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Waldbrände in Kalifornien Paradise – eine verlorene Stadt?

Legende: Video Apokalyptische Szenerie in Paradise, Kalifornien abspielen. Laufzeit 00:57 Minuten.
Aus SRF News vom 19.11.2018.

Ungläubig stehen mein Kameramann und ich zwischen ausgebrannten Autos und Wohnhäusern. Wir hatten zwar zuvor erste Bilder am Fernsehen gesehen.

Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen

USA-Korrespondent, SRF

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Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Er hat an den Universitäten Bern und Freiburg sowie an der American University in Washington DC Medien- und Kommunikationswissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert und in Freiburg mit einem Master of Arts erfolgreich abgeschlossen. Seit 2006 arbeitet er für SRF.

Doch der Eindruck vor Ort ist noch dramatischer als erwartet. «Apokalyptisch» – ein Wort, das hier vielen auf der Zunge liegt. Der Boden ist schwarz. Die Sonne dringt nur schwach durch den Rauch.

Die Sonne scheint, aber der Rauch trübt die Sicht
Legende: Thomas von Grünigen/SRF

Menschen sind kaum unterwegs. Die meisten Anwohner haben noch keinen Zugang zur Stadt. Such-Experten in weissen Gewändern und mit dicken Masken durchkämmen die Ruinen nach sterblichen Überresten von Menschen und Haustieren.

Ein Mann inmitten von Trümmern
Legende: Thomas von Grünigen/SRF

Auch der hochrangige Feuerwehrmann, mit dem wir ins Gespräch kommen, scheint überwältigt. Er hat schon einiges erlebt, aber noch nie eine Zerstörung in diesem Ausmass.

Ein Schild f¨ür «Aloha Paradise» in mitten von Überresten des Feuers
Legende: Thomas von Grünigen/SRF

Seine Einheit ist mehrere Stunden angereist, um die völlig überforderten lokalen Behörden zu unterstützen. Bilder dürfen wir von ihm keine machen. Denn er dürfte eigentlich nicht mit uns reden, ohne Einwilligung des Pressesprechers. Und doch ist er kaum zu bremsen. Man redet miteinander, um das Leben zu spüren in dieser toten, unheimlichen Stadt.

Eine Mauer von einem Haus
Legende: Thomas von Grünigen/SRF

Rund 15'000 Gebäude hat das Feuer zerstört. Von der Stadt ist kaum etwas übrig. Tausende Menschen leben in Notunterkünften, in Hotels oder bei Freunden oder Verwandten.

Doch was kommt danach?

Chuck Pfenning informiert sich an einer Tafel über die neusten Behörden-Informationen. Seit dem Feuer lebt er auf einem improvisierten Zeltplatz in der Stadt Chico, etwa eine halbe Stunde entfernt. 45 Jahre lang lebte Chuck in Paradise.

Feuerinformationen: eine Pinnwand mit Informationen für Betroffene
Legende: Thomas von Grünigen/SRF

Es ist seine Heimat, doch eine Zukunft sieht er dort nicht: «Es ist nichts mehr da, keine Tankstelle, kein Lebensmittelladen, keinerlei Infrastruktur.» Und seine Kollegin Charmaine Pope ergänzt: «Es ist sicher nicht mehr gesund dort. Der Boden und die Luft sind sicher verseucht.»

Ein ausgebrannter Geländewagen
Legende: Thomas von Grünigen/SRF

Nach Katastrophen zeigen die Amerikaner meist einen trotzigen Optimismus. Es werde alles wieder aufgebaut, schöner und besser als je zuvor. Doch diesmal hören wir ungewöhnlich viel Pessimismus.

Zum Beispiel Marta Shaffer, High-School-Lehrerin. «Es wird noch schlimmer werden», sagt sie. Die Brände in der Gegend seien in den letzten Jahren häufiger und grösser geworden, wegen des Klimawandels. Ihre Schülerin Jackie (17) pflichtet ihr bei. Jackie ist in Paradise aufgewachsen. Wie es für sie und ihre Familie weitergeht, weiss sie nicht.

Anwohnerinnen
Legende: Thomas von Grünigen/SRF

Dann drückt bei Lehrerin Marta doch noch vorsichtiger US-Optimismus durch. Die Stadt sei nicht ganz verloren und werde wohl wieder aufgebaut. Aber es werde lange Zeit dauern, viel länger als die meisten Betroffenen zurzeit vermuten würden.

Legende: Video Mit dem Auto durch Paradise abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.11.2018.

Und auf die Waldbrände könnten ab Mittwoch auch noch Überschwemmungen und Erdrutsche folgen. Lange hat man hier auf Regen gehofft, nun droht er so heftig einzutreffen, dass die Behörden Unwetterwarnungen herausgeben. Der Wiederaufbau von Paradise muss warten.

Karte Kaliforniens mit den Brandorten und Zahlen zu Opfern und Schäden

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Bär (ursinho007)
    Wegen des Klimawandels muss ein Umdenken punkto Feuerschutz stattfinden. Man kann nicht Siedlungen in Wälder bauen und dann erst noch aus billigen Vollholzbauten, die wie Zunder brennen. Der Wiederaufbau muss in ganz anderer Form unter Berücksichtigung des neuen Gefahrenprofils geschehen.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Ganz einfach, diese "Millionen Villen sind praktisch alle aus Holz und Pappe gebaut und mit einem Verputz versehen! Sie brennen leicht und sind auch nicht Tornado sicher! Und bei den Bäumen sind die Stämme massiv aber die Kronen mit Astwerk sind verbrannt!
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Heusser: Sie haben weder Ahnung von der Gewalt solcher Feuer, noch haben Sie je einen Hurrikan oder Tornado erlebt und wahrscheinlich waren Sie noch gar nie in den USA. Aber immer feste draufhauen... Absolut arrogant. Fakt ist: Schweizer Häuser würden solche Tornados oder Hurrikanes ebenfalls nicht heil überstehen und solche Brände schon gar nicht. Im Übrigen braucht ein Haus in den USA weniger Energie bis es erstellt ist, als eine Baute in der Schweiz.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Im Prinzip mit Ihnen einverstanden (Billigst-Bauweise). Aber in diesem Fall hätten wohl auch Beton- oder Steinhäuser der Feuersbrunst nur dann getrotzt, wenn alles so gebaut wäre. So hätte der Zunder in den Strassen gefehlt.
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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber (Nivi)
    Wieso stehen da so viele unverbrannte Bäume, während die Häuser völlig zerstört sind? Noch mehr erstaunt es mich, dass es Aufnahmen von Autos gibt, bei denen die Alufelgen geschmolzen sind. Warum konnten die Brände an mehreren Orten fast gleichzeitig ausbrechen? Die Villa von Thomas Gottschalk ist völlig zerstört worden, während rundherum alles grün ist, wie in der deutschen Bild berichtet wurde. Ähnliche Phänomene waren auch bei den "Horror" Bränden in Griechenland fest gestellt worden.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Ach nein, die Deutsche Bild-Klientel kümmert sich um die abgebrannte Villa von Gottschalk... interessiert in der Schweiz und in den USA schlichtweg niemand. Legen Sie das Fachjournal-für-Blöde weg und schauen Sie die Brandstatistiken der letzten hundert Jahre in Kalifornien an, da werden Sie merken, dass die meisten Brände die Folgen von Blitzeinschlägen sind oder Unrat (bsp. Glasscherben, Zigaretten etc.) im Zusammenhang mit heissen, starken Winden sind.
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