staatlichkeit und Demokratien zum Witz verkommen ....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen