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«White Christmas» in einem Schweizer Hotelzimmer
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.12.2020.
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Quarantäne für Touristen Skiferien im Hotelzimmer: Das Ende eines britischen Horrorjahres

Gestrandet in den Schweizer Alpen: Ein Brite fühlt mit seinen Landsleuten. Auch wenn er selbst nicht in Quarantäne muss.

Die Briten sind derzeit nicht zu beneiden. Quälend lange Verhandlungen mit Brüssel und ein drohender Brexit-Kater zum neuen Jahr; als ob das nicht genug wäre, wird das Land von einem mutierten Coronavirus heimgesucht. Für viele Britinnen und Briten werden es aufgrund verschärfter Corona-Massnahmen einsame Weihnachten.

Was liegt da näher, als die Flucht in die Schweizer Berge, wo Landsmann George Michael einst «White Christmas» schmachtete? Und, zumindest für britische Verhältnisse, ein geradezu sanftes Corona-Regime herrscht? Denkste: Am Dienstag kam die Hiobsbotschaft für britische Schutzsuchende – diesmal vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit.

Das BAG liess verlauten, dass britische Touristen in der Schweiz rückwirkend zehn Tage in Quarantäne müssen. Grund: das mutierte Coronavirus, das sie aus ihrer Heimat mitgeschleppt haben könnten. Wer das Hotel oder die Ferienwohnung verlässt, dem droht eine Busse von 10'000 Franken.

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Ernüchterung im Briten-Hotspot Verbier
Aus Schweiz aktuell vom 22.12.2020.
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Heute informierte das BAG britische Touristen in der Schweiz mit einer Push-Nachricht aufs Handy über die eigens für sie entworfenen Corona-Regeln. So mancher Gast aus dem Vereinigten Königreich dürfte sein Gesicht tief im Kopfkissen vergraben haben.

Ein Brite, der davon unbetroffen ist, ist Haig Simonian. Der schweizerisch-britische Doppelbürger weilt derzeit in Zermatt und will gleich nach dem morgendlichen Interview mit SRF News seine Skischuhe schnüren. Unter den argwöhnischen Blicken von Herr und Frau Schweizer?

Stellen Sie sich vor, Sie landen in Genf oder Zürich, freuen sich auf das Skifahren, tolles Wetter, Gemütlichkeit… Und erfahren dann an der Hotelrezeption, dass Sie im Zimmer bleiben müssen.
Autor: Haig SimonianBritisch-schweizerischer Doppelbürger in Zermatt

Mit seinen hervorragenden Deutschkenntnissen outet sich der ehemalige Schweiz-Korrespondent der «Financial Times» nicht als Brite. Das könnte sich ändern, sobald Frau und Tochter in Zermatt eintreffen. «Meine Tochter hat vorgeschlagen, dass wir statt Englisch lieber Deutsch oder Französisch miteinander sprechen sollten, um keine neugierigen Blicke auf uns zu ziehen», witzelt der freischaffende Journalist.

Schöne Bescherung

Eine Verbannung ins Hotelzimmer müssen die Simonians nicht befürchten: Sie leben seit langem in Zürich. «Ich würde mich aber amüsieren, wenn ich eine SMS vom BAG auf mein Schweizer Handy bekommen würde.»

Viele seiner Landsleute dürften geschockt reagieren. Denn die Weisung könnte an vielen britischen Touristen vorbeigegangen sein, mutmasst Simonian. «Ich glaube, die meisten haben keine Ahnung von dieser ganzen Quarantäne.»

Ausnahmeregelung für Rückflüge

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In der Schweiz gestrandete Personen aus Grossbritannien und Südafrika können ab dem 24. Dezember dank einer Ausnahmeregelung in ihre Heimat zurückreisen. Die Regelung gilt auch für Schweizer, die sich derzeit in einem der beiden Länder aufhalten.

Der Bundesrat hat das Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) mit der Ausarbeitung einer Lösung im Hinblick auf die Festtage beauftragt, wie das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) mitteilte. Seit Sonntag um Mitternacht sind die Flugverbindungen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich sowie Südafrika wegen des mutierten Coronavirus eingestellt.

Der Journalist leidet mit seinen Landsleuten mit. «Stellen Sie sich vor, Sie landen in Genf oder Zürich, freuen sich auf das Skifahren, tolles Wetter, Gemütlichkeit… Und erfahren dann an der Hotelrezeption, dass Sie im Zimmer bleiben müssen.»

Matterhorn
Legende: Zehn Tage Quarantäne mit der Familie in einem kleinen Hotelzimmer, mit Blick aufs verschneite Matterhorn? «Schwer vorstellbar», befindet Simonian. Viele Menschen dürften ihm beipflichten. Keystone/Archiv

Für britische «Quarantäne-Touristen» fände damit ein Jahr zum Vergessen einen krönenden Abschluss in den Schweizer Bergen. «Es war ein Annus horribilis, besonders für diejenigen, die in London und im Süden Englands wohnen.» Das bevölkerungsreiche Gebiet wurde mit einem strengen Shutdown belegt.

«Premierminister Boris Johnson hat Weihnachten storniert», fasst der Exilbrite die Stimmungslage in seiner alten Heimat zusammen. Doch Simonian hat auch Verständnis für das harte Corona-Regime. Auch für dasjenige von Bundesbern. «Ein Land muss sich verteidigen, wenn diese Corona-Mutation so ansteckend ist wie vermutet.»

Ob seine Landsleute vom Dorfpolizisten oder Seilbahnchauffeur zurück ins Hotel verfrachtet werden, wenn sie aus dem Hotelzimmer ausbüchsen, weiss aber auch er nicht.

SRF 4 News, 23.12.2020, 08:45 Uhr;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Der Bundesrat hätte alle Skigebiete schliessen müssen, das vor weg. Dieses "Kantönligeplätze" ist ein grosser Unsinn. Damit folgendes: Die Touristen wissen um das erhöhte Ansteckungsrisiko, wenn sie sich ins Gemenge von Bergbahnen mischen. Somit habe ich nun kein grosses Bedauern mit jenen, die sich anstecken und allenfalls sich in Quarantäne begeben müssen. In Zeiten der Corona ist dieses "Umhergeschwirr" totaler Luxus.
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  • Kommentar von Ernesto Walter  (Inchalla)
    Der Schweizer Bundesrat hat versagt auf der ganzen Linie und Skigebiete offen lassen wider besseres Wissen ... von Lobbyisten getrieben...

    Nun kommen die Ausländer ( diese erfreuen natürlich die SVP sie bringen Geld )

    Kein Verständnis für diese Ignoranz...man muss allerdings wissen das es sich nur reiche Engländer leisten können in der teuren Schweiz Ski zu fahren..

    Ihre Landsleute bangen um ihre Existenz... und die Elite feiert in der Schweiz
    Die Arroganz des Reichtums
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  • Kommentar von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
    Absolut skandalös Leute aufgrund eines nicht bestätigten Verdachts in Quarantäne zu setzen.
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    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      ... und höchst unverantwortlich, es nicht zu tun.
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