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Proteste gegen Polanski in Paris (unkomm.)
Aus News-Clip vom 29.02.2020.
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Filmpreis-Verleihung in Paris César-Eklat um Roman Polanski

  • Proteste und MeToo-Kundgebungen begleiteten die Vergabe der französischen Filmpreise am Freitagabend in Paris.
  • Kritik entzündete sich vor allem am Preisträger für die beste Regie, Roman Polanski. Er sieht sich seit Jahren Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung ausgesetzt.
  • Als bester Film wird das Sozialdrama «Die Wütenden» ausgezeichnet, dass sich mit Spannungen in Pariser Vororten auseinandersetzt.

Die diesjährige César-Vergabe in Paris wird als Krisen-Event in die Annalen eingehen.

Für Diskussionsstoff sorgte am Freitagabend insbesondere der polnische Regisseur Roman Polanski, der einen der begehrten französischen Filmpreise zugesprochen bekam.

Zuschauer verlassen den Saal

Polanski erhielt den Preis für die beste Regie für seinen Streifen «Intrige». Bei der Verleihung selber war der französisch-polnische Künstler nicht dabei. Wegen anhaltender Kritik rund um die César-Nominierungen – das Polanski-Historiendrama war in zwölf Kategorien im Rennen – hatte der 86-Jährige, dem seit Jahrzehnten sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen vorgeworfen werden, seine Teilnahme an der Zeremonie abgesagt.

Es kam zum Eklat. Aus Protest gegen den Regiepreis verliessen einige Zuschauer den Saal, darunter die Schauspielerin Adèle Haenel. Eine Auszeichnung an Polanski wäre so, als würde man allen Missbrauchsopfern ins Gesicht spucken, hatte Haenel der «New York Times» bereits vor wenigen Tagen gesagt.

Haenels Kritik an Polanski

«MeToo-Debatte» verschlafen

Vor dem Erscheinen des Films hatte die Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier Polanski in einem Medienbericht beschuldigt, sie 1975 vergewaltigt zu haben.

Die 31-jährige Haenel wirft Frankreich zudem vor, die «MeToo-Debatte» verschlafen zu haben. Sie selbst hatte Anklage gegen den Regisseur Christophe Ruggia erhoben. Sie beschuldigt ihn, sie als Minderjährige beim Dreh zu ihrem ersten Film «Les Diables» (Kleine Teufel) wiederholt sexuell belästigt zu haben.

Der Streit um Polanski hatte die Akademie für den Filmpreis in eine Krise gestürzt – ihre Direktion trat vor rund zwei Wochen kollektiv zurück.

Hunderte gegen Polanskis Nominierung

Vor Beginn der Zeremonie am Freitagabend demonstrierten mehrere Hundert Menschen, vor allem Frauen, gegen die Nominierung des Polanski-Films (im Original «J’accuse») über den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt worden war.

Schon im November war es bei einer Premiere in Paris zu Protesten gekommen. Mehrere Frauen blockierten den Zugang zu einem Kino.

«Parasite» schreibt weiteres Erfolgskapitel

Die oscarprämierte Gesellschaftssatire «Parasite» des südkoranischen Regisseurs Bong Joon Ho gewann den César als bester Auslandsfilm. Bei der Verleihung war der Regisseur nicht anwesend.

Der Film erzählt die Geschichte einer Familie aus der koreanischen Unterschicht, die sich als Hausangestellte in einer reicheren Familie einschleicht. Der Film wurde bereits Anfang Februar mit vier Oscars ausgezeichnet, darunter den für den besten Film, den besten ausländischen Film und die beste Regie. In Cannes gewann die Satire 2019 die Goldene Palme.

Der César ist Frankreichs nationaler Filmpreis, benannt nach dem Bildhauer César Baldaccini. Der «französische Oscar» wird seit 1976 verliehen.

SRF 4 News, 02:00 Uhr; srf/agenturen/halp

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Asher Meng  (Ashi)
    Polanski ist eine tragische Figur. Er hat in Polen während des 2 Weltkrieges gelebt und in der Familie schreckliches erleben müssen. Dass er in den USA nach seinen Ersten Erfolgen in einer Villa in LA sich mit jungen Frauen vergnügte, wie so viele erfolgreiche Menschen, verurteile ich scharf. Warum hat er nicht zugegeben und steht er dazu was er getan hat. Warum glaubt man diesen Frauen die Ihn beschuldigen nicht? Es wäre Zeit ein Bekenntnis abzulegen um dann wenigstens ein wenig freier zu leb.
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  • Kommentar von Jonas Klein  (jonasklein)
    Ich denke, dass man diese zwei Themen nicht vermischen sollte. Das eine betrifft die künstlerische Leistung von Polanski, das andere betrifft rechtliche Anschuldigungen. Da es noch nicht zu einem rechtskräftigen Urteil gekommen ist, erachte ich es als schlimm, ihm aufgrund dieser Umstände allfällige Preise entziehen zu wollen. Pfui!
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  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    Begreife nicht, dass Herr Polanski ungeschoren davon kommt, ja noch gehätschelt wird.
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    1. Antwort von Lukas Imboden  (luk91)
      Dann verstehen sie anscheinend auch nicht das Prinzip eines Rechtstaates. Ich kann jeden Anzeigen und ihn beschuldigen etwas getan zu haben. Es ist dann an einem Gericht zu entscheiden ob die Vorwürfe stimmen. Bis zum Zeitpunkt einer rechtskräftigen Verurteilung muss für jeden die Unschultsvermutung gelten.
      Auch wenn dies einem manchmal nicht passt oder einem als falsch erscheint.
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    2. Antwort von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
      @luk91: nun sollte man diese Regel nicht so willkürlich anwenden, und solche, welche nicht "ins Klischée" passen, moralisch vorverurteilen.
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    3. Antwort von Andrea Müller  (Andrea Müller)
      @Imboden Prinzip des Rechtsstaates? Polanski hat sich der Justiz entzogen. Und Polen liefert ihn nicht aus.
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