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«Politik und Wissenschaft sind zwei unterschiedliche Systeme»
Aus Echo der Zeit vom 03.11.2019.
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Wissenschaft und Politik «Als Wissenschaftler mache ich keine Politik – als Bürger schon»

Die Klima-Protest-Bewegung «Extinction Rebellion» [Rebellion gegen das Aussterben] macht mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. Nun erhält sie Unterstützung von 200 Wissenschaftlern aus der Romandie mit einem offenen Brief – unter ihnen auch der Chemie-Nobelpreisträger Jacques Dubochet.

Ist es die Rolle der Wissenschaft, sich politisch zu engagieren? Der Klimaforscher Hans von Storch hält trotz einem vom Menschen verursachten Klimawandel nichts von alarmistischen Positionen.

Hans von Storch

Hans von Storch

Professor Universität Hamburg

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Der deutsche Mathematiker, Klimaforscher und Meteorologe ist Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg. Bis 2015 leitete er das Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht.

SRF News: Hätten Sie den offenen Brief auch unterschrieben?

Hans von Storch: Nein, ich hätte ihn bestimmt nicht unterschrieben. Wir müssen die unterschiedlichen Funktionen von Wissenschaft und Politik beachten: Wissenschaft soll Erklärungen für komplexe Vorgänge erarbeiten und Politik soll in einem demokratischen Prozess Interessenkonflikte ausgleichen. Wissenschaftler sollen sich gerne am Entscheidungsprozess beteiligen, aber nicht als irgendeine Autorität des Besserwissens.

Wieso soll sich ein Wissenschaftler nicht politisch aktiv betätigen oder einen offenen Brief unterschreiben?

Man sollte das nicht als Wissenschaftler tun, sondern mit seinem Namen. Wenn man nun aber der Meinung ist, dass die Zeit so drängt, dass wir eine Experten-Regierung brauchen und die Demokratie abschaffen sollen, dann könnte man vielleicht so argumentieren. Aber ich sehe die Demokratie als höheren Wert an. Das bedeutet praktisch, dass es Leute gibt, die besser Bescheid wissen, während die anderen gefälligst die Klappe halten sollen.

Als Wissenschaftler bin ich ein thematisch eingeschränkter Mensch – was man früher Fachidiot genannt hat.

Auch Politik geht aus Eigeninteressen oft selektiv an wissenschaftliche Erkenntnisse heran. Muss man als Wissenschaftler dann trotzdem den Mund halten?

Als Wissenschaftler sollte man schon sagen, was man weiss und was es bedeutet. Aber daraus folgt nicht eine eindeutige Entscheidung, was richtig und falsch ist, sondern wir können sagen: Wenn du Politiker dies tust, dann musst du damit rechnen, dass jenes eintritt. Ich soll schon meine Meinung sagen, aber ich bin ein thematisch eingeschränkter Mensch, was man früher Fachidiot genannt hat.

Beim Klima gibt es auch Politiker, die den Einfluss des Menschen verneinen. Müssten in diesem Fall nicht die Wissenschaftler etwas mehr Druck ausüben?

Das kann man in jedem Fall, denn hier geht es ja nicht um eine politische Folgerung, sondern es geht nur darum, festzustellen, dass sich das Klima so ändert, dass wir keine anderen Erklärungen haben als die Treibhausgase. Aber daraus folgt nicht eine bestimmte Politik.

Als Wissenschaftler nehme ich nicht am politischen Willensbildungsprozess teil – als Bürger tue es durchaus.

Was unternehmen Sie, damit Forschungserkenntnisse in die Politik einfliessen?

Ich benehme mich wie ein normaler Wissenschaftler und publiziere. Wenn ich gefragt werde, dann gebe ich Antworten und stelle den Kontext her – aber ich stelle keine Forderungen. Die Entscheidung wie man damit umgeht, ist dem politischen System überlassen, das nach demokratischen Prinzipien zu folgen hat. Als Wissenschaftler nehme ich nicht am politischen Willensbildungsprozess teil – als Bürger tue es durchaus.

Nimmt denn die Öffentlichkeit wissenschaftliche Erkenntnisse gut auf und akzeptiert sie, damit auch etwas geschieht?

Ich glaube schon. Es ist aber eine andere Geschichte, dass solche Erkenntnisse dann teilweise von NGOs zugespitzt werden. So kommt der Eindruck auf, dass alles Üble auf der Welt wegen des Klimawandels stattfindet. Viele versuchen ihre Spezialinteressen als Teil des Klimaproblems darzustellen. Das sollten wir natürlich unterlassen.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber  (Nivi)
    Sogar der sogenannte Weltklimarat IPCC gibt zu, dass Klimavorhersagen nicht möglich sind. Nach einem Buch über wissenschaftliche Irrtümer, stellt man ernüchtert fest, dass uns die Wissenschaft regelmässig aufs Eis geschickt hat.
    Da wurde DTT als Lösung gepriesen, aber auch Heroin, oder Röntgengeräte in Schuhgeschäften, aber auch Atomenergie und Pestizide sind wissenschaftliche Errungenschaften.
    Karl Popper sagt vereinfacht: Wissenschaft gilt nur solange bis das Gegenteil bewiesen ist.
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Als Wissenschaftler mache ich keine Politik—als Bürger schon. Ein Widerspruch. Wenn ein
    Wissenschaftler Politik macht, dann setzt er auch seine Erkenntnisse dafür ein.
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    1. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      Und wieder stimmt Ihre Rechnung nicht. Wir Schweizer machen durch Importe rund 2/3 unserer Emissionen im Ausland. Der pro Kopfverbrauch wird am Konsum berechnet. Indien ist beim pro Kopfausstoss auf Platz 104. Nigeria auf Platz 130. Die Schweiz aber auf Platz 59! Dazu möchte ich Sie daran erinnern wer die Goldgräber in den EL sind die ohne Rücksicht auf die Umwelt ihre Ressourcen abbauen und Produkte produzieren. Richtig diese Produkte landen in unseren Regalen nicht in de EL Ländern.
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    2. Antwort von Shane O'Neill  (Diddleydoo)
      Das ist gar kein Widerspruch.

      Es ist gleichzusetzen wie ein Verbot von private Uniformbilder der Polizei. Man darf als Polizist weiter Privatfotos machen, einfach nicht öffentlich im Offiziellen Uniform.

      Als Wissenschaftler gilt: Ich darf weitet meine Politische Meinung äussern, einfach nicht öffentlich als Wissenschaftler. Gut so
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    3. Antwort von H Menzi  (hmenzi)
      Richtig Frau Estermann, aber in der Schweiz wäre ohne Migration die Bevölkerungzahl sogar gesunken und in Nigeria und Indien ist sie explodiert! Auch für diese Länder gilt: Je schneller sie das Bevölkerungswachstum in den Griff kriegen, umso besser geht es ihnen. Auch wenn dann der Ressourcenverbrauch pro Kopf steigt, bleibt das Produkt konstant oder reduziert sich sogar. Zudem sinkt die Notwendigkeit, einen Teil der Bevölkerung zu "exportieren" was den Aus- und Zuwanderungsländern zugute kommt.
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    4. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Ich darf meine politische Meinung äussern nur nicht öffentlich. Ja wo denn dann, zu Hause hinter dem Ofen ? Wenn ich als Wissenschaftler polit.
      Meinung vertrete die mein Gebiet betrifft, werde ich mich immer auf meine
      Ergebnisse der Arbeit festlegen. Man darf Wissenschaftler und Bürger nicht trennen.das ist gut so.
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  • Kommentar von Köbi Leu  (Köbi Löwe)
    Einfache Erklärung zum von uns Menschen gemachten Klimawandel. Der Mensch lebte (vegetierte) bis vor 200 Jahren im Einklang mit der Natur. Seit 200 Jahren verbrennt er nun Carbonprodukte. Schaut's mal www.flightradar.live und schaut’s dann www.schiffsradar.live. Und dazu sind ständig 1-2 Mia. MFZ gleichzeitig unterwegs. Das Übermass an CO2 vermag die dezimierte Natur nicht mehr abzubauen (Fotosynthese).
    Und so steigt das Spurengas CO2 stetig an.
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    1. Antwort von H Menzi  (hmenzi)
      Völlig richtig, werter Herr Leu. Aber bitte vergleichen Sie mal für diese Zeitspanne die Graphik der Bevölkerungsentwicklung mit derjenigen der Temperaturentwicklung. Erstere zeigt extrem steil nach oben während letztere weitgehend flach blieb, zeitweise sogar nach unten zeigte und dann wieder mehr oder weniger stark anstieg. Dies zeigt ganz klar, weshalb die Natur Probleme mit uns Menschen hat. Nicht der techn. und medizin. Fortschritt ist das Hauptproblem, sondern die Bevölkerungsexplosion!
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    2. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      H Menzi Der Bevölkerungswachstum war eine Folge der industriellen Revolution. Somit bleibt der Konsum die Ursache. Wenn wir alle leben würden wie vor der indistriellen Revolution könnte der Planet noch viele Menschen ertragen. Aber einige Industrieländer leben halt deutlich über ihrem CO2 Budget während ein grosser Teil der Welt noch nichtmal etwas zum Klimawandel beiträgt. Es ist also nicht die Zahl der Bevölkerung, sondern deren Konsumwahn für den Klimawandel verantwortluch.
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    3. Antwort von H Menzi  (hmenzi)
      Ja, Frau Estermann, in einem gewissen Sinne geben ich Ihnen recht. Der Ressourcenverbrauch ist das Produkt von Anzahl Menschen x durchschnittlicher Verbrauch pro Kopf und man kann also an beiden Faktoren schrauben. Für mich ist es aber besser, wenn wir weniger Menschen wären und diese komfortabel leben können statt umgekehrt, d.h. immer mehr Menschen, von denen sich der grösste Teil immer weiter einschränken soll. Klar, die Wirtschaft verfolgt das Ziel, möglichst viele Konsumenten zu schaffen!
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    4. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      Ihre Rechnung ist so nicht richtig da wie gesagt die Verteilung sehr unregelmässig ist. Und anderen die kaum was zum Klimawandel beitragen die Fortpflanzung und damit oft auch deren Altersversorgung zu verbieten um selbst konfortabel leben zu dürfen ist doch sehr vermessen. Neoimperialismus lässt grüssen. Im übrigen hätten wir bereits die technoschen Möglichkeiten klimaneutral znd Umweltschonend zu leben. Nur hat die Wirtschaft kein Interesse daran. 71% der Emissionen machen 100 Konzerne.
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    5. Antwort von H Menzi  (hmenzi)
      Und noch etwas Frau Estermann: Es sind nicht nur die Industrienationen für den Anstieg des CO2 verantwortlich, mal abgesehen von der Frage, ob das CO2 das Hauptübel ist. Viele Entwicklungsländer "leisten" dafür einen viel grösseren Beitrag. Denn auch bei der CO2-Produktion eines Landes gilt: Anzahl Menschen x CO2 / Kopf. So gesehen hat vermutlich die Schweiz ihre Hausaufgaben besser gemacht als Länder wie Indien oder Nigeria, vor allem dann, wenn man die +/- der Migrationssaldi mitberücksichtigt
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    6. Antwort von H Menzi  (hmenzi)
      Äxgüsi, Frau Estermann, aber die Ansicht, dass viele Kinder die Altersvorsorge sichern, ist längstens überholt. Das Gegenteil ist der Fall: Je weniger Kinder pro Frau (nicht Null) es in einer Gesellschaft gibt, umso besser geht es einem Land. Die grösste Umverteilung in einer Gesellschaft ist diejenige von der arbeitenden Bevölkerung auf die U20er oder heute besser sogar die U25er. Wenn da etwas weniger (privat und staatlich) umverteilt werden muss, bleibt mehr für die Altersvorsorge.
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    7. Antwort von Adrian Weber  (Pöbel)
      @Menzi: Sie vergessen, dass die u25-Menschen die steigenden AHV-Beiträge solidarisch hinnehmen, obwohl sie selber später mit AHV-Kürzungen rechnen müssen! Und was nützt ihnen all das Geld in der Altersvorsorge, wenn es keinen Nachwuchs gibt, der sich um die Alten kümmert? Bis 2030 fehlen der Schweiz 65'000 Pflegepersonen (pflegeinitiative.ch). Umverteilung bedeutet Solidarität und nützt indirekt allen.
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    8. Antwort von Sonja Estermann  (Saphira13)
      @Menzi Ich sprach auch nicht von der europäischen Altersvorsorge, da Sie ja auch nicht nicht von einem Europäischen Bevölkerungswachstumsstopp reden. Dazu möcjte ich noch darauf hinweisen, dass die Schweiz einen deutlich höheren CO2-Verbrauch hat als die beiden von Ihnen aufgeführten Länder.
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    9. Antwort von H Menzi  (hmenzi)
      @A.Weber: Die Mär mit der AHV-Kürzung hört man seit es die AHV gibt, aber es trifft immer das Gegenteil ein und so wird es auch in Zukunft sein. Übrigens, Menschen unter 25 zahlen meistens noch sehr wenig bis gar keine AHV. Ein wenig Solidarität gibt es zwischen 25 – 65 Jährigen zu den Ü65ern, aber die Jahrzehnte davor war es massivste umgekehrte Solidarität, selbst ohne die Erbschaften mitzuzählen. Und dank weiter steigender Produktivität wird es eher zu viel als zu wenig Arbeitskräfte geben.
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