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Legende: Video «Jeder von uns kann stolz sein» abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.07.2019.
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Zum Rücktritt von Theresa May Die Dienerin des britischen Gemeinwohls ist gescheitert

Höflicher Applaus, Seitenhiebe, Heuchelei. Der letzte Auftritt der Premierministerin bot bestes britisches Polittheater.

Manche Dinge ändern sich nie. An historischen Tagen werden sie bloss theatralischer:

Obwohl Theresa May ihr Amt vorzeitig und unfreiwillig verlässt – sie wurde von ihrer eigenen Partei dazu gezwungen – schallte ihr Jubel entgegen, als sie sich heute im Unterhaus erhob. In die Anerkennung mischte sich nicht selten Heuchelei.

Sie war bereit auch Leute, die ihr gewiss gelegentlich auf die Nerven gegangen sind, mit ausgesuchter Höflichkeit zu behandeln.
Autor: Jacob Rees-MoggSprecher der konservativen Brexiteers

Ihr Parteikollege Charles Walker, der loyal geblieben war, gehörte wohl nicht in diese Kategorie: Er sei der Meinung, die Premierministerin sei eine durch und durch famose Person. «Ein gutes Ei», wie die Redensart es will.

May
Legende: May verlässt die Downing Street 10. Sie hatte eine einzige Aufgabe, den Brexit. Und ist daran gescheitert. Ihr Nachfolger Boris Johnson will es besser machen – mit ungleich forscherem Auftritt. Reuters

Einer der Abgeordneten, die direkt für ihren Sturz verantwortlich waren, blieb ebenfalls bei der Wahrheit. Jacob Rees-Mogg, Sprecher der konservativen Brexiteers: «Sie war bereit auch Leute, die ihr gewiss gelegentlich auf die Nerven gegangen sind, mit ausgesuchter Höflichkeit zu behandeln.»

Höflichkeit, Pflichtgefühl und Ausdauer. Das wurde immer wieder genannt. Selbst von gegenüber. Von der dienstältesten Labourabgerodneten, Harriet Harman. Selbst ihre ärgsten Kritiker lobten ihre Integrität, ihr Bekenntnis zum Dienst an der Öffentlichkeit, ihre Hingabe an das Land.

Vergeben Sie Ihrem Nachfolger Boris Johnson, dass er Ihre Amtszeit um seines eigenen Ehrgeizes willen sabotiert hat?
Autor: Kevin BrennanLabour-Abgeordneter

Doch es war nicht alles Minne. Der Labourabgeordnete Kevin Brennan erinnerte an das Recht scheidender amerikanischer Präsidenten zur Begnadigung von Missetätern: «Vergeben Sie Ihrem Nachfolger Boris Johnson, dass er Ihre Amtszeit um seines eigenen Ehrgeizes willen sabotiert hat?»

Nun war es an Frau May zu heucheln: «Ich übergebe gerne an den neuen Chef der Konservativen und Premierminister, mit dem ich im Kabinett zusammengearbeitet habe.»

Langes und herzhaftes Gelächter folgten auf diese Schönfärberei. Hier lobte ein weiblicher Cäsar ihren Brutus. Bei allen unbestrittenen Tugenden von Theresa May: sie ist gescheitert. Sie hatte bloss eine einzige Aufgabe. Brexit. Es blieb kein Raum für anderes.

Und in dieser Frage sah sie sich als ursprüngliche Gegnerin von Brexit veranlasst, einen radikaleren und umfassenderen Bruch mit der EU zu verfolgen als das Unterhaus zu akzeptieren bereit war.

Ich hoffe, dass jedes Mädchen, das eine Premierministerin erlebt hat, nun weiss, dass es keine Grenzen des Erreichbaren gibt.
Autor: Theresa MayScheidende britische Premierministerin

Ihre Minimalkonditionen und ihre nordirischen Bettgefährten erzwangen die juristische Akrobatik zur irischen Grenze, die schliesslich zu ihrem Sturz führte. Sie war wohl zu scheu, zu hölzern, zu phantasielos, um diese Herkulesaufgabe zu bewältigen.

Auf den Stufen von Downing Street endete sie ihre Amtszeit heute mit einem erbaulichen Gedanken: «Ich hoffe, dass jedes Mädchen, das eine Premierministerin erlebt hat, nun weiss, dass es keine Grenzen des Erreichbaren gibt.»

Legende: Video Aus dem Archiv: Mays tränenreicher Rücktritt abspielen. Laufzeit 00:46 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.05.2019.
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10 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Frau May hat ihre Rolle gut gespielt, sogar sehr gut. Aber sie war eben ein "Kuckucks-Ei", von den Linken gelegt in das rechte Nest. Ich habe dies bis am Ende nicht geglaubt, obwohl man ja wusste, dass sie früher eine starke Anti-Brexiterin war. Mit Jeremy Hunt wäre das gleiche Spiel weiter geführt worden, denn auch er war ein Anti-Brexiter bis kurz vor den Wahlen der Teilnehmer für die Premierminister-Wahlen.
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    1. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Was sollen diese Lügen über die bösen Linken? Es waren die Tories die May zur Vorsitzenden und so zur Premierministerin machten!
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    2. Antwort von M. Roe  (M. Roe)
      Fretz: Ein Kuckuck sagt den Ersatzeltern nicht, dass es sich um einen Kuckuck handelt!
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    3. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Hier geht es aber nicht um unsere gefiederten Freunde sondern um Interessenspolitik. May hat immer die Interessen der Elite bevorzugt vertreten.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Ich bewundere den Durchhaltewillen von Th. May. Klar, sie regierte nicht fehlerlos. Aber wer tut das schon? Vielmehr war es der zersetzende Machtkampf innerhalb des Parlamentes, der hauptverantwortlich war für das Scheitern der Mission Th. May bzw. des Brexit. Der Hauptverantwortliche hatte sich der Verantwortung schmählich entzogen und sitzt nun - leider Gottes!! - fest im Sattel. Für mich unverständlich. Es hätte ein Person gebraucht, die gute Vermittlerqualitäten hätte. B.J. hat dies kaum.
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  • Kommentar von Thomas Maurer  (TM)
    Ich glaube, dass Theresa May nicht gescheitert ist, sondern die richtige Person war und den Mut hatte, ein heikles Amt zu übernehmen, Premier-Ministernin zu werden, nachdem das Volk abgestimmt hatte, aus der EU auszutreten. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und wir wissen nicht, wie es herausgekommen wäre, wenn jemand anders Premierminister(in) geworden wäre, aber ich bin der Meinung, dass sie dies in einem heiklem Umfeld mit vielen Meinungen und Gegnern(innen) gut gemeistert hat.
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