- Beim Beben in Mittelitalien wurden zahlreiche Kirchen und Paläste beschädigt.
- Vielerorts konnten wertvolle Kulturgüter aus den Trümmern geborgen werden.
- Insgesamt 16'000 Objekte lagern nun in Kunstdepots und werden restauriert.
- Diese Stücke sollen eines Tages wieder an ihre Ursprungsorte zurückkehren.
Die Madonna liegt auf einem Schaumstoffkissen, das aussieht, als wäre es ein Krankenbett. Der Heilige Georg, der Drachentöter, hat zwar noch Pferd und Speer, aber seine Kirche steht nicht mehr. Das sind nur zwei von insgesamt rund 16'000 Kulturgütern, die man aus dem Erdbebengebiet rettete und in Lagerhallen brachte.
«Der Schaden ist enorm», sagt Fabio Carapezza Guttuso vom Kulturministerium. Auf über 20 Milliarden Euro schätzt er allein die Schäden am beweglichen und unbeweglichen Kulturgut. Dazu kommen weitere Schäden in Milliardenhöhe an Häusern und Gebäuden ohne kulturhistorischen Wert.
Bergungsaktion kurz nach erstem Erdbeben
Im letzten Sommer bebte die Erde zum ersten Mal. Wenige Stunden später begannen speziell ausgebildete Fachleute die ersten Kulturgüter zu bergen. In grossen Lagerhallen, erdbebensicher und gut bewacht, sind sie nun in Sicherheit.
Cristina Colletini, ebenfalls vom Kulturministerium, sagt: «Das ist wichtig, doch gleichzeitig fehlen diese Gegenstände ihren eigentlichen Besitzern, den Bewohnerinnen und Bewohnern der betroffenen Gemeinden.»
Altäre, Gemälde und Skulpturen seien starke Symbole, sagt Collettini. Leute aus dem Erdbebengebiet würden immer wieder nach diesen Gegenständen fragen, wo genau sie jetzt seien, und ob man sie schon restauriert habe.
Statuen und Heiligenbilder werden vermisst
Die Menschen hängen am geretteten Kulturgut, vor allem an Bildern und Statuen von Heiligen. Darum, so Colletini vom Kulturministerium, möchte man dieses Depot der Bevölkerung zugänglich machen. Ein eigentliches Schaulager soll es werden. Nötig ist das, weil der Wiederaufbau Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte dauern wird.
Die dort gehüteten Schätze werden nicht so schnell in ihre Heimatgemeinden zurückkehren. Und noch immer kommen neue hinzu. Denn die Trümmer sind noch längst nicht alle weggeräumt. Unter dem Schutt tauchen weitere Gegenstände auf.
Man sammle alles, sagt Fabio Carapezza: «Wir tragen kleine und grosse Stücke zusammen.» Zum Beispiel Bruchstücke von Wandgemälden, von Fresken.
Keine landesweiten Massnahmen gegen Erbeben
Der Funktionär des Kulturministeriums hat viele Erdbeben erlebt. Auch jenes von 1997 in Assisi, wo es gelang, einige der weltberühmten Deckenfresken aus tausenden kleinen Bruchstücken wieder zusammenzusetzen, ein Puzzle.
Genau das werde man wieder versuchen, verspricht Carapezza. Kein Zweifel: Italienische Restauratoren gehören weltweit zu den besten. Doch wie sieht es mit der Prävention aus, mit der Sicherung, bevor ein Schaden entsteht? «Wenn die Restaurierung einer Kirche oder eines bedeutenden Gebäudes ansteht, müssen die Bauherren stets nachweisen, was sie für die Erdbebensicherheit tun.»
Noch weiter zu gehen, etwa alle Kulturschätze auf einmal zu sichern, dies sei Italien aufgrund der grossen Anzahl an Objekten schlicht unmöglich, sagt Carapezza.