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Ngozi Okonjo-Iweala könnte die erste afrikanische WTO-Chefin werden
Aus Echo der Zeit vom 02.09.2020.
abspielen. Laufzeit 10:56 Minuten.
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Welthandelsorganisation Eine der einflussreichsten Frauen will an die Spitze der WTO

Die WTO ist seit Anfang Monat ohne Chef. Acht Personen bewerben sich für das Amt. Gute Chancen werden der ehemaligen Finanzministerin Nigerias eingeräumt. Sie wäre die erste Frau auf diesem Posten.

Auf die Minute pünktlich erscheint Ngozi Okonjo-Iweala am Bildschirm im Zoom-Call. Nur um dann doch nochmals kurz für einen Telefonanruf zu verschwinden. «Der nigerianische Aussenminister sagt, ich soll zuerst das Interview machen. Das ist nicht einfach für einen Aussenminister, die sind ja immer in Eile.»

Ngozi Okonjo-Iweala weiss, wovon sie spricht. Sie war selbst einst Aussenministerin von Nigeria und insgesamt sieben Jahre lang Finanzministerin. Den Rest ihrer Karriere hat die 66-Jährige vor allem der Weltbank gewidmet. Ein Vierteljahrhundert war die Ökonomin dort tätig und stieg bis zur Vizepräsidentin auf.

Die Nigerianerin, die seit einem Jahr auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, sitzt in diversen Verwaltungsräten von der Standard Chartered Bank bis zu Twitter. Mehrfach wurde sie zu einer der einflussreichsten Frauen der Welt gekürt.

WTO in der Krise

Die Welthandelsorganisation steckt in der tiefsten Krise seit ihrer Gründung 1995. Die Mitgliedsländer sind derart zerstritten, dass sie sich nicht einmal auf einen Übergangschef einigen konnten.

Chefposten wird nicht vor November besetzt

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Mann mit Anzug und Krawatte zieht sich eine Schutzmaske über Mund und Nase
Legende: Keystone

Der bisherige Generaldirektor der Welthandelsorganisation, Roberto Azevêdo, trat Ende August zurück. Der Brasilianer wechselte zum Getränkekonzern PepsiCo. Über die Nachfolge Azevêdos soll im November entschieden werden.

Handelsdiplomaten in Genf glauben nicht, dass die Entscheidung vor den US-Wahlen am 3. November fällt. Um den Posten bewerben sich Persönlichkeiten aus Ägypten, Grossbritannien, Kenia, Mexiko, Moldau, Nigeria und Saudi-Arabien.

Die Mehrheit der zerstrittenen Mitgliedsländer wollte dem Vernehmen nach den deutschen Vize-Generaldirektor Karl Brauner als Übergangschef einsetzen. Die USA wollten aber nur den amerikanischen Vize Alan Wolff akzeptieren. Mangels Einigung führen die insgesamt vier Stellvertreter die Geschäfte nun gemeinsam weiter.

Die Doha-Runde, welche die Handelsbedingungen zwischen den WTO-Mitgliedstaaten neu regeln sollte, wurde vor zwei Jahrzehnten begonnen und nie zu Ende geführt. Und auch der Welthandel steckt in der Krise: zunehmender Protektionismus, der Handelskrieg zwischen USA und China.

Es kann nicht sein, dass reiche Länder sich den Impfstoff vorzeitig sichern und für die armen Länder bleibt nichts mehr übrig.
Autor: Ngozi Okonjo-Iwealakandidiert als WTO-Generaldirektorin

Selbst in der Corona-Pandemie manifestiere sich der gewachsene Nationalismus der letzten Jahre, so Ngozi Okonjo-Iweala: «Da ist der Impf-Nationalismus. Doch es kann nicht sein, dass reiche Länder sich den Impfstoff vorzeitig sichern und für die armen Länder bleibt nichts mehr übrig.»

In den WTO-Regeln gäbe es Möglichkeiten in einer globalen Gesundheitskrise Impfungen allen zugänglich zu machen, ohne das Recht auf geistiges Eigentum zu verletzen. Die WTO könne und solle auch in der Gesundheitskrise eine wichtige Rolle spielen, ist die Anwärterin auf den WTO-Chefposten überzeugt.

Handel als Mittel zur Armutsreduktion

Dass der Nigerianerin gerade das Thema Impfungen ein Anliegen ist, überrascht nicht. Sie ist Vorsitzende der Impfallianz Gavi, einer Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft mit dem Ziel, den Zugang zu Impfungen zu verbessern. Doch auch sonst, dringt ihre jahrelange Tätigkeit als Entwicklungsökonomin im Gespräch immer wieder durch.

Handel hilft den Ländern aus der Armut herauszukommen.
Autor: Ngozi Okonjo-IwealaAnwärterin auf den WTO-Chefposten

Ngozi Okonjo-Iweala sieht in der WTO ein Instrument, um die armen Länder zu unterstützen. Oft spricht sie von Solidarität. Sie sieht den Welthandel nicht als Ziel, sondern als Mittel zum Zweck.

«Handel hilft den Ländern aus der Armut herauszukommen», so die 66-Jährige. Darum müsse es Aufgabe der neuen WTO-Direktorin sein, alle Länder einzubinden und sich gegen Ungleichheit einzusetzen. Die WTO als Schiedsrichterin, die die Regeln so aufstellt, dass auch die Schwachen im Welthandelsspiel gewinnen können.

Frau in afrikanischer Kleidung spricht neben mehreren Herren in Anzügen
Legende: Ngozi Okonjo-Iweala als Vertreterin der Weltbank an einer Konferenz zur weltweiten Finanzkrise 2009 in Tansania. Keystone

Echo der Zeit, 02.09.2020, 18:00 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Ernesto Asher Meng  (Ashi Ernesto)
    Hoffe auf Änderung. War oft in Afrika. Gerne hätte ich in Bangui Zentralafr. geholfen bei einer Hühnerfarm. Ich bin gescheitert, da jeden Tag ein neues Problem auftrat. Frustriert kehrte ich zurück. Vielleicht braucht es eine Afrik.abstämmige Frau. Viel Glück. Es muss etwas gescgehen in Africa. Chinesen helfen nicht, sie beuten Africa wie die Europäer aus vor 200Jahren
  • Kommentar von Joseph De Mol  (Molensepp)
    Übergeordnetes Ziel im Pflichtenheft der WTO: Handelshemmnise worldwide abbauen. Optimale Rahmenbedingungen für die globalisierte Wirtschaft kreieren, Grenzen der Überschaubarkeit und somit Regulative angreifen und lückenlos zerstören. Undemokratisch und intransparent seit Stunde Null. Die entscheidende Frage ist doch: Was bringt dieser Moloch dem Durchschnittsbürger aller Herren Länder? Was die WTO dem internationalen Geldadel bringt, ist mir bereits bekannt.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Das kommt sicher gut - oder auch nicht.