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Wegen Schmiergeld-Affäre Ex-König Juan Carlos hat Spanien heimlich verlassen

  • Der von einem Skandal um angebliche Schmiergeldzahlungen bedrängte spanische Ex-König Juan Carlos hat seine Heimat bereits am Wochenende verlassen.
  • Wo sich Juan Carlos aufhält, ist unbekannt. Medien spekulieren, er könnte in der Dominikanischen Republik, Portugal, Italien oder Frankreich sein.
  • Den Entschluss, Spanien zu verlassen, teilte der 82-Jährige seinem Sohn und Nachfolger Felipe VI. in einem am Montag vom Königshaus in Madrid veröffentlichten Brief mit.
  • Das Oberste Gericht in Madrid hatte Ermittlungen wegen Schmiergeldzahlungen gegen den Ex-König eingeleitet.

Mit seiner Entscheidung wolle er dazu beitragen, die Ausübung der Arbeit seines Sohnes als Staatschef zu erleichtern, «angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen», schreibt Juan Carlos in deutlicher Anspielung auf die im Juni gegen ihn eingeleiteten Justizermittlungen.

Wurde Juan Carlos zur Entscheidung gezwungen?

Die in Sachen Monarchie gewöhnlich sehr gut informierte Tageszeitung «El Mundo» versicherte, die Entscheidung sei in erster Linie von Felipe getroffen worden. Das Königshaus habe Juan Carlos zum Verlassen Spaniens «gezwungen», so das Blatt. Die Affäre hatte dem Image Felipes und der spanischen Monarchie sehr geschadet. Die Rufe nach einer Abschaffung der Monarchie waren zuletzt immer lauter geworden.

«Affäre um den Wüsten-Zug»

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Im Skandal um mutmassliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium – also einem vorübergehenden Zusammenschluss von Unternehmen, besonders Banken, zur gemeinsamen Durchführung eines grösseren Geschäfts – hatte das Oberste Gericht in Madrid am 8. Juni Ermittlungen gegen Juan Carlos eingeleitet.

In der sogenannten «Affäre um den Wüsten-Zug» ermitteln die für Korruption und Wirtschaftsdelikte zuständigen Behörden schon seit 2018. Im Jahr 2008 soll Juan Carlos Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar aus Saudi-Arabien kassiert haben.

«Es ist eine Entscheidung, die ich mit tiefen Gefühlen, aber mit grosser Ruhe treffe», betont der emeritierte König.

Wo ist Juan Carlos?

Nach spanischen Medienberichten vom Dienstag hat Juan Carlos Spanien schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung heimlich verlassen. Er sei bereits am Wochenende ausgereist, berichteten der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTVE und andere spanische Medien unter Berufung auf das Königshaus.

Wo sich Juan Carlos nun aufhält, war zunächst unbekannt. Die Zeitung La Vanguardia berichtete, er soll sich «vorübergehend» in der Dominikanischen Republik befinden, jedoch ohne Quellen dafür zu nennen. Andere Zeitungen spekulierten, der Ex-König könne sich in Portugal, Frankreich oder Italien aufhalten.

SRF 4 News, 3.8.2020, 20:00 Uhr;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Monarchien, Königshäuser und das ganze Brimborium gehören ersatzlos abgeschafft. Dss jeweilige Volk soll dss allerdings selber entscheiden dürfen.
    1. Antwort von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
      Guten Tag.
      das wäre zu einfach.
      1) Es gab solche, die sehr viel Positives erreicht haben (z.B. Thailand)
      2) Etwas Gleichartiges sind "gewählte" Staatsmänner und Diktatoren oder manche Wirtschaftsbosse. Auch abschaffen?

      Fazit: es hängt immer von der ethischen Einstellung der Werte des Menschen ab, inwiefern er Verantwortung, Selbstdisziplin, Unabhängigkeit und Integrität lebt.
      Die Auswahl dazu ist allerdings dünn, sollten wir wohl mehr als Priorität sehen und leben.
      F.G.,ee
  • Kommentar von Erik Eisermann  (ECATWEAZLE)
    Guten Tag.
    schade, wie kann jemand, der so viel positive Elemente nach der Franco-Dikatatur gebracht hat, seine Konten so leeren?
    Vor allen Dingen, mit welcher Motivation?
    Es geht hier nicht darum, ob jemand König war, sondern es ist ein menschliches Dilemma.
    Freundliche Grüsse, ee
  • Kommentar von Fritz Hostettler  (hoss)
    ich finde es sowieso beschämend das in der heutigen Zeit noch von Kaisern und Königen gesprochen wird. Geschweige den von anderen Despoten.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Anstelle der Kaiser und Könige sind schon längst Despoten wie Putin, Erdogan, Orban, Vucic, Trump, Bolsonaro, Duterte getreten.
    2. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Man muss der harten Wirklichkeit ins Auge schauen: es gibt sie immer noch. Es schönzureden, wäre doch sinnlos.