Die TV-Serie zeigt: Gemeinsam wird musiziert, Karate geübt, gekocht und aufeinander angestossen. Die zwölf Parteichefs und -chefinnen markieren, dass sie es gut miteinander können. Und dass sie, wie das Land als Ganzes, die klassische dänische Hygge – auf Deutsch etwa Gemeinschaft und Gemütlichkeit – hochhalten.
Die dänische Öffentlichkeit bekommt die Serie «Højskolen», auf Deutsch Hochschule, in vier Abschnitten bis zum Wahltag serviert. Dabei kann das demonstrative Zusammenstehen der führenden politischen Kräfte im Land nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die politische Landschaft Dänemarks in den letzten Jahren stark verändert hat, betont Politikwissenschaftler Rasmus Leander Nielsen.
Dritte Kraft in Dänemark
Über Jahrzehnte standen sich in Dänemark rechtsbürgerliche und linksgrüne Kräfte in klaren Blöcken gegenüber und buhlten um die Regierungsmacht, sagt Nielsen, der als Professor an der Universität Odense forscht und lehrt.
In den letzten Jahren hat sich aber unter der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ein dritter Block im politischen Zentrum entwickelt, zu dem sich neben den Sozialdemokraten auch liberale bürgerliche Kräfte zählen. Die aussenpolitische Krise mit den USA um den Einfluss in Grönland hat diese Mitte gestärkt, betont der Politikwissenschaftler.
«Angesichts der vielen möglichen Wahlresultate und entsprechend vielen möglichen Regierungskoalitionen tun nun aber alle politischen Kräfte gut daran, sich es mit der Konkurrenz im Parlament nicht zu verderben», sagt er und fügt hinzu, dass der gemütliche und freundschaftliche Umgangston, wie er traditionellerweise in Dänemark gepflegt wird, eben auch die politische Kultur des Landes stark beeinflusst.
Anstossen mit Freund und Feind
Dies ist derzeit nicht nur im Wahlkampf und in den Medien zu spüren, sondern wird auch den Abend nach der Schliessung der Wahllokale prägen. Dann versammeln sich nämlich alle Parteien im Parlamentsgebäude in Kopenhagen, richten einen Festsaal ein und lassen es sich nicht nehmen, beim politischen Freund wie Feind auf die nächsten vier Jahre Ringen um die politische Macht anzustossen.