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International Warum der Kampf um Aleppo für Syriens Zukunft so entscheidend ist

Im Norden Syriens könnte sich in diesen Wochen nach fast fünf Jahren der Bürgerkrieg entscheiden. Die Lage ist verworren, klare Koalitionen gibt es nicht. In der Region nördlich von Aleppo treffen zudem alle beteiligten Konfliktparteien aufeinander. Ein Überblick über die wichtigsten Parteien.

Karte von Syrien, eingezeichnet ist die Hauptstadt Damaskus im Süden und Aleppo im Norden
Legende: SRF

Das Regime

  • Die Armee kämpft gemeinsam mit Verbündeten – es handelt sich dabei vor allem um Kämpfer aus dem Iran und der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah. Sie erhalten von Russland Luftunterstützung.

Die Rebellen

  • Radikale und gemässigtere Regimegegner kämpfen Seite an Seite. In einigen Gebieten gibt es auch Stellungen der Al-Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida. Unterstützt werden die Rebellen von der Türkei und Saudi-Arabien.

Die Kurden

  • Die Kurden-Miliz YPG nutzt die Schwäche der Rebellen, um vorzurücken. Bei der YPG handelt es sich um den bewaffneten Arm des syrischen Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Sie wird ebenfalls von der russischen Luftwaffe unterstützt. Gleichzeitig ist die YPG in Syrien wichtigster Partner der von den USA geführten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die Terrormiliz IS

  • Die Extremisten stehen nordöstlich und östlich von Aleppo. Sie sind mit allen anderen beteiligten Kräften verfeindet. In den derzeitigen Auseinandersetzungen spielen sie nur am Rande eine Rolle.
Legende: Video Exodus aus Aleppo abspielen. Laufzeit 1:15 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.02.2016.

Derzeit konzentrieren sich die Kämpfe im Norden Syriens auf zwei Gebiete.

Aleppo

  • Die Rebellen kontrollieren den Osten der Stadt, das Regime den Westen. Der Armee und ihren Verbündeten gelang es Anfang Februar, nördlich von Aleppo die wichtigste Verbindungsroute der Rebellen über den Ort Asas Richtung Türkei zu kappen. Russlands Kampfflugzeuge unterstützen das Regime und haben die Angriffe in den vergangenen Tagen intensiviert. Jetzt will die Armee auch die letzte Verbindung der Rebellen Richtung Türkei abschneiden, die Richtung Nordwesten verläuft. Sollte es dem Regime gelingen, seine Gegner in Aleppo von der Aussenwelt abzuschneiden, wäre das ein schwerer Schlag für die Rebellen.
Legende: Video Streubomben auf Aleppo am 15.2.2016 (unkomm.) abspielen. Laufzeit 0:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.02.2016.

Nördlich von Aleppo

  • Die Rebellen kontrollieren dort nur noch einen schmalen Korridor an der Grenze zur Türkei. Östlich von ihnen steht der IS. Von Westen her rückt die Kurden-Miliz YPG an, die zuletzt die Stadt Tel Rifaat einnahm. Zehntausende Flüchtlinge sind in das von Rebellen gehaltene Gebiet um die Stadt Asas geflohen. Die Kurden haben das Ziel, die gesamte Grenze zur Türkei unter ihre Kontrolle zu bringen. Damit stossen sie auf massiven Widerstand der Türkei, die ein eigenständiges Kurdengebiet an ihrer Grenze verhindern will. Die türkische Armee beschoss die Kurden mit Artillerie. Unterstützung erhält die YPG hingegen von der russischen Luftwaffe.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Cherubina Müller (Republic of Lakotah)
    Die Rebellen in Mare widersprechen der Meldung Mare wäre heute an die YPG und ihre Verbündeten kampflos übergeben worden. Auf YouTube ist seit heute ein ganz interessantes Video zu sehen: Peter Ford on the Syrian war; Peter Ford war der UK - Botschafter in Syrien von 2003-2006 und steht in einer Sendung der BBC Rede und Antwort, vertritt aber eine ganz andere Meinung als der sichtlich genervte Interviewer sich erwünscht hatte.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Republic of Lakotah)
    Mare wurde nach Verhandlungen von den mit der YPG verbündeten SDF kampflos eingenommen, die Islamisten halten nun nur noch Azaz . Die syrische Armee konzentriert sich auf die Befreiung Aleppos und Kinnsibba in Latakia. In Südost - Homs konnte die SAA mehrere Dörfer vom IS befreien ( in der Nähe der antiken Christenstadt Quraytayn ). Die säkulare syrische Miliz NDF, mit sunnitischen Stämmen und vielen Frauen, ist von fundamentaler Bedeutung für die syrische Armee und müsste schon erwähnt werden.
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Komisch wie sich D. Stanic als der (fast) einzige Experte auf die Situation in Syrien aufspielt. Wäre interessant zu sehen was die Quellen sind. Auf jeden Fall war bisher nie bekannt dass die Rebellen grössere Operationen in Latakia durchgeführt hätten. Wo sie nie gross waren können Sie auch keine grösseren Gebietsverluste machen. Dazu: Artillerie von der Türkei aus hat eine begrenzte Reichweite: Latakia als Provinz ist zu gross als dass dies eine allzu grosse Bedeutung hätte. Also Hr. Stanic?
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