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Sri Lanka: Tamilen fürchten sich vor Machtwechsel
Aus Echo der Zeit vom 16.11.2019.
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Wahlen in Sri Lanka Nationalisten sind im Aufwind

Ein Blick auf die Resultate in den einzelnen Bezirken zeigt: Der Singhalesische Süden des Landes hat mit überwältigender Mehrheit für Gotabaya Rajapaksa gestimmt, während der tamilische und muslimische Norden und Osten des Landes den Kandidaten der bisherigen Regierungspartei Sajith Premadasa gewählt hat. Doch war es dort wohl eher eine Wahl gegen Rajapaksa als eine Wahl für Premadasa.

Premadasa als kleineres Übel neben Rajapaksa

Denn Rajapaksa polarisiert. Während er im Süden als der Garant für Sicherheit gilt, wird er im Norden als der Inbegriff von Gefahr gesehen. Rajapaksa hat seinen Wahlkampf nur Wochen nach den verheerenden Osterattacken lanciert. Sein Argument: Er habe den Bürgerkrieg mit den Tamil Tigers beendet und er werde auch dem islamistischen Terror den Garaus machen, stiess auf Zustimmung unter den Buddhisten und Christen im Süden.

Der Norden und der Osten haben sich klar gegen Rajapaksa ausgesprochen. Die Erinnerung an den Bürgerkrieg und an die Unterdrückung in den Jahren danach, als Mahinda Rajapaksa an der Macht war, hat da den Ausschlag gegeben. Als Verteidigungssekretär, war Rajapaksa massgeblich beteiligt an der rücksichtslosen Eliminierung der Tamil Tigers, mehrere zehntausend Zivilisten kamen damals ums Leben. Premadasa war für die Tamilen das kleinere Übel.

Höhere Wahlbeteiligung – auch bei den Tamilen

Die Karte zeigt ein gespaltenes Land. Und dennoch ist das Ergebnis nicht nur als Zeichen des tiefen Grabens zwischen Tamilen und Singhalesen zu deuten.

Die Tamilen haben am demokratischen Prozess in Sri Lanka teilgenommen. Die Wahlbeteiligung im Norden war höher als noch bei den Wahlen 2015 und sie haben sich für einen Kandidaten stark gemacht, der nicht Tamile ist und nicht nur ihre Interessen vertritt. Sähen sich die Tamilen nicht als Teil Sri Lankas, wären sie den Wahllokalen ferngeblieben, oder wären weniger zahlreich zur Wahl erschienen. Einem Boykottaufruf verschiedener tamilisch-nationalistischer Parteien sind sie jedenfalls nicht gefolgt.

Aussöhnung des Landes ist unrealistisch

Doch diese nationalistischen Kräfte, im Norden sowie im Süden, werden dieses Wahlresultat als eine de facto Trennung des Landes interpretieren wollen und weiterhin den Norden gegen den Süden ausspielen. Bei diesen Wahlen hat nicht der Süden gewonnen und der Norden verloren. Sondern: Die Nationalisten haben weder gewonnen, noch die Einheit hat verloren.

Je ausgeprägter Rajapaksas singhalesischer Nationalismus sich in den nächsten Jahren bemerkbar macht, desto mehr Zuwachs werden auch die tamilisch-nationalistischen Kräfte im Norden haben. Unter diesen Voraussetzungen wird die so notwendige Aussöhnung des Landes nicht zu realisieren sein.

Thomas Gutersohn

Thomas Gutersohn

Indien- und Südasien-Korrespondent, SRF

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Thomas Gutersohn lebt seit 2016 im indischen Mumbai und berichtet für SRF aus Indien und Südasien. Gutersohn hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

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