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Christian Mumenthaler: «Ich bin eigentlich Optimist»
Aus Tagesgespräch vom 28.01.2019. Bild: Keystone
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Katastrophen und Klimawandel Ein Risiko, das niemand mehr tragen will?

Rückversicherer sind Seismographen von Krisen und Katastrophen. Swiss Re warnt: Der Klimawandel ist Realität.

Wirbelstürme in den USA, Taifune in Japan, Tsunamis in Indonesien oder Waldbrände in Kalifornien: Das «Katastrophenjahr 2018» hatte es in sich. Ein Rekordjahr war es allerdings nicht, auch wenn es über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag.

Weltweit haben Naturkatastrophen 2018 Versicherungsschäden von gut 80 Milliarden Dollar verursacht, schätzt der Rückversicherer Swiss Re. Das Unternehmen, das 1863 gegründet wurde, kann die Entwicklungen aus historischer Warte einschätzen.

Katastrophen kosten die Swiss Re

Das Geschäft von Rückversicherern sind auch Naturkatastrophen. Konkret die Absicherung von Versicherungen, die für diese Schäden nicht mehr aufkommen können. Insbesondere das Jahr 2017 forderte den Rückversicherer: «Es war das grösste Schadenjahr unserer Geschichte», sagt Christian Mumenthaler, der Chef von Swiss Re.

Der Klimawandel ist ein grosses Problem für die Menschheit, nicht aber für Swiss Re.
Autor: Christian MumenthalerChef von Swiss Re

Laut vielen Forschern ist die Zunahme katastrophaler Naturereignisse direkte Folge des Klimawandels. In seinem jüngsten «Global Risk Report», Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen bezeichnet das WEF den Klimawandel als eines der grössten Risiken unserer Zeit.

Swiss Re ist aufgrund der eigenen Erkenntnisse und Datensätze alarmiert: «Man bekommt stark das Gefühl, dass die eingangs erwähnten Naturkatastrophen klimatisch bedingt sind», sagt Mumenthaler.

Dunke Wolken über Miami
Legende: Florida und die Millionenmetropole Miami werden immer wieder von Hurricanes heimgesucht. Die Schäden erreichen auch astronomische Werte, weil es immer mehr Menschen und Infrastruktur an der Küste gibt. Reuters

Swiss Re habe den Klimawandel schon 1993 in einer Broschüre thematisiert. Ein wirkliches Bewusstsein dafür in Politik und Gesellschaft beobachtet Mumenthaler aber erst seit etwa zehn Jahren. Für ihn ist klar, dass Frequenz und Heftigkeit von Schadensereignissen zugenommen haben.

Viele der Risiken sind heute global geworden. Deswegen braucht es auch globale Institutionen und ein Bewusstsein dafür, dass sich man sich nicht abkapseln darf.
Autor: Christian MumenthalerChef von Swiss Re

Als Beispiel nennt Mumenthaler die Häufung von schweren Taifunen in Japan. «Es ist extrem plausibel, dass solche Ereignisse mit dem Klimawandel zusammenhängen. Auch wenn es sich nicht hundertprozentig belegen lässt.»

Erschwerend komme hinzu, dass immer mehr Menschen in gefährdeten Regionen lebten, wodurch das Schadenpotenzial ansteige: «Vor 100 Jahren gab es etwa in Florida nur einige Hütten. Jetzt gibt es dort riesige Städte, die von Hurricanes bedroht sind.»

Geschäftsrisiko Klimawandel?

Aus Geschäftssicht kommt Mumenthaler aber zum Schluss: «Der Klimawandel ist ein grosses Problem für die Menschheit, nicht aber für Swiss Re.» Jedes Jahr handelt das Unternehmen auf Grundlage der eigenen Prognosen die Preise mit den Versicherern neu aus. Die Konsequenz: Durch den Klimawandel steigt auch der Preisdruck. Eine kritische Grösse, an dem das Geschäftsrisiko für Rückversicherer zu gross wird, sieht Mumenthaler aber derzeit nicht.

Mumenthaler kann sich eher vorstellen, dass die Preise solange steigen, bis es politischen Druck gibt. Etwa, dass wie in Florida der Staat einsteigt, damit Versicherungsprämien für das Häuschen am Strand bezahlbar bleiben. So würden aber «Fantasiepreise» festgesetzt, kritisiert Mumenthaler: «Und letztendlich wird zu wenig eingezahlt. Das endet nie gut.»

Globale Herausforderungen global lösen

Von Cyberangriffen über Handelskriege bis hin zu Naturkatastrophen scheinen wir in einem Zeitalter der Krisen zu leben. Doch Mumenthaler bleibt optimistisch: «Der Menschheit ging es noch nie so gut wie heute.»

Der Unterschied zu früher: «Viele der Risiken sind heute global geworden. Deswegen braucht es auch globale Institutionen und ein Bewusstsein dafür, dass man sich nicht abkapseln darf.» Der Kampf gegen den Klimawandel sei das beste Beispiel dafür, dass man nur gemeinsam etwas erreichen könne.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler  ((Bühli))
    Ich gebe zu vor der Kompexität des Klimas, da sich Klimageschichte immer gewandelt hat zu kapitulieren. Kein Experte hat bis heute schlüssig erklärt wie die Abnahme des Magnetfeldes in der Südhemisphäre, die Wanderung des magnetischen Norpools oder einfach die Lage der Erdachse sich auf das Klima genau auswirkt. Auch die Experten der Rückversicherung wissen, ein kleiner Vulkanausbruch reicht für eine kleine Eiszeit, dann sind alle Berechnungsmodelle absurd
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Christophe Bühler: Wir müssen unsere Kräfte auf diejenigen Faktoren konzentrieren, die wir als Menschen beeinflussen können. Das sind die menschengemachten Treibhausgase. Ihre angebliche Kapitulation interpretiere ich als Vorwand, nichts tun zu müssen. Reichlich fatalistisch, meine ich.
  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Rückversicherer sind Seismographen von Krisen und Katastrophen und bei allen Krisen verabschieden sich die Versicherer sehr gerne und sehr schnell. Das ist Teil des Business. Da kommt die "Klimadiskussion" ja auch gerade so passend. Es muss sich ja letztlich ausbezahlen für die Versicherung, sonst muss man im Ereignisfall ja auszahlen und da kann man tatsächlich in Konkurs geraten. Das will kein Versicherer.
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    @Kehrli: Der Privstverkehr macht ca 3% des CO2 Ausstosses aus, wobei dieser in den letzten 10 Jahren um 10% gesunken ist. Weiter zahlt etwa der Schweizer Autofahrer bereits CO2-Abgaben (im Schnitt 1500CHF/Neuwagen, Mineralölsteuer (ca 75Rp/L, zzt. also fast die Hälfte des aktuellen Treibstoffpreises). Und wozu dient dieses Geld? Um Beamte durchzufüttern. Sonst nichts.
    1. Antwort von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
      Der Privatverkehr erzeugt etwa 30% des menschlichen CO2 Ausstosses. In der CH eher mehr. Und offensichtlich reichen die Steuern noch nicht um all die Schäden zu bezahlen. Autofahrer fahren auf Kosten der Allgemenheit, lassen sich subventionieren.
    2. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Sinnlos da zu diskutieren. Man will einen CO2-Ablasshandel um Profit machen zu können, weniger interessant ist da das Klima. Was glauben Sie wie man da an der "Börse" Kasse machen kann. Al Gore glaube ich vernommen zu haben, soll da bereits dick im Geschäft damit sein, Georg Soros wird sicherlich folgen. Und ich denke auch da mich, so möglich, daran zu beteiligen. "GELD stinkt nicht!" Und wenn's der Gesellschaft recht ist, mir ist soll's auch recht sein. - Weiter denken ist angesagt.
    3. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      @Kehrli: Bleiben wir bei den Fakten: Laut Internationaler Energie Agentur IEA gehen 68% des CO2 Ausstosses auf die Kappe der fossilen Energie, 7% Industrie, 11% Landwirtschaft und 14% (das ist viel!) durch andere Quellen wie Torfabbau, Verbrennen von Biomasse bei Rodungen etc. Die 68% "Energie" setzen sich aus 38% fossile Kraftwerke, 12% Heizungen, 15% Transportwesen (= Schiffe, Eisenbahnen, LKW, Lieferwagen) und 3% Privatverkehr zusammen.
    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Jean-Philippe Ducrey: Sorry! Es stimmt einfach nicht, was Sie schreiben. In der Schweiz ist der Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen 31.7%. Es ist der einzige Sektor, der seit 1990 keine Abnahme zu verzeichnen hatte. Alle anderen Sektoren gingen zurück. Grund: Es gibt keine CO2-Steuer auf fossilen Treibstoffen. Ganz im Gegensatz zu den fossilen Brennstoffen. Dort zahlen Sie zur Zeit 96 Franken pro Tonne CO2. In anderen Ländern ist es anders, aber wir können nur bei uns aufräuemen.
    5. Antwort von Patrice Gfeller  (Lex_zh)
      @Leu Herr Leu, Herr Ducrey hat völlig recht, weil sich seine Zahlen auf die globale Skala bezieht. Sie würden einen Denkfehler machen, wenn Sie sich nur auf die Schweiz fokussieren würden, weil einerseits Klimaprozesse global statt finden, die Lufsäule über der Schweiz im globalen Vergleich physikalisch eher vernahlässigbar ist und die 31.7% CO2-Emissionen durch den Schweizer Privatverkehr bereits in den globalen 3% berücksichtigt werden. Ich hoffe, diese Vereinfachung hilft zur klärung. MfG
    6. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Patrice Gfeller: Wir können aber nur nationale Gesetze erlassen. Die Chinesen müssen ihre Emissionen selber in den Griff bekommen. Auch sie sind vom Klimawandel betroffen.