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Bekämpfung des Coronavirus Corona-Impfstoffe im Vergleich: die Übersicht

Heute hat Swissmedic den Moderna-Impfstoff zugelassen. Wie er sich mit jenem von Pfizer/Biontech vergleicht – und welche anderen Impfstoffe noch entwickelt werden.

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Aus dem Archiv: Zweiter Impfstoff kurz vor Zulassung
Aus Tagesschau vom 10.01.2021.
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Etwa 230 Impfstoffe gegen Covid-19 sind weltweit in der Entwicklung, rund 60 werden bereits an Menschen getestet.

Zwei wichtige Fragen sind noch bei allen Impfstoffen ungeklärt:

  • Wie lange hält der Schutz an? Dies wird nun genau verfolgt.
  • Stoppen die Impfstoffe auch die Übertragung? Oder können Geimpfte eine symptomlose Infektion durchmachen und dabei das Virus weitergeben? Auch dies wird untersucht.

mRNA-Impfstoffe

Die beiden Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech, der in der Schweiz bereits am 19. Dezember zugelassen wurde, sind sich sehr ähnlich. Sie verwenden einen neuen Ansatz, die sogenannte mRNA-Technologie: Der Impfstoff enthält ein Stück mRNA, eine chemische Substanz, die Zellen als Vorlage für die Produktion von Eiweissen benutzen.

Beide Impfstoffe enthalten eine mRNA mit dem Bauplan für das sogenannte Spike-Protein. Es sitzt normalerweise auf der Oberfläche des Corona-Virus und ist wichtig, damit dieses in die menschlichen Zellen eindringen kann. Binden im Körper menschliche Antikörper an die Spike-Proteine an, kann das Virus nicht in die Zellen eindringen und es kann von Immunzellen zerstört werden.

Im Impfstoff ist die mRNA in mikroskopisch kleinen Fettkügelchen gebettet. Sie sorgen dafür, dass die mRNA in die Zellen der Geimpften gelangt. Diese Zellen produzieren darauf das Spike-Protein und präsentieren es auf ihrer Oberfläche. Dies regt das Immunsystem dazu an, gegen den Spike Antikörper zu produzieren.

Die mRNA aus dem Impfstoff wird von den Zellen nach einiger Zeit zerstört. Die isolierten Spike-Proteine sind für den Körper harmlos.

Wirksamkeit: Beide mRNA-Impfstoffe sind hochwirksam, ihre Schutzwirkung beträgt etwa 95 Prozent. Beide müssen in zwei Dosen im Abstand von drei bis vier Wochen verabreicht werden. Allerdings hat Grossbritannien angesichts der schwierigen Corona-Lage diese Frist auf zwölf Wochen erhöht, um schneller mehr Menschen mit einer ersten Dosis zu versorgen. Ein Teil des Schutzes wird sehr wahrscheinlich bereits etwa zehn Tage nach der ersten Impfung aufgebaut.

Nebenwirkungen: Auch die Nebenwirkungen der beiden Impfstoffe sind sehr ähnlich: Kopf- und Muskelschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle, manchmal Fieber – Zeichen dafür, dass das Immunsystem aktiv wird. In sehr seltenen Fällen kam es zu schweren allergischen Reaktionen kommen (5.5 Fälle pro Million Geimpfte), die gut behandelt werden können.

Einigkeit besteht darin, wer nicht geimpft werden soll. Menschen mit einer allergischen Reaktion auf einen der Inhaltsstoffe oder mit schweren allergischen Reaktionen nach einer vorherigen Dosis.

Handhabung: Die grössten Unterschiede der beiden Impfstoffe liegen in den Ansprüchen an die Lagerung und die Liefergrössen. Jener von Pfizer/Biontech muss bei -70 Grad Celsius gelagert werden; die kleinste Liefereinheit enthält fast 1000 Dosen. Der Impfstoff von Moderna kann während eines Monats im Kühlschrank gelagert werden und wird in 100er-Packungen geliefert – er eignet sich darum auch für Impfungen in Arztpraxen.

Produktion: Der Impfstoff von Moderna wird unter anderem in einem Werk der Schweizer Firma Lonza in Visp hergestellt. Zusammengenommen sind laut Bundesamt für Gesundheit im Januar eine halbe Million Impfstoff-Dosen der beiden Hersteller verfügbar, im Februar eine Million. Das BAG hat drei Millionen Dosen bei Pfizer/Biontech bestellt und 7.5 Millionen bei Moderna.

Wie teuer sind die Impfstoffe?

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Für die Schweizer Bevölkerung ist die Impfung gegen Covid-19 kostenlos. Die Kosten werden von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen. Jene, die nicht gedeckt sind, werden vom Bund und den Kantonen getragen. Die Preise für die neuartigen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna liegen wahrscheinlich um ein Vielfaches höher als die von herkömmlichen Mitteln, wie sie etwa Astrazeneca auf den Markt bringen will. Die belgische Staatssekretärin Eva De Bleeker veröffentlichte die bisher für die EU geheim gehaltenen Preise zeitweise auf Twitter. Demnach soll eine Dosis des Moderna-Impfstoffs umgerechnet rund 15 Euro kosten, eine von Biontech/Pfizer 12 Euro, eine von Astrazeneca nur 1,78 Euro. Der Tweet wurde später gelöscht.

Beide Impfstoffe sind auch in der EU, in Grossbritannien, den USA und weiteren Ländern zugelassen. Sie wurden bereits millionenfach verabreicht.

Impfstoffe mit viralen Vektoren

Ebenfalls zur Zulassung in der Schweiz angemeldet ist der Impfstoff von AstraZeneca, entwickelt mit der Universität Oxford. Auch er regt das Immunsystem zu Antikörpern gegen das Spike-Protein an, setzt aber auf ein anderes Prinzip: Das Gen für den Spike ist in ein Erkältungsvirus aus Affen eingesetzt (Adenovirus).

Das Virus dringt nach der Impfung in Zellen des Körpers ein und bringt diese dazu, das Spike-Protein herzustellen. Das Adenovirus wurde im Labor so verändert, dass es sich in einer Zelle nicht vermehren kann.

Der Ansatz mit Adenoviren als Impfstoff-Shuttles (oder viralen Vektoren) wird seit Jahren erforscht, ein Adenoviren-basierter Impfstoff gegen Ebola ist bereits zugelassen.

Wirksamkeit: Die Wirksamkeit des Impfstoffs von AstraZeneca liegt zwischen etwa 60 und 90 Prozent, je nach verabreichter Dosis. Auch dieser Impfstoff muss zweimal gespritzt werden.

Nebenwirkungen: Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie jene der beiden mRNA-Impfstoffe.

Handhabung: Der AstraZeneca-Impfstoff ist stabiler als die mRNA-Varianten: Er kann mindestens 6 Monate im Kühlschrank aufbewahrt werden. Seine Herstellung ist günstiger, und so gilt er als besonders geeignet für den Einsatz in Ländern mit schwacher Infrastruktur.

Produktion: Der Impfstoff von AstraZeneca ist unter anderem in Grossbritannien und Indien zugelassen. Das BAG hat 5.3 Millionen Dosen bestellt.

Auch der Impfstoff Sputnik V des russischen Gamaleya-Forschungsinstituts setzt auf Adenoviren, um das Gen des Spike-Proteins in die Körperzellen der Geimpften einzuschleusen. Er verwendet dafür zwei verschiedene abgeänderte Viren, die normalerweise Menschen infizieren, die Adenoviren Ad5 und Ad26.

Wirksamkeit: Manche Wissenschaftler befürchten, dass der menschliche Körper nach der Impfung nicht nur gegen das Spike-Protein eine Immunantwort entwickelt, sondern auch gegen das Shuttle, das Adenovirus – dies würde die 2. Impfdosis unwirksam machen. Um dies zu vermeiden, enthalten die beiden Impfdosen von Sputnik V die unterschiedlichen Adenoviren-Shuttles Ad5 und Ad26.

Laut Gamaleya ist Sputnik V zu etwa 91 Prozent wirksam. Allerdings wurden die zugrundeliegenden Daten bisher nicht veröffentlicht. Der Impfstoff ist in Russland, Weissrussland und wenigen anderen Ländern zugelassen.

Im Dezember hat AstraZeneca bekannt gegeben, dass sie ihren Adenoviren-basierten Impfstoff in einem zwei-Dosen-Regime in Kombination mit Sputnik V testen wollen.

Ebenfalls auf Adenoviren als Impfshuttle setzen die US-Pharmafirma Johnson&Johnson und die chinesische Cansino. Der J&J-Impfstoff wird nur in einer Dosis verabreicht und befindet sich in grossen klinischen Studien. Es gibt bereits einen zugelassen Ebola-Impfstoff von J&J, der auf demselben Prinzip beruht.

Inaktivierte und abgeschwächte Viren

Impfstoffe, die inaktivierte oder abgeschwächte Viren als Wirkstoff enthalten, gibt es schon viele Jahrzehnte. Bei Corona-Impfstoffen setzen vor allem chinesische Firmen auf diesen Ansatz. Zum Beispiel Sinopharm und Sinovac. Sinopharm züchtete Corona-Viren aus Patienten und tötete diese mittels Chemikalien. Ein Zusatzstoff im Impfstoff, ein sogenanntes Adjuvans, regt das Immunsystem zu einer kräftigeren Immunantwort an.

Wirksamkeit: Ende Dezember verkündete Sinopharm, ihr Impfstoff habe eine Wirksamkeit von rund 80 Prozent, im Januar meldete ein brasilianisches Impfinstitut, seine klinische Studie habe für den Sinovac-Impfstoff eine Wirksamkeit von 78 Prozent ergeben. In beiden Fällen sind die zugrunde liegenden Daten bisher nicht veröffentlicht worden.

Produktion: Beide Impfstoffe sind in China zugelassen, ebenfalls in einigen anderen Ländern. Beide Impfstoffe sind relativ günstig und sie stellen keine hohen Anforderungen an die Lagerung. Darum werden sie vermutlich in ärmeren Ländern eine wichtige Rolle spielen.

Protein-Impfstoffe

Verschiedene Firmen entwickeln Impfstoffe, mit denen Eiweisse des Corona-Virus direkt verabreicht werden. Diese Eiweisse – oftmals das Spike-Protein – werden in grossen Mengen künstlich hergestellt. Die US-Firma Novavax, zum Beispiel, fertigt aus diesen einzelnen Spike-Proteinen kleine Nanopartikel aus mehreren Einzeleiweissen. Diese Nanopartikel werden geimpft.

Wirksamkeit: In ersten klinischen Studien regte der Novavax-Impfstoff eine starke Produktion von Antikörpern an. Nun laufen grosse klinischen Studien (Phase 3) in Grossbritannien und den USA. Mehrere Länder wie die USA, Grossbritannien und Australien haben den Impfstoff vorbestellt.

Ein anderer Protein-Impfstoff der Pharmariesen Sanofi und GSK, in den viele Hoffnungen gesetzt wurden, enttäuschte in den klinischen Studien. Die beiden Firmen modifizieren nun den Impfstoff und starten neue Studien. Ein weiterer Protein-Impfstoff wird in Russland getestet (Vektor-Institut).

SRF 4 News, 12.01.21, 12:00 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Astrid Meier  (Swissmiss)
    Es sind keineswegs nur auf die Inhaltsstoffe schwer allergisch reagierende Personen, die sich nicht impfen lassen sollten. Die Produktinformation von Pfizer erwähnt weiter erkrankte, fiebrige Personen, Immunsupprimierte und Schwangere, weil es keine Erkenntnis über allfällige Folgen auf den Fötus gibt. Nach der Impfung sollte eine Schwangerschaft für zwei Monate vermieden werden. Es ist mir unverständlich, wieso eine solche Information des Herstellers immer wieder unerwähnt bleibt.
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  • Kommentar von Denise Hänggi  (DHaenggi)
    Weshalb werden Beschwerden nach der Covid19-Impfung als "gutes" Zeichen definiert, dass die Impfung wirke und das Immunsystem in Gang kommt und nicht als eine unerwünschte Wirkung/Nebenwirkung, wie dies bei anderen Impfungen/Medikamenten bezeichnet wird?
    Ich hatte bisher noch von keiner einzigen geläufigen Impfung derartige Nebenwirkungen erlebt oder als "normal" beschrieben gehört.
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    1. Antwort von Urs Schneider  ()
      Das scheint auch nicht so selten vorzukommen. In der Pfizer Studie gab es 170 mit PCR bestätigte covid-19 Fälle, 8 in der Impfgruppe und 162 in der Placebo Gruppe. In der Impfgruppe waren aber auch 1594 covid-19 Verdachtsfälle (gleiche Symptome aber negativer PCR).
      Auch interessant sind die ca 80 Studienteilnehmer die "verloren gingen" und daher aus der Statistik fallen. Die Gründe dafür werden leider nicht erwähnt, ich hoffe aber zumindest die Swissmedic hat diese Auskunft erhalten.
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    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Ich empfand die Tetanus-Impfung mehrere Male stundenlang als äusserst schmerzhaft. An die Pocken-Impfung als Kleinkind erinnere ich mich immer noch, weil ich hohes Fieber bekam und lange schrie. Auch bei Grippeimpfungen kann vorübergehend Fieber auftreten. Fieber und Müdigkeit sind Massnahmen des Immunsystems, sie werden ausgelöst, wenn letzteres aktiv wird. Nebenwirkungen wären solche, die nichts mit der Krankheit zu tun haben, wie eben allergische Reaktionen.
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  • Kommentar von Denise Hänggi  (DHaenggi)
    Wieso müssen Geimpfte weiterhin Covid19-Schutzmassnahmen wie Maske, Hygiene und Abstand einhalten, beim angeblichen Schutz der Impfung von 90bis95%?
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Denise Hänggi Es wird derzeit noch untersucht, in wie weit eine geimpfte Person mit Viren im Blut nicht mehr ansteckend ist. Vergleich dazu: https://www.srf.ch/news/schweiz/bekaempfung-des-coronavirus-corona-impfstoffe-im-vergleich-die-uebersicht
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    2. Antwort von Beat Moor  (Beat Moor)
      Weil sich die Viren zunächst auf der Oberfläche der Rachenschleimhaut aufhalten. Dort werden sie durch die Antikörper, welche sich durch die Impfung bilden, noch nicht inaktiviert. Dies passiert erst, wenn das Virus in den Körper eingedrungen ist. Die oberflächlichen Viren können aber weiterhin ausgehustet oder ausgeniest werden und somit andere Personen anstecken. Die Impfung schützt also nur vor dem Krankwerden, aber nicht vor der Weitergabe des Virus.
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