Zum Inhalt springen

Header

Audio
Hoffnung für arme Länder: Impfstoff aus Hühnereiern
Aus Echo der Zeit vom 12.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:16 Minuten.
Inhalt

Globale Impfstoff-Verteilung Hoffnungsträger für arme Länder: Covid-Impfstoff aus dem Hühnerei

Ein neu entwickelter Impfstoff gegen Covid-19 könnte in bestehenden Grippeimpfstoff-Fabriken hergestellt werden.

Dass das Coronavirus an seiner Oberfläche Spikes hat und das Immunsystem eine passende Immunantwort darauf aufbaut, ist bekannt. Ein neuer Impfstoff arbeitet nun mit einer Art Turbo-Spikes. Forscher an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York haben ihn entwickelt.

Körper erkennt Coronaviren leichter

Diese Spikes im Impfstoff seien besser als die des Coronavirus-Wildtyps, sagt der Forscher Peter Palese, der das Vakzin mitentwickelt hat. Durch ein paar genetische Tricks seien die Spikes stabiler als das Original und provozierten deshalb eine stärkere Immunantwort.

Der Forscher hat das sogenannte «Newcastle Disease Virus», mit dem er und seine Kollegen schon länger arbeiten, so umgebaut, dass es die Turbo-Spikes an der Oberfläche trägt. Wenn man diese umgebauten Viren Menschen als Impfstoff spritzt, wirken sie für das Immunsystem wie superleicht erkennbare Coronaviren.

Die Infrastruktur ist schon da

Ausserdem, so Palese, könne der neue Impfstoff unkompliziert auch in Entwicklungs- und Schwellenländern produziert werden. Das Newcastle Disease Virus vermehrt sich sehr gut in befruchteten Hühnereiern – eine Gemeinsamkeit mit dem Grippevirus.

Die globale Grippeimpfstoffproduktion basiert auf Hühnereiern. Unzählige Fabriken auf der ganzen Welt produzieren Jahr für Jahr Milliarden von Grippe-Impfstoffdosen. Und das heisst: Die Infrastruktur, die es zur Produktion dieses neuen Corona-Impfstoffs braucht, ist da.

Die Produktion sei um ein Vielfaches billiger als die der sehr modernen, aber auch in der Herstellung anspruchsvollen mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna, so Palese. Er schätzt die Kosten auf zehn bis 15 US-Cents pro Dosis.

Produktionskosten und Produktionskapazitäten seien zurzeit ein Knackpunkt, sagt der Schweizer Immunologe Christian Münz von der Universität Zürich. Dass der von Peter Palese entwickelte Impfstoff in Grippeimpfstofffabriken produziert werden könne, bedeute einen grossen Vorteil. So könnten viel mehr Länder das Vakzin herstellen. «Das ermöglicht, diesen Engpass in Schwellen- und Entwicklungsländern zu überwinden.»

Keine Lizenzgebühren

Der Impfstoff muss allerdings erst noch einige Hürden nehmen. In Mäusen und Hamstern hat er schon seine Wirksamkeit gezeigt, doch die klinischen Studien in Menschen sind mit einigen hundert Probanden gerade erst angelaufen, sagt Peter Palese. Die Studien laufen bisher in Vietnam, Thailand, Brasilien und Mexiko.

Jedes dieser Länder produziert die für die Tests notwendigen Impfdosen schon jetzt selbst – und zwar, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Das soll nach dem Willen der beteiligten Forscher und Institutionen auch so bleiben. Innert Monaten hofft Palese auf klare Resultate, und dann auf eine dezentrale, weltweite Produktion.

Echo der Zeit, 12.4.2021, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von tom rosen  (tom rosen)
    Damit würde ich mich impfen lassen. Klassische Technologie, erprobte Herstellung, keine RNA-Manipulation.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Eine halbe Milliarde Eier für die Grippeimpfung. Noch aber sind Eier aus der Impfstoff-Produktion nicht wegzudenken. Im Jahr werden zwischen 450 und 500 Millionen Hühnereier dafür benötigt. Die Forscher bedienen sich dabei nicht der Eier, die zum Verzehr verkauft werden. Vielmehr sind dafür Exemplare nötig, die von Hühnern in speziellen Farmen unter kontrollierten Bedingungen gewonnen werden. Auch die Hühner sind nicht zum Verzehr geeignet. Die sind sie zu dürr. Arme, missbrauchte Hühner!
  • Kommentar von Andreas Morello  (Andreas Morello)
    Ich wünsche den involvierten Forschern und Fiemen gutes Gelingen, und den Probanden drücke ich die Daumen, dass es nicht zu schweren Nebenwirkungen kommt.

    Bestehende Anlagen für einen neuen Impfstoff nutzen zu können klingt sinnvoll, denn jede wirksame Impfdosis hilft.