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Welle der Solidarität Zeichen gegen Rassismus: US-Sportler boykottieren wichtige Spiele

  • Die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen schwarzen Amerikaner am Wochenende hat viele Spieler ein weiteres Mal schwer getroffen.
  • US-Sportler haben ihre Wut und Enttäuschung über die Polizeigewalt im Land deutlich gemacht wie nie zuvor.
  • Ausgelöst von einem historischen Playoff-Boykott der Milwaukee Bucks verzichteten am Mittwoch (Ortszeit) Teams und Spieler in der NBA, MLB, MLS und WNBA auf ihre Wettkämpfe.
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Randale in der Kleinstadt Kenosha
Aus Tagesschau vom 26.08.2020.
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Tennis-Star Naomi Osaka schloss sich dem Protest an und verzichtete unmittelbar vor den US Open auf ihr für Donnerstag angesetztes Halbfinale beim ATP-1000-Turnier in New York.

Die Organisatoren sagten daraufhin die für Donnerstag geplanten Partien ab.

Von Sportlern aus der Basketball-Profiliga NBA und der National Football League NFL gab es Zuspruch für den Schritt der Bucks. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama schrieb: «Ich preise die Spieler der Bucks, die einstehen dafür, woran sie glauben, Trainer wie Doc Rivers und die NBA und WNBA dafür, ein Zeichen zu setzen. Es wird all unsere Institutionen brauchen, um für unsere Werte einzustehen.»

Wie die NBA mitteilte, sollen die Begegnungen neu angesetzt werden. Und weil sich weitere Klubs solidarisch zeigten, sagte die NBA auch die übrigen Spiele an diesem Tag ab.

drei schwarze Footballspieler knien.
Legende: Colin Kaepernick setzte vor vier Jahren ein Zeichen gegen Polizeigewalt – er und viele Nachahmer wiederholten danach mehrmals den Kniefall (wie hier am 2. Oktober 2016 vor einem Spiel in Dallas). Keystone

Jahrestag des ersten Sportler-Protests

Auf den Tag genau vier Jahre nachdem Kaepernick, der damalige Quarterback der San Francisco 49ers, sich bei einem Testspiel vor der NFL-Saison erstmals während der Nationalhymne hingekniet und das Land in eine emotionale Debatte verwickelt hatte, blieben die Basketballer der Bucks am Mittwoch aber in ihrer Kabine. Der Grund: Die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen Afroamerikaner, dem am Wochenende in den Rücken geschossen worden war. Der Tatort ist in weniger als einer Stunde von Milwaukee mit dem Auto zu erreichen.

Auslöser der Proteste: Der Fall Jacob Blake

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Der 29 Jahre alte Familienvater Jacob Blake war am Sonntag durch Schüsse der Polizei in seinen Rücken schwer verletzt worden. Auf einem Video ist zu sehen, wie Blake zu seinem Auto geht, gefolgt von zwei Polizisten mit gezogenen Waffen. Eine der Waffen ist auf seinen Rücken gerichtet. Als Blake die Fahrertür öffnet und sich ins Auto beugt, fallen Schüsse. Nach Angaben des Anwalts der Familie sassen in dem Auto Blakes Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren. Nach Angaben von Blakes Vater und des Anwalts ist er infolge der Schüsse von der Hüfte abwärts gelähmt.

«Trotz der überwältigenden Plädoyers für Veränderungen hat es keine Handlungen gegeben. Unsere Konzentration kann deswegen heute nicht dem Basketball gelten», hiess es in einer von den Bucks-Profis in den Katakomben der Halle in Orlando verlesenen Reaktion auf den Boykott. «Wenn wir auf dem Platz stehen und Milwaukee und Wisconsin repräsentieren, wird von uns das höchste Niveau erwartet, dass wir alles geben und uns gegenseitig in die Verantwortung nehmen. Wir erfüllen diesen Standard und fordern das gleiche von unseren Gesetzgebern und der Strafverfolgung.»

Zeichen mit Nachhall

Die stärkste Frauen-Basketball-Liga der Welt, die WNBA, verzichtete wie die NBA auf alle geplanten Partien für den Tag. In der Major League Soccer fanden fünf der sechs geplanten Spiele des Tages nicht statt. Auch in der Major League Baseball wurden Begegnungen abgesagt.

«So etwas habe ich noch nie gesehen. Man muss den Milwaukee Bucks eine Menge Respekt zollen», sagte Basketball-Legende Charles Barkley dem TV-Sender CNN. «Ich finde es sehr couragiert, was die Milwaukee Bucks heute Abend gemacht haben.» Von den Team-Besitzern, die nicht informiert waren, gab es Rückendeckung.

Schon zuvor hatten die Anti-Rassismus-Proteste im Land eine grosse Rolle gespielt. Einige Basketballer waren der Meinung, dass mit einer Fortsetzung der durch die Pandemie unterbrochenen Saison der Fokus auf dieses Thema verloren gehe. Spieler und Trainer hatten zwar nahezu täglich in Interviews auf den Tod schwarzer Menschen hingewiesen. Der Knall am Mittwoch aber war beispiellos und wird lange nachhallen.

Tagesschau, 26.08.2020, 19.30 Uhr;

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Farbige Menschen sind in den USA definitiv benachteiligt. Dumme Argumente wie "die sollen sich mal an den (wenigen) erfolgreichen Schwarzen orientieren" sind völlig daneben. Das durchschnittliche Einkommen eines Farbigen liegt rund 30 000 Dollar unter dem eines Weißen. Die Armut, besonders unter farbigen Kindern und Jugendlichen ist gravierend höher. Somit ist auch das Risiko höher auf die schiefe Bahn zu kommen. Es gibt genügend Berichte und Dokumentationen, wo man sich informieren kann.
    1. Antwort von Ruedi Möckli  (rm)
      Danke fuer diesen Kommentar, Herr Kirchhoff. Die "Einkommens-Schere" zwischen weissen und schwarzen US-Amerikanern war noch nie so weit auseinander wie heute.
    2. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      Farbige Menschen sind also in der USA definitiv benachteiligt. Und warum war dann ein Farbiger zweimal zum Präsidenten dieses Landes gewählt worden und wie oft ist dies schon in Europa passiert?
    3. Antwort von Ruedi Möckli  (rm)
      @Herr Blatter: Das ist genau was Herr Kirchhoff mit "dummen Argumenten" gemeint hat. 1 von 44 US-Praesidenten war nicht weiss. Ihr eigenes Argument unterstreicht die Benachteiligung der Farbigen.
    4. Antwort von Thomas Widmer  (Thomy19)
      @Herr Blatter
      Es geht überhaupt nicht darum, ob es schon schwarze Präsidenten gab. Es geht um die breite, afroamerikanische Bevölkerung, welche benachteiligt wird, im Gesamten. Also diese zig- Millionen Schwarze in Amerika welche benachteiligt werden und nicht ein paar wenige Schwarze, die Präsident werden.
    5. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Blatter: Sie kennen doch den wahren Spruch: Die Ausnahme bestätigt die Regel....
  • Kommentar von Ruedi Möckli  (rm)
    Eine super Kettenreaktion, die die Bucks-Spieler hier ausgeloest haben. Dass es sich bis in andere Sportarten weitergezogen hat ist beachtlich und gleichzeitig notwendig.

    Hoffen wir dass es etwas nuetzt! Es kann nicht sein dass die schwarzen US-Amerikaner zur sportlichen Unterhaltung gut genug sind, aber seit Jahrhunderten kaum Stellenwert in der US-Gesellschaft haben.
    1. Antwort von Reto Blatter  (against mainstream)
      Darum war ja auch ein Schwarzer 8 Jahre lang Präsident genau dieses Landes:)
    2. Antwort von Ruedi Möckli  (rm)
      Nur 1 von 45 US-Praesidenten war schwarz. Ob das wirklich ein gutes Zeichen fuer die Schwarzen ist, koennen Sie selber ausrechnen.
    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Reto Blatter. 8 Jahre in der 250 jährigen Geschichte der USA!
  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Auf der einen Seite finde ich es wichtig, dass Rassismus bekämpft wird und man sich dafür auch einsetzt. Nur ist die Frage, ob es sich tatsächlich um eine rassistisch begründete Aktion der Polizei handelte. Wie von den örtlichen Jusizbehören mitgeteilt wurde war der angeschossene Schwarze nicht unbewaffnet. In seinem Fahrzeug befand sich ein Messer. Und das gilt als Waffe. Und jeder weiss, dass die Polizei in den USA sofort schiesst wenn sie eine Waffe findet, unabhängig von der Hautfarbe.
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Der Polizist hat 7 mal geschossen, bevor eine Waffe gefunden wurde.