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Texas: Der politische Sturm nach dem Wintersturm
Aus Echo der Zeit vom 20.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
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Winterchaos im Süden der USA Texas: Dem Wintersturm folgt der politische Sturm

Nachdem in Texas Millionen für Tage ohne Strom und Wasser blieben, spricht der Gouverneur von systemischem Versagen.

Anfang Woche hat ein heftiger Wintersturm den Süden der USA heimgesucht. In Texas sind in der Folge Millionen von Haushalten während Tagen ohne Strom, Gas und fliessendes Wasser geblieben – mindestens 30 Menschen sind in den letzten Tagen deswegen gestorben.

Inzwischen normalisiert sich die Lage in Texas allmählich, auch wenn Präsident Biden den Staat zum Gross-Katastrophengebiet erklärte. Aber der politische Sturm, der dem systemischen Versagen folgt, wird nicht so rasch abflauen. Für Greg Abbott etwa, dem republikanischen Gouverneur von Texas, war von Anfang an klar: Schuld an den grossflächigen Stromausfällen seien vereiste Windturbinen. Das beweise, dass die politische Linke mit ihren Forderungen nach mehr erneuerbarer Energie das Land ins Verderben führen werde.

Reihe von Menschen mit Propangasbehältern. Einer trägt Cowboystiefel.
Legende: Echte Cowboys frieren doch: In Houston mussten die Texaner für Propan-Gas anstehen. Keystone

Doch kurz darauf musste die eigene Behörde eingestehen, dass fast sämtliche Kraftwerke und auch die Versorgungs-Infrastruktur den eisigen Temperaturen nicht standhielten, also vor allem Gas- und Öl-Pipelines nicht. In der Folge brach auch die Trinkwasserversorgung in weiten Teilen von Texas zusammen: Bei Millionen von Menschen tropfte in der kalten und dunklen Wohnung entweder gar kein Wasser mehr aus den Hähnen, oder es war verschmutzt und musste abgekocht werden – falls Strom oder Gas dafür vorhanden war. Einige Spitäler mussten deswegen gar Patienten verlegen.

Texas' Stromnetz ist vom Rest der USA abgekoppelt

Dass die Stromausfälle tagelang anhielten, ist die Folge einer Besonderheit des texanischen Stromnetzes. Dieses ist vom Rest des Landes abgekoppelt. Schon in den 1930er Jahren entschied der konservative Staat im Süden, sich nicht mit einem der beiden nationalen Stromnetze zu verbinden. Man wolle sich von den Bundesbehörden bei der Stromversorgung nicht hereinreden lassen. Als das Netz letzte Woche zusammenbrach, waren Stromlieferungen aus anderen Landesteilen deshalb nicht möglich.

Menschen in der texanischen Hauptstadt Houston suchen Zuflucht vor der Kälte in einem Möbelshop.
Legende: Menschen in Houston suchen Zuflucht vor der Kälte in einem Möbelshop. Reuters

Privatisierung und Deregulierung sind seit Jahrzehnten die Zauberworte in der texanischen Energie- und Wirtschaftspolitik. Neben tiefen Steuern sind es vor allem ungewöhnlich tiefe Energiepreise, mit denen Texas unzählige Unternehmen anlocken konnte. Diese Tiefstpreise sind möglich, weil der Staat die Energieversorgung privaten Firmen überlässt, denen er so wenig Vorschriften wie möglich macht – etwa auch nicht zu Wetter- und Winterfestigkeit. Und freiwillig haben die Privatfirmen entsprechende Investitionen nicht getätigt, denn Minustemperaturen, Schneestürme und Eisregen sind selten in Texas.

Bundesbehörden wurden nicht ernst genommen

Als vor 10 Jahren bereits ein Jahrhundert-Wintersturm über den sogenannten «Lone Star State» fegte, wurden die Schwächen der Energieversorgung schonungslos offen gelegt. Danach warnten die Bundesbehörden, das texanische Stromnetz sei auf einen extremen Wintereinbruch nicht vorbereitet. Ernst genommen wurden diese Warnungen aber ganz offensichtlich nicht. Rick Perry, der frühere Gouverneur meinte Anfang Woche: Richtige Texaner harrten lieber in einer kalten Wohnung aus, als sich von Beamten aus Washington DC hereinreden zu lassen.

Menschen stehen in einer Schlange mit Wasserbehältern.
Legende: Menschen stehen in Austin an, um Trinkwasser zu holen. Keystone

Solche Worte kommen in Texas derzeit nicht gut an. Gouverneur Greg Abbott sucht mittlerweile neue Schuldige und spricht selber von systemischem Versagen. Die Politik gehört vermutlich auch dazu. Ab nächster Woche finden im texanischen Staats-Parlament erste Hearings zum Versorgungsdebakel statt.

Echo der Zeit 20.02.2021, 18 Uhr

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Vieleicht überlegt sich so mancher Eigenheim Besitzer, ob er für sich nicht doch Blockheizkraftwerke beschafen sollte.
    Öl /Gas haben sie ja genug, und es hat ja auch Platz um Tanks zu bauen, so dass es für den ganzen Winter reicht.
    So kann sich jeder Texaner den Strom/Wäre selber produzieren.
  • Kommentar von Detlef Brügge  (Useful)
    Ted Cruze ist in Mexiko, wenn es kalt wird. Texas energietechnisch abgekoppelt vom Rest des Landes. Diesen politischen Dadaismus schaffen nur Republikaner u. sich dann noch beschweren, dass es am Energiemix liegt, der zu umweltschonend sei.
  • Kommentar von Andreas Zimmermann  (HoustonZimi)
    Interessante Meinungen. Fakten: Strommix Texas Stand 2019: Gas 47%, Kohle 20%, Nuklear 10%, Wind 20%, Solar 1%, Hydro 35% fossil und nuklear, 10% Windstrom. Ursache: mangelnde Gasleitungsisolation, keine Windradheizungen. 2011 schon mal passiert und nichts gelernt (ERCOT, PUC, Staatsregierung).
    1. Antwort von Andreas Zimmermann  (HoustonZimi)
      Da ist beim Freischalten einiges verloren gegangen. Hydro weniger als 1%. Ausfall: 35% fossil und nuklear, 10% Windstrom. NB - Von der Wasserversorgung reden wir hier lieber nicht, und auch nicht von den unglaublich laschen Bau- und Isolationsvorschriften. Mit einem bisschen Vorsorge (und gesunden Menschenverstand) haben meine Familie und ich die Woche soweit gut ueberstanden.