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Ölfrage wird zur Existenzfrage Venezuelas Sturz bringt Kuba ins Wanken

Kuba droht der Verlust von venezolanischem Öl. Der Druck auf die Regierung in Havanna nimmt zu.

Kuba gilt seit Jahrzehnten als einer der engsten Verbündeten Venezuelas. In Washington wächst nun die Überzeugung, dass ein Machtwechsel in Caracas auch das Ende der kommunistischen Führung in Havanna einleiten könnte.

USA wünschen Zusammenbruch der Regierung Kubas

US-Aussenminister Marco Rubio macht seit Jahren keinen Hehl daraus, dass er das Regime in Kuba fallen sehen will. Rubio, selbst Sohn kubanischer Einwanderer, sagt immer wieder, der Sturz von Präsident Maduro in Venezuela habe einen gewünschten Nebeneffekt: den Zusammenbruch der kubanischen Führung. Der entscheidende Faktor sei dabei das Öl.

«Wenn ich in Havanna leben und der Regierung angehören würde, wäre ich zumindest ein wenig beunruhigt», sagte Rubio unmittelbar nach der US-Intervention in Venezuela.

Kuba hat eine enorme Energiekrise, aber ohne das Öl aus Venezuela wäre die Situation noch sehr viel kritischer.
Autor: Bert Hoffmann Kuba-Experte

Der deutsche Politologe und Kuba-Experte Bert Hoffmann bestätigt diese Einschätzung. «Kuba macht sich auf jeden Fall Sorgen. Venezuela war der engste Verbündete Kubas und spielt auch eine ganz wesentliche Rolle bei der Versorgung Kubas mit Öl. Kuba hat eine enorme Energiekrise, aber ohne das Öl aus Venezuela wäre die Situation noch sehr viel kritischer.»

Die Abhängigkeit ist existenziell. Kuba steckt in der tiefsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Das veraltete Stromnetz wird mit Öl betrieben, das hauptsächlich aus Venezuela stammt. Doch bereits seit Monaten fehlt es an Treibstoff. Die Folge sind tägliche Stromausfälle von bis zu 20 Stunden. Auch Benzin ist kaum mehr erhältlich.

Kuba abhängig von Öl aus Venezuela

Diese Mangelwirtschaft trifft nicht nur den Alltag der Bevölkerung, sondern schadet auch dem Tourismus, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob ein endgültiger Ausfall der venezolanischen Öllieferungen das Regime in Havanna zu Fall bringen könnte. Hoffmann meint: «Es ist schwer vorzustellen, dass das alles reibungslos am Regime vorbeigeht. Der Druck wird wachsen.»

Druck steigt – von aussen und von innen

Dieser Druck kommt von zwei Seiten. Von aussen verschärfen die USA ihre Gangart. US-Präsident Donald Trump erklärt, das Regime in Kuba werde «nun ganz von alleine fallen», wenn das venezolanische Öl ausbleibe.

Die Frage ist, ob Russland und China tatsächlich für Kuba gross in die Bresche springen werden, wenn das einen Konflikt mit den USA bedeutet.
Autor: Bert Hoffmann Kuba-Experte

Gleichzeitig wächst der innere Druck. Präsident Miguel Díaz-Canel und seine Regierung verfügen kaum noch über Rückhalt in der Bevölkerung. Schätzungen zufolge haben in den vergangenen fünf Jahren rund zehn Prozent der Bevölkerung Kuba verlassen.

China und Russland als Verbündete

Offen ist, ob Kubas verbliebene internationale Partner einspringen. Es bleibe abzuwarten, wie sehr sich andere Mächte aus dem Fenster lehnen würden, meint Hoffmann. «Die Frage ist, ob Russland, ob China tatsächlich für Kuba gross in die Bresche springen werden, wenn das einen Konflikt mit den USA bedeutet», sagt Hoffmann.

Für Reformen sieht der Kuba-Experte wenig Spielraum. Im Gegenteil: Ein steigender äusserer Druck dürfte die Regierung weiter verhärten. «Situationen äusserer Bedrohung führen zu einem noch grösseren Zwang, die Reihen geschlossen zu halten – das wird auch in Kuba im Moment der Fall sein. Die Möglichkeiten für Reformkräfte, sich zu artikulieren, sind sicher geringer geworden.»

Ob der US‑Plan, Kuba vom Öl abzuschneiden, das Regime tatsächlich stürzen kann, ist ungewiss. Klar ist jedoch: Der Niedergang Venezuelas hat das Potenzial, auch das kubanische Regime in eine seiner schwersten Bewährungsproben zu stürzen.

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Rendez-vous, 5.1.2026, 12:30 Uhr ; 

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