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Wirtschaftskrise in Kuba Experte: «Die Menschen in Kuba sind bezüglich USA zwiegespalten»

Die politische Situation für die sozialistische Regierung in Kuba ist derzeit alles andere als gemütlich. Dass die USA in Venezuela interveniert und Präsident Maduro gefangengenommen haben, macht die Sache nicht besser. Denn Kuba ist auf Öllieferungen aus Venezuela angewiesen. Der Lateinamerika-Experte Günther Maihold zu den Hintergründen.

Günther Maihold

Lateinamerika-Experte

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Günther Maihold ist Professor für Politikwissenschaft am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin.

SRF News: Warum ist es für Kuba ein so grosses Problem, wenn die Öllieferungen aus Venezuela ausbleiben?

Günther Maihold: Kuba ist in zentraler Weise auf Energielieferungen angewiesen. Wenn man sich vorstellt, dass Abschaltungen der Stromversorgung über 20 Stunden dauern, ist das nicht nur unangenehm für die Konsumenten. Es bedeutet auch, dass der Transport zum Erliegen kommt, die nationale Industrie keine entsprechende Versorgung mit Elektrizität hat und damit der Einbruch der Wirtschaft noch massiver wird. Damit ist ein strategischer Sektor getroffen, der für Kuba auch deswegen von Bedeutung ist, weil man versucht hat, aus dem venezolanischen Erdöl Devisen zu erwirtschaften und damit auch Einfuhren von Medikamenten und Lebensmitteln zu finanzieren.

Was bleibt dem Land nun noch?

Es gibt noch Öllieferungen aus Mexiko. Da ist gegenwärtig aber die Debatte am Laufen, ob seitens der Trump-Administration Druck auf Mexiko ausgeübt wird, hier zurückhaltender zu sein. Und die Frage stellt sich, ob von Russland oder China noch weitere Unterstützung zu erwarten ist. China hat beispielsweise die Lieferung von Reis angekündigt.

Hinzu kommt eine Verlotterung der Lebenssituation durch die fehlende Entsorgung des Mülls.

Was bedeutet die Situation für den Alltag der Menschen?

Zunächst mal ganz einfach Schlange stehen. Das gilt für viele Bereiche, fürs Tanken von Benzin bis zum Einkauf von Lebensmitteln. Man hat es mit einer sehr schwierigen internen Konstellation zu tun, weil die Bevölkerung gespalten ist zwischen denen, die Zugang zu US-Dollars haben, die besser versorgt sind, die spezielle Tankstellen anfahren können, wo man in entsprechenden Dollar-Shops einkaufen kann. Daneben gibt es denjenigen Teil der Bevölkerung, welcher in der kubanischen Peso-Währung bezahlen muss, womit alles sehr viel schwieriger zu bewerkstelligen ist. Hinzu kommt eine Verlotterung der Lebenssituation durch die fehlende Entsorgung des Mülls, sodass die Situation auch hinsichtlich der sanitären Lage im Land immer schwieriger wird.

Wie blickt man in Kuba auf die USA unter Präsident Trump?

Das ist ein zwiespältiges Bild: Zum einen gibt es diejenigen Kräfte, welche der Meinung sind, dass die kommunistische Regierung abgewirtschaftet hat und nicht zu erkennen ist, dass die Verantwortlichen einen Plan hätten. Diese Kräfte fänden es besser, wenn das Regime abtreten würde, und man wünscht sich eine bessere Unterstützung durch die USA. Auf der anderen Seite gibt einen gewissen Antiamerikanismus, der sich aus der langen Zeit des Embargos heraus entwickelt hat und sozusagen getragen wird von einer Überlebensphilosophie.

Das Angebot von US-Präsident Trump, irgendwelche Verhandlungen aufzunehmen, will man nicht ergreifen.

Sehen Sie irgendwelche Hebel, die das kubanische Regime noch hat?

Man hat zunächst die Strategie eingeschlagen, eine Sündenbockpolitik zu betreiben und hat gerade einen früheren Wirtschaftsminister zu lebenslangem Gefängnis verurteilt. Auf der anderen Seite mobilisiert man die Unterstützung, welche man noch erhalten kann, um eine Konstellation herbeizuführen, die das Überleben möglich macht. Zudem hat man deutlich klargemacht: Das Angebot von US-Präsident Trump, irgendwelche Verhandlungen aufzunehmen, will man nicht ergreifen. Insofern wird es ein Spiel auf Zeit.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

Echo der Zeit, 25.1.2026, 18:00 Uhr ; 

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