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Legende: Video Wahlkampf in der Ukraine abspielen. Laufzeit 02:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.04.2019.
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Wahlen in der Ukraine Ein Kniefall für den Sieg

Im Endspurt um das Amt des Präsidenten zeigen sich die wahren Stärken und Schwächen der Kandidaten.

Wolodymyr Selenski faltete kurz die Hände, während er vor 20’000 Menschen im grössten Fussballstadion der Ukraine niederkniet. Präsident Petro Poroschenko folgt dem Aufruf, es ihm gleich zu tun. Mit dem Rücken zum Publikum küsst Poroschenko kniend die ukrainische Flagge. Damit erreicht der Wahlkampf um das Amt des Präsidenten während der Debatte am Freitagabend einen fragwürdigen Höhepunkt.

Inszenierter Patriotismus

Den Kniefall provoziert hat Präsident Petro Poroschenko während Wochen im Wahlkampf. Er inszenierte sich als der stärkere Landesverteidiger im Konflikt mit Russland. Seinen Herausforderer Wolodymyr Selenski stellte er dar als einen, der vor dem Kreml den Bückling macht.

Diesen Vorwurf versuchte Selenski mit Patriotismus zu kontern: «Ich bin bereit, vor jeder Mutter niederzuknien, deren Sohn nicht aus dem Krieg nach Hause zurückkehrt ist.»

Am Rednerpult zeigte sich die langjährige Erfahrung des Präsidenten Poroschenko, der es versteht, sich in Szene zu setzen, als er sich von einem Soldaten mit Beinprothese die Hand schütteln liess. Die Inszenierung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem Präsidenten Poroschenko in den vergangenen fünf Jahren nicht gelungen ist, den bewaffneten Konflikt im Osten der Ukraine zu beenden.

In der Enttäuschung über die Politik des Amtsinhabers Poroschenko liegt die wahre Stärke seines Herausforderer Selenski. Eine Mehrheit der Ukrainer zieht eine ungewisse Zukunft der frustrierenden Gegenwart vor. Die junge Generation in der Ukraine steht mehrheitlich hinter Wolodymyr Selenski, etwa die Studentin Julia: «Selenski ist eine neue Kraft in unserem Land. Sowieso kann es schlimmer als jetzt gar nicht werden.»

Fehlender Schulterschluss

Die beiden Lager der Kandidaten sind im Stadion von einem Korridor aus Sicherheitskräften getrennt. Fast schon symbolisch steht dieser Korridor für den Graben, der die ukrainische Gesellschaft durchzieht. Die Stimmung ist angespannt noch bevor die Kandidaten die Bühne betreten.

Ein Musiker wird von den Unterstützern des Präsidenten Petro Poroschenko ausgebuht, weil er auf Russisch singt. In den Liedern geht es, fern von Politik, um Liebe und dem Leben nach dem Tod. Die Buhrufe gelten in erster Linie der russischen Politik gegenüber der Ukraine. Doch für die angeheizte Stimmung ist auch Poroschenko verantwortlich. Er hat es versäumt, in seinem Wahlkampf Brücken zu bauen. Stattdessen schlug er mit nationalistischen Slogans weiter in die trennende Kerbe.

Stärke zum Schein

Im Stadion sind die Unterstützer des Präsidenten klar in der Mehrzahl. Draussen vor den Toren stehen Reisecars, mit denen viele von Poroschenkos Unterstützern in Gruppen angereist sind. Schon fast lachhaft klein wirkt da im Vergleich das Grüppchen, dass zur Unterstützung von Selenski vor der Bühne steht.

Es besteht kein Zweifel, dass Präsident Poroschenko weiss, wie man sich für die TV-Kameras ins richtige Licht rückt. Doch die Methoden wirken ein wenig verzweifelt, angesichts der Wahlumfragen. Wolodymyr Selenski wird diesen zufolge mit deutlichem Vorsprung zum neuen Präsidenten gewählt.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Amthauer  (Peter.A)
    Einfach die komplette simultan auf deutsch übersetzte Aufzeichnung der Veranstaltung anschauen und sich ein Bild von diesem Wahlkampfauftritt machen.
    MfG
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Da Witzige ist doch, dass Poroshenko beim Kniefall vor der Flagge dem Publikum sein Hinterteil zugewandt hat, Selensky hingegen sein Gesicht. Wenn das nicht starke Symbolik ist!
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  • Kommentar von Stanic Drago  (Putinversteher)
    Es war ein mal eine Pilotin welche in russischen Knast war. Ihre Schicksal hat ganze westliche Welt beschäftigt. Dann würde diese Pilotin entlassen und dürfte zurück in Ukraine kehren. Kurz später würde sie auch dort inhaftiert, aber dann interessierte sie keinen mehr. Es gab unzählige Anschläge auf NGOs Aktivisten und Journaisten mit mehreren töten aber auch das hat nicht so Grösse Interesse geweckt.
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