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Eric Zemmour - er könnte Le Pen im Wahlkampf gefährlich werden
Aus Echo der Zeit vom 29.09.2021.
abspielen. Laufzeit 05:31 Minuten.
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Wahlen in Frankreich Éric Zemmour, der Vordenker von Frankreichs Rechten

Er ist weder offizieller Präsidentschaftskandidat, noch hat er eine Partei im Rücken. Trotzdem erhält Zemmour am meisten Aufmerksamkeit.

Éric Zemmour ist seit 35 Jahren im Mediengeschäft. Als Journalist für die konservative Zeitung «Le Figaro», als politischer Kommentator im Privatfernsehen, als Buchautor. In seinem Essai «Le Suicide Français» stellte er vor einigen Jahren die Entwicklung in Frankreich seit den 1970er-Jahren als Selbstmord auf Raten dar.

Frankreich schafft sich ab, ist Éric Zemmours zentrale These. Das Problem sieht er in einem wachsenden Bevölkerungsanteil von Muslimen mit afrikanischen Wurzeln. Leute, die sehr weit von der französischen Kultur und ihrer griechisch-römischen und christlichen Grundlage entfernt seien.

Auf Kollisionskurs

Éric Zemmour polemisiert und provoziert: Vor zehn Jahren verurteilte ihn das Strafgericht Paris wegen Aufruf zum Rassenhass. Auch in Bezug auf Frankreichs Geschichte im Zweiten Weltkrieg geht Zemmour auf Kollisionskurs mit der gängigen Meinung.

Die Deutschen hätten die Vichy-Regierung unter Marschall Pétain zur Kollaboration im Holocaust gezwungen. Vichy habe französische Juden beschützt und ausländische Juden ausgeliefert. Dass sich Frankreichs Präsidenten seit Jacques Chirac schrittweise von kolonialen Verbrechen in Algerien distanzieren, lehnt er ab.

Legende: Zemmour kritisiert und provoziert – und erhält mediale und politische Aufmerksamkeit Keystone

Im Zentrum von Éric Zemmours Kritik steht aber der Islam. Der Islam sei eine politische Theologie: eine Zivilisation und religiöse Gemeinschaft, die mit den Grundsätzen Frankreichs nicht vereinbar sei. Der Islam stelle religiöse Gesetze über die staatliche Ordnung.

Die Folge seien ausländische Sondergesellschaften innerhalb Frankreichs. Der Islam in Frankreich müsse französiert werden. Genauso wie früher auch das Judentum.

Der Islam in Frankreich muss französiert werden.
Autor: Éric Zemmour Journalist und Buchautor

Der Vergleich ist bewusst gewählt. Éric Zemmour stammt aus einer jüdischen Familie, die Algerien während des Algerienkrieges verlassen musste. Seine Familie habe sich damals in Frankreich assimiliert – und genau dies verlange er heute auch von Muslimen.

Das versteht Zemmour unter Assimilation

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Assimilation heisse, die Geschichte des Landes, dessen Sitten und Lebensart übernehmen, die Sprache und seine Literatur verinnerlichen. So verlangt Zemmour zum Beispiel, dass Muslime ihren Kindern europäische Vornamen geben müssten. Erst an zweiter oder dritter Stelle wären auch arabische Vornamen erlaubt.

Frankreichs Schicksal stehe auf Messers Schneide, sagt Zemmour. Es müsse jemand Gegensteuer geben. Von Marine Le Pen hält er wenig. Sie habe den Reflex linker Frauen. Das Rassemblement National wachse nur, weil die traditionelle Rechte die Linie de Gaulles längst verraten habe. Es sei offensichtlich niemand da, der den Auftrag zur Verteidigung Frankreichs übernehmen könne.

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Aus dem Archiv: Le Pen bleibt Chefin von Rassemblement National
05:10 min, aus Echo der Zeit vom 04.07.2021.
abspielen. Laufzeit 05:10 Minuten.

Zwischen den Zeilen schimmert durch, dass sich Éric Zemmour für den Mann der Stunde hält. Auch wenn er unermüdlich wiederholt, der Moment für die Entscheidung sei noch nicht gekommen. Auch wenn sich der Mann noch ziert – in der rechten Wählerschaft zeichnen sich schon jetzt deutliche Verschiebungen ab.

Neueste Umfragen sagen Marine Le Pen einen Absturz auf deutlich unter 20 Prozent voraus. Sie liegt nur noch knapp vor Zemmour, der offiziell noch gar nicht Kandidat ist. Noch schlechter sind die Aussichten der konservativen «Républicains». Zemmour hat ihren chancenreichsten Anwärter bereits überholt.

Legende: Das neueste Buch von Zemmour heisst übersetzt «Frankreich hat sein letztes Wort nicht gesprochen». Reuters

In Zemmours Rücken steht längst eine wachsende Fan-Gemeinde: Diese «Freundinnen und Freunde» von Eric Zemmour haben bereits ein Lokal gemietet. Nach Recherchen der Tageszeitung «Le Parisien» eignet es sich bestens als Hauptquartier für eine Präsidentschaftskampagne. Es sei gross und liege im noblen 8. Arrondissement von Paris. Einen kurzen Fussmarsch vom Amtssitz des Präsidenten im Élysée-Palast entfernt.

Echo der Zeit, 29.09.2021, 18 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Mal so nebenbei, wer ist denn eigentlich gegen eine Integration von Zuwanderer n egal woher die kommen und welche Religionen die haben. Mir fällt da niemand ein.
    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Grundsätzlich müssen sich die Zuwanderer integrieren wollen. In der ganzen Schweiz sind Aktionen um die mittlerweile geschlossene Winterthurer Moschee und den Bieler Hassprediger bekannt, vor ein paar Wochen wurde auch wieder über die Schaffhauser Zelle berichtet. Das hat alles mit einer bestimmten Religion zu tun.
    2. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @helmers. Wird bei einer Niederlassungsbewilligung oder einem Asylgewähr, keine Akzeptanz der gültigen Gesetze und Regeln verpflichtend eingefordert? Ich kenne mich damit nicht aus.
  • Kommentar von Christian Casutt  (Christian_C_57)
    «Im Zentrum von Éric Zemmours Kritik steht aber der Islam. Der Islam sei eine politische Theologie: eine Zivilisation und religiöse Gemeinschaft, die mit den Grundsätzen Frankreichs nicht vereinbar sei. Der Islam stelle religiöse Gesetze über die staatliche Ordnung». Ich persönliche teile diese Einschätzung. Es ist irritierend, dass Personen, die gewisse Probleme & Missstände ansprechen, in die „böse rechte Ecke“ gedrängt werden (weil nicht zwischen rechts und rechtsextrem unterschieden wird).
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Magrebiner sind in Frankreich inzwischen eine ernstzunehmende Minderheit. Wenn nicht mit der nötigen Behutsamkeit zwischen den Volksgruppen vorgegangen wird, werden die Probleme nicht vermindert, sondern vergrößert.
    2. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Ich kenne persönlich nur Muslime, die sich an Gesetze halten und die staatliche Ordnung über die religösen Sprüche stellen. Ist mir nicht klar, wen Sie meinen mit 'dem Islam'. Religiöse Extremisten?
  • Kommentar von Martin Gebauer  (Mäde)
    Eine höchst zwielichtige Erscheinung und zum Teil sind seine Positionen unappetitlich. Er spricht allerdings unverblümt eines der grössten Probleme Europas an. Die unaufhörliche Zuwanderung schwer integrierbarer Migranten und die damit immer mehr ausufernden Parallelgesellschaften. Dass der politische Islam eine Zeitbombe ist, ist auch nichts Neues. Die Forderung nach totaler Assimilation von aus dem Magreb Eingewanderter, ist absurd. Ich halte sein Plärren für billigen Wahlkampf.