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Wer lügt – Israel oder Iran? Teheran spricht von «aufgewärmtem Bluff»

Israels Vorwurf, Iran könne sein Atomprogramm jederzeit hochfahren, ist heftig. Heftig sind auch die Reaktionen darauf.

Legende: Video EU zweifelt Israels Beweisführung zum Iran an abspielen. Laufzeit 1:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.05.2018.

Am Montagabend zur besten Sendezeit, hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im Fernsehen ein Regal voller Ordner und 103 CDs präsentiert: angeblich eine halbe Tonne Beweise für Irans geheimes Atomwaffenprogramm. Dieses sei zwar eingemottet, könne von Teheran aber jederzeit wieder aktiviert werden.

Iran bezichtigt Israel der Lüge

Die Vorwürfe seien ein «aufgewärmter Bluff», und Netanjahu sei ein «eingefleischter Lügner, dem die Ideen ausgehen», wettert das iranische Aussenministerium auf seiner Homepage. Es gehe Netanjahu nur darum, US-Präsident Donald Trump zu beeinflussen.

Dieser muss nämlich bis zum 12. Mai entscheiden, ob die USA – wie angedroht – wieder Sanktionen gegen Teheran verhängen und somit aus dem Atomabkommen aussteigen wird.

Europäer verteidigen das Abkommen

Das Szenario eines möglichen Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen prägt die internationalen Reaktionen. Dass Teheran sein Atomprogramm bis 2025 massiv einschränkt und Inspektionen zulässt, sei nach den Vorwürfen Israels noch wichtiger, verlautete aus dem französischen Aussenministerium.

Man sei nie naiv gewesen, was Irans Ambitionen im Kernwaffenbereich angeht, ergänzen die Briten. Sie betonen, auch London wolle an dem Abkommen festhalten.

In Brüssel zweifelt EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini an der Beweiskraft von Netanjahus Dokumenten. Irans Vertragstreue sei durch die Präsentation des israelischen Regierungschefs nicht in Frage gestellt.

Legende: Video Nach Provokation Israels wächst die Sorge vor Krieg abspielen. Laufzeit 4:36 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.05.2018.

Für Washington sind es klare Beweise

Ganz anders sieht man das in Washington. Netanjahus Dokumente bewiesen, dass das Regime in Teheran nicht die Wahrheit gesagt habe, sagt der neue US-Aussenminister Mike Pompeo. Präsident Trump fühle sich in seiner Meinung zum Iran zu «hundert Prozent bestätigt».

Ob er aus dem Atomabkommen aussteigen will, hat Trump aber noch nicht gesagt. Internationale Schiedsrichterin in Fragen rund um Atomwaffen ist die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien. Sie hat wiederholt, was sie früher schon verlauten liess: Es gebe «keine glaubwürdigen Hinweise» auf ein iranisches Atomwaffenprogramm in den letzten Jahren.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Mike Pompeo, John Bolton etc. sind in dieser Frage keine Referenz. Wer Zweifel hegt, dass beide seit Jahren den Krieg mit dem Iran wollen, soll ein paar Interviews lesen. Eine wichtige Errungenschaft der Aufklärung ist die Trennung von Kirche und Staat. Welche Ironie, dass ausgerechnet die Nation Thomas Jeffersons, die besonders gerne unter dem Banner von Freiheit, Demokratie und Zivilisiertheit in aller Welt Kriege führt, heutzutage beide Dinge vermischt wie seinerzeit die Konquistadoren.
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  • Kommentar von Patrick Lohri (Patrick Lohri)
    Aufgewärmt ja, Bluff nein. Es ist doch klar, dass der Iran das Atomprogramm jederzeit wieder hochfahren kann, die Anlagen wurden ja nicht abgebaut. Es gehört zur iranischen Staatsdoktrin Israel zu vernichten und das mit der Vernichtung des jüdischen Volkes hatten wir schon mal! Insofern kann ich verstehen, dass Israel da keinen Spass versteht! Zudem rüstet der Iran vor der Haustüre Israels massiv auf und richtet Raketen auf Israel! Wer dreht da an der Eskalationsschraube?
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Wer Bombardiert denn mal Vorsorglich in Syrien? Und das mit der Drohung, Israel auszulöschen war ein Ausspruch des Revolutionsführers Chomeini 1902-1989 also nicht sehr Aktuell.
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  • Kommentar von Magdalena Glaus (Bhabiana)
    Unglaublich, wieviele selbsternannten Nahostexperten und Iran/Israelkenner sich aktuell zu diesem Thema äussern! Scheinen alle einen direkten, exklusiven Draht nach Teheran und Jerusalem zu haben! Schön, wenn man wieder mal so richtig loslegen kann gegen alles, was Israel heisst - und dabei erst noch mit viiiel Zustimmung rechnen darf! Gleichzeitig empört man sich in Europa über den zunehmenden Antisemitismus und führt in Berlin einen Kippa-Tag durch! Diese Scheinheiligkeit stinkt zum Himmel!!!
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    1. Antwort von Sebastian Mallmann (mallmann)
      Das ist eine Kommentarfunktion, Frau Glaus. Da darf jeder seine Meinung zum Thema kundtun. Und wenn Sie hier Scheinheiligkeit vermuten - man sollte aufpassen, Leuten Antisemitismus zu unterstellen, nur weil sie die israelische Regierung kritisieren. Das ist ein falsche Schlussfolgerung. Der Umkehrschluss wäre nämlich, dass die israelische Regierung tun darf, was sie gerade will - schliesslich ist Kritik ja eigentlich Antisemitismus. Den Freipass wollen wir als Demokraten keiner Regierung geben.
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    2. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @MG: Wie recht Sie haben Frau Glaus. Ich wage zu behaupten, dass keiner von denen je in Israel war, geschweige denn die Geschichte des Nahostkonflikts seit den Anfängen kennt. Aber man sollte sich eigentlich nicht verwundern, dass hier gegen Israel geschossen wird. Die Berichterstattung von SRF zu diesem Thema ist sehr linkslastig und keineswegs ausgewogen. Wer sich auf SRF informiert, bekommt diese Sicht. Schade.
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    3. Antwort von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
      Herr Jenni, weshalb erachten Sie die Berichterstattung über Israel als "Linkslastig"? Mit links und rechts hat die eigene Positionierung in der Frage nichts zu tun. Zwei Stichworte: Henryk M. Broder und Jutta Ditfurth. Ersterer schreibt rechtsaussen im Spektrum unseres Roger Köppel, nur noch wesentlich unflätiger, letztere ist nur als ultralinks zu bezeichnen. Beide bügeln gerne sämtliche Versuche, Israelische Politik zu kritisieren mit dem Vorwurf des Antisemitismus nieder.
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    4. Antwort von Patrick Messmer (Patrick M)
      Es sind die selben die schon in Jugoslawien, Irak, Libyen und über Syrien das selbe sagten und sie hatten recht! Diese Masche funktioniert gut auch heute.
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