Zum Inhalt springen

Header

Video
Sonia Seneviratne zu den aktuellen Wetterextremen
Aus 10 vor 10 vom 13.07.2021.
abspielen
Inhalt

Extremwetter und Klimawandel «Solche Ereignisse werden häufiger und extremer»

Das Unwetter, das in der Nacht von Montag auf Dienstag über Zürich zog, brachte Regen wie noch nie – so hatte man den Eindruck. Die ETH-Klimaforscherin Sonia Seneviratne ordnet das Wetterereignis in den Reigen der immer häufiger auftretenden Wetterextreme wie Dürren, Hitzewellen oder Stürme ein.

Sonia Seneviratne

Sonia Seneviratne

Umweltwissenschaftlerin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Seneviratne ist seit 2016 Ordentliche Professorin für Land-​Klima Dynamik an der ETH Zürich. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Untersuchung von Extremereignissen, Land-​Klima Prozessen und Klimaänderungen.

SRF News: Wie aussergewöhnlich war der Gewittersturm, der Zürich getroffen hat, wirklich?

Sonia Seneviratne: Es war schon sehr aussergewöhnlich. Es wurden mancherorts mehr als 30 Millimeter Regen innert 10 Minuten gemessen. Das sind 30 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Video
Heftiger Gewittersturm trifft die Stadt Zürich
Aus Tagesschau vom 13.07.2021.
abspielen

Müssen wir mit solchen Ereignissen in Zukunft vermehrt rechnen?

Definitiv. Solche Ereignisse werden mit dem Klimawandel häufiger und extremer. Das geht Hand in Hand mit der Erwärmung der Atmosphäre. Und wir wissen, dass die Erwärmung weiter zunehmen wird.

Wird es mit der Klimaerwärmung denn nicht eher trockener?

Je höher die Temperatur in der Atmosphäre ist, desto höher ist auch der Sättigungspunkt für die Feuchtigkeit. Die wärmere Luft kann also mehr Wasser aufnehmen. Zugleich dauert es länger, bis es regnet. Aber wenn es dann regnet, dann regnet es um so stärker und extremer.

Hitzewellen sind häufiger auf als früher, ebenso Starkniederschläge.
Autor:

Es heisst ja oft, man könne Einzelereignisse nicht direkt dem Klimawandel zuordnen. Doch jetzt scheinen sich die Extreme zu häufen: Hitzerekorde in Nordamerika und an den Polen, Rekordregen bei uns. Kann man die Häufung von Extremereignissen mit dem Klimawandel in Verbindung bringen?

Ganz klar. Das sieht man aus den Wetterbeobachtungsdaten – weltweit und in der Schweiz. So treten Hitzewellen häufiger auf als früher, ebenso Starkniederschläge.

Legende: Am Käferberg in Zürich fällte der Gewittersturm in der Nacht auf Dienstag zahreiche Bäume, an vielen Autos entstanden schwere Schäden. Keystone

Das unterstreicht auch die Rekordhitze in Nordamerika?

Ja. Meine Forschungsgruppe war an einer internationalen Studie beteiligt, welche das Hitze-Ereignis von Südwestkanada untersucht hat. Wir haben erforscht, wie gross der Beitrag des vom Menschen verursachten Klimawandels daran war. Wir kamen zum Schluss, dass das Ereignis 150 Mal wahrscheinlicher geworden ist wegen des Einflusses des Menschen auf das Klima.

Video
Hitzewelle in Kanada
Aus News-Clip vom 01.07.2021.
abspielen

Überschwemmungen, starke Stürme, extreme Temperaturen und Waldbrände haben in den letzten 20 Jahren gegenüber den 20 Jahren davor nachweislich stark zugenommen. Werden wir fortan also mit den Extremereignissen leben müssen?

Ja – und es wird noch schlimmer werden. Wir stossen immer noch fossiles CO2 in die Atmosphäre aus, und so lange das so ist, wird die Temperatur weiter zunehmen. Extreme Wetterereignisse werden also häufiger.

Das CO2 bleibt Tausende von Jahren in der Atmosphäre erhalten.
Autor:

Diese Entwicklung wird sich erst ändern, wenn wir beim CO2-Ausstoss auf netto-Null kommen, die Gesamtmenge des in der Atmosphäre und in den Weltmeeren vorhandenen Kohlendioxids also nicht mehr steigt. Doch auch bei netto-Null wird die Temperatur höher bleiben, als sie früher war. Rückgängig machen lässt sich das kaum, denn das CO2 bleibt natürlicherweise während Tausenden von Jahren in der Atmosphäre erhalten.

Kann mit den angestossenen Massnahmen zur weltweiten Verminderung des Klimagas-Ausstosses – wie der Umsetzung des Klimaabkommens von Paris – wenigstens das Schlimmste verhindert werden?

Das ist so. Doch die bereits erfolgte Erwärmung bleibt erhalten – und solange wir weitere Klimagase ausstossen, nimmt die Erwärmung weiter zu.

Das Gespräch führte Arthur Honegger.

10vor10, 13.7.2021, 21:50 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

125 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Brenner  (Brenner)
    Leider finde ich keine auf die Schweiz bezogene Statistik -auch im Artikel wird keine genannt -über Starkregen und Überschwemmungsereignisse. Wohl aber für Deutschland auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes DWD. Dort heisst es dazu: "Anzahl der Tage pro Jahr mit Starkniederschlag von mehr als 30 mm - Seit 1951 ist die Anzahl der Tage pro Jahr mit Starkniederschlag von mehr als 30 mm geringfügig und nicht signifikant erhöht."
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Corona-Pandemie und weiter mutierende Viren...., intensive klimatische Auswirkungen.... weltweit = Tatsachen!
    Was jeder Mensch für sich daraus und für sein "Konsumverhalten" betreffend, aktiv, verantwortungsbewusst und einsichtigerweise ändern, ändern wird .....wird sich zukünftig zeigen...
  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Eine „Expertin“ und „Wissenschaftlerin“, die verkündet, dass CO2 „natürlicherweise Tausende von Jahren in der Atmosphäre erhalten bleibt“, kann ich nicht ernst nehmen. CO2 wird natürlicherweise von Pflanzen zum Wachstum gebraucht und wird in riesigen Mengen in den Ozeanen absorbiert.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Markus Baumann: Der Mensch hat aber durch seine Verbrennungen, Abholzungen und Verdreckung der Weltmeere das Gleichgewicht zwischen Emissionen und Absorption gestört. Deshalb nimmt die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre zu.
    2. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Leu Haben Sie meinen Text verstanden? Ich schrieb über eine falsche Behauptung einer „Expertin“, die verrät, dass ihr offensichtlich als Wissenschaftlerin Grundlagenkenntnisse fehlen: CO2 verweilt nicht „Tausende von Jahren“ in der Atmosphäre“, wie die Dame behauptet. Das ist der Punkt. Von Zunahme war nicht die Rede. Den bestreite ich nicht. Es ist allerdings entscheidend, ob CO2 „Tausende von Jahren“ in der Atmosphäre verbleibt oder nicht.
    3. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Markus Baumann: Wunschdenken und Schönrede-Versuch von effektiven, erschreckenden Tatsachen. Der Mensch zerstört bewusst seit vielen Jahren aus egoistischen Gründen die eigene Lebensgrundlage mit seinem vielfältigem Fehlverhalten der Natur gegenüber. Das betrifft auch jeden Menschen als "Konsument/Konsumentin".
    4. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      @Baumann
      Es gibt einen natürlichen CO2 Zyklus, der früher bei ~280ppm eingependelt war, jedoch hat der Mensch diese Konzentration auf 419ppm (Mai 2021) angehoben. Der Zyklus läuft jetzt auf diesem Niveau weiter und wird sich nur ganz langsam absenken (bei Netto Null), das ist unumstritten. Er wird also nicht plötzlich wieder auf das vorherige Niveau zurückfallen. Was also jetzt versäumt wird macht dem Planeten für die nächsten 1000 Jahre Probleme…
    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @Markus Baumann: Ich habe schon verstanden. Beim deutschen Bundesamt für Umwelt können Sie es schwarz auf weiss nachlesen. Ich zitiere: "Nach 1000 Jahren sind davon (gemeint ist Kohlendioxid) noch etwa 15 bis 40 Prozent in der ⁠Atmosphäre⁠ übrig. Der gesamte Abbau dauert jedoch mehrere hunderttausend Jahre." Die Forscherin hat Recht. Quelle (keine Fake News): https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase
    6. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Casagrande Ihrer Ansicht nach ist es also unerheblich, wenn eine „Wissenschaftlerin“ behauptet, CO2 bleibe „Tausende von Jahren“ in der Atmosphäre? Haben Sie sich mal überlegt, was das bedeuten würde, wäre es wahr? @Bachmann Niemand redet von plötzlichem Absacken. Überlegen Sie einfach, was die Aussage der „Wissenschaftlerin“ bedeutet. Würde das CO2 Tausende von Jahren verweilen, nähme es bei Netto-Null Tausende von Jahren nie ab. Das ist Unsinn.
    7. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      @Markus Baumann
      Nein, das ist kein Unsinn. Ich habe übrigens auch nicht geschrieben, dass es nicht abnimmt, sondern dass es nur sehr langsam abnimmt, dies hat auch Prof. Seneviratne so gesagt. Da ist keine Fantasie sondern wissenschaftlicher Konsens!

      PS: Wenn Sie denken mehr zu wissen als Prof. Seneviratne und deren Kollegen, dann melden Sie sich doch mal bei der ETH, vielleicht bekommen Sie ja dann diese Professur…
    8. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Markus Baumann: So ist es auch. Da wir zu lange nichts getan haben, bringen wir auch bei netto Null die Temperaturen nicht mehr auf das vorindustrielle Niveau zurück. Es geht nur noch darum, ob wir unter 2°C oder über 4°C durchschnittliche Erderwärmung erreichen. Über 4°C wird es echt ungemütlich, da Teile der Erde kaum noch bewohnbar sein werden und die am meisten Betroffenen fangen im grossem Stil an zu wandern. Diese Menschen haben nichts mehr zu verlieren.
    9. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Bachmann Nochmal: Angenommen, wir schaffen die Netto-Null, wir verbleiben also auf ca. 420ppm. Laut Aussage der „Wissenschaftlerin“ bleiben diese 420ppm Tausende von Jahren in der Atmosphäre. Verbrauchen die Pflanzen dann ab sofort kein CO2 mehr? Die Ozeane nehmen auch kein CO2 mehr auf? Sicher nicht. Es gibt einen Verbrauch von CO2 und er geht auch bei Netto-Null weiter. Wenn weniger CO2 nachkommt, aber Pflanzen/Ozeane gleich viel „abbauen“, müsste ppm sinken. Nix mit Tausenden von Jahren.
    10. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      @Baumann
      1. Dass das CO2 „in der Atmosphäre erhalten“ bleibt heisst nicht, dass die Konzentration genau gleich bleibt!
      2. Es gibt auch natürlich Emissionen. Würde Ihre Logik aufgehen, hätte es vor den anthropogenen Emissionen gar kein CO2 in der Atmosphäre gegeben, da ja „Pflanzen CO2 abbauen“.
      3. Ist dies keine These von Prof. Seneviratne, sondern ein unumstrittener Fakt! Dass Sie diesen mit Ihrem Halbwissen als „Unsinn“ bezeichnen, ist nicht nur ignorant, sondern auch ziemlich lächerlich…
    11. Antwort von Patrick Meier  (Pat69)
      @Markus Baumann: Ja, das stimmt schon, dass Pflanzen weiterhin CO2 umwandeln, aber Menschen und Tiere werden auch weiterhin CO2 emittieren. Man bedenke, dass der CO2-Gehalt der Luft ja vor der Industrialisierung einigermassen konstant war, also ein Gleichgewicht herrschte. So geht es sehr lang, bis das zusätzliche, anthropogene CO2 aus der Amtosphäre raus ist. CO2 ist halt eine extrem stabile Verbindung.
    12. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Markus Baumann: Ich habe Ihnen den Link dazu angegeben. Das ist alles eingerechnet. Die Forscher sind ja nicht naiv.
    13. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Bachmann Zum Schluss: Sachliche Diskussionen mag ich. Ihre versteckt aggressiven Unterstellungen und Abwertungen mir gegenüber finde ich jedoch unangebracht.
    14. Antwort von Albert Bachmann  (AFB)
      @Baumann
      Und die aggressiven Unterstellungen und Abwertungen ihrerseits gegenüber Prof. Seneviratne finden Sie akzeptabel? „Expertin“, „Wissenschaftlerin“ haben Sie sie hämisch genannt und gesagt ihr „fehlen die Grundlagenkenntnisse“. Ich mag sachliche Diskussionen ebenso, aber wenn man Stuss erzählt, und das haben Sie, und dabei noch dazu eine Expertin in den Dreck ziehen möchte, hört der Spass dann auch irgendwann wieder auf!
      Wie man in den Wald hinein schreit, so schreit es zurück…
    15. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Bachmann Gut. Ihr Punkt. Zum Inhalt: Wie verstehen Sie denn die Aussage von P., dass CO2 tausende von Jahren in der Atmosphäre verbleibe? Auch wenn wir auf Netto-Null wären? Dann müsste es doch sukzessive abgebaut werden und verweilt nicht tausende von Jahren in der Atmosphäre - auch wenn wir weiter atmen und es natürliche Quellen von CO2 gibt. Wie verstehen Sie denn das? Rein sachlich?