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Wahlen in Grossbritannien Warum die Briten auf die Konservativen setzen

Cameron kündigte an, er halte an seinem Versprechen fest, den Verbleib Grossbritanniens in der EU zum Referendum zu bringen. Dieses Versprechen dürfte mit ein Grund sein, warum die Briten ihn wählten. Eine Analyse über die Resultate mit dem Journalisten Peter Miles in London.

Cameron geniesst das Bad in der Menge.
Legende: Cameron geniesst das Bad in der Menge. Reuters

SRF: Warum haben die Briten wieder die Tories gewählt?

Peter Miles: Ein grosser Faktor wird der Bonus des bisherigen Amtshinhabers gewesen sein. Cameron hat offenbar gut dargelegt, dass die Wirtschaft unter den Konservativen einen Aufschwung erlebt hat, auch wenn dieser Aufschwung noch nicht so stark ist. Auch sein rigides Sparprogramm hat offenbar überzeugt. Die Briten wollten wohl nicht mitten im Aufschwung auf ein anderes Pferd setzen. Im Zweifel für den Bisherigen.

Viele Menschen haben das rigide Sparprogramm von Cameron am eigenen Leib zu spüren bekommen. Das scheinen die Briten weiter haben zu wollen?

Ausschlaggebend war wohl, dass die Briten den Konservativen wirtschaftliche Kompetenz zutrauen, eher als den Labours. Die Wähler nahmen Cameron offenbar ab, dass die Konservativen durch den Aufschwung mehr Steuern einnehmen werden, das Defizit abbauen werden und die Kürzungen dann schneller ein Ende finden.

Warum hat Labour mit Ed Miliband an der Spitze derart deutlich verloren?

Ed Miliband hat seine Sache eigentlich gut gemacht, ist in der Rolle des Herausforderers gewachsen. Man hat ihm auch Führungsqualitäten zugesprochen. Den Konservativen ist es aber gelungen, den Teufel einer Labour-Partei an die Wand zu malen, die von der Schottischen Nationalpartei unterstützt werden müsste. Denn laut Umfragen hätte keine Partei die absolute Mehrheit erreicht. Und dann hätten wahrscheinlich die beiden Linksparteien Labour und die Schottischen Nationalisten zusammengespannt. Das haben wahrscheinlich viele Briten nicht goutiert, denn die Schottischen Nationalisten wollen eigentlich aus dem Königreich austreten.

Sind die Schottischen Nationalisten jetzt ein Problem für Cameron und für den Zusammenhalt des Landes?

Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Schottischen Nationalpartei werden irgendwann bestimmt wieder aufs Tapet kommen. Doch da die Konservativen die absolute Mehrheit im Parlament haben, werden die Schottischen Nationalisten irrelevant, denn sie können gegen alles stimmen, werden aber immer unterliegen.

Das andere grosse Problem für Cameron: Das Verhältnis zur EU. Cameron muss nun ein Referendum zum EU-Austritt abhalten. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Briten dem Austritt zustimmen?

Wenn man im Moment abstimmen würde, würde es eine ganz knappe Mehrheit für den Austritt geben. Cameron selbst soll ja nicht für einen Austritt aus der EU sein.

Das Gespräch für SRF führte Rino Curti.

8 Kommentare

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  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Wahlen wenn dass nicht zum lachen ist! Egal wer an die Macht kommt, denn die Macht haben Londons Banken und die Königin hat das letzte Wort!
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  • Kommentar von Bula p, Bei zug
    die Briten haben zu 37% die Konservativen und zu 31% die Sozialdemokraten gewählt. Das die Konservativen jetzt über die absolute Mehrheit im Parlament verfügen (51 oder mehr Prozent) finde ich nur schweer nachvollziehbar. Dabei spielt links oder rechts keine Rolle. Die Frage bleibt: ist das ein sinnvolles Wahlsystem, liebe Briten?
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
    Cameron spielt für mich absolut keine Rolle. Weiss eigentlich auch nicht, warum der so viele Schweizer Bürger/innen (auch Journalisten und Journalistinnen, "wir" haben ja alle viele Rollen) in der neutralen Schweiz zu so vielen Kommentaren verleitet. Das beste Ding aus GB finde ich immer noch die vielen Punkte aus GB zu dem wunderbaren Song am ESC: "Anna Rossinelli - In Love For A While (Switzerland)". Da hat GB bewiesen, wieder mal, dass es etwas von Musik versteht.
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    1. Antwort von S. Beerli, Zürich
      U. Schüpbach, Sie haben sich ja auch verleiten lassen!
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