- Bei der Präsidentschaftswahl in Peru zeichnet sich frühen Teilergebnissen zufolge ein Vorsprung für das konservative Lager ab.
- Die frühere Kongressabgeordnete Keiko Fujimori und der Ex-Bürgermeister von Lima, Rafael López Aliaga, liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
- In den letzten zehn Jahren hat es in Peru neun Präsidentschaftswechsel gegeben.
Das dominierende Thema während des Wahlkampfs war die öffentliche Sicherheit. Wegen der zunehmenden Gewalt durch Drogenbanden und illegalen Bergbau forderten die meisten Präsidentschaftsbewerber einen stärkeren Einsatz der Streitkräfte im Inneren.
Bei der Wahl traten am Sonntag 35 Kandidaten an. Da unter ihnen voraussichtlich keiner die für einen Sieg erforderliche absolute Mehrheit von 50 Prozent erreichen wird, dürfte es eine Stichwahl im Juni geben.
Eine Ex-Kongressabgeordnete und ein Ex-Bürgermeister
Nach Auszählung von 37 Prozent der Stimmen kommt Fujimori auf 17.2, López Aliaga auf knapp 17 Prozent, wie die Wahlbehörde ONPE am Montag mitteilte. Die konservative Keiko Fujimori, die bereits zum vierten Mal antritt, präsentiert sich als Garantin für Recht und Ordnung und wirtschaftliche Stabilität. Sie polarisiert jedoch wegen der politischen Vergangenheit ihrer Familie und eigener juristischer Probleme. Ihr Vater und Ex-Präsident Alberto Fujimori wurde wegen Verletzungen der Menschenrechte inhaftiert.
Ebenfalls im Rennen ist Rafael López Aliaga, der konservative ehemalige Bürgermeister der peruanischen Hauptstadt Lima. Er schlug vor, Gefängnisse im Amazonasgebiet zu errichten, Richtern zu erlauben, ihre Identität geheim zu halten, und Ausländer ohne legalen Aufenthaltsstatus aus Peru auszuweisen.
Auf Fujimori folgte in Umfragen vor der Abstimmung der Mitte-Links-Politiker und ehemalige Bürgermeister von Lima, Ricardo Belmont. Auch dem beliebten Komiker Carlos Álvarez wurden Chancen eingeräumt. Belmont und Álvarez galten als Aussenseiter, die von der weitverbreiteten Unzufriedenheit der Bürger mit dem politischen Establishment profitieren.
Neun Präsidenten in zehn Jahren
Die politischen Verhältnisse sind in Peru seit Jahren instabil. In den letzten zehn Jahren hat es in dem Andenstaat neun Präsidenten gegeben. Korruptionsskandale, Amtsenthebungsverfahren und wackelige Koalitionen haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Institutionen beschädigt.
Erstmals seit über dreissig Jahren wählen die Peruanerinnen und Peruaner wieder einen Zweikammer-Kongress. Jüngste Reformen haben die Macht dabei stark auf die neue Oberkammer verlagert: Der Präsident kann den Senat nicht auflösen, dieser jedoch sehr wohl den Präsidenten seines Amtes entheben.
Die neue Struktur erleichtert Amtsenthebungen deutlich: Künftig genügen 40 von 60 Senatorinnen und Senatoren. Im bisherigen Einkammersystem waren dafür 87 von 130 Stimmen nötig. Das Instrument der Amtsenthebung wurde in den vergangenen zehn Jahren häufig genutzt und hat zur politischen Instabilität des Landes beigetragen.