Zum Inhalt springen

Header

Audio
Gibt es eine Immunität gegen Corona?
Aus Echo der Zeit vom 20.11.2020.
abspielen. Laufzeit 04:19 Minuten.
Inhalt

Schutz gegen Coronavirus Immun gegen Corona – geht das überhaupt?

Auf diese Frage suchen Forscher seit Monaten eine Antwort: Gibt es eine Immunität gegen Corona? Nun verdichten sich die Hinweise, dass eine Erkrankung einen Schutz generieren kann, wie SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel erklärt.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und versucht zu verstehen, wie die Wissenschaft helfen kann, Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu finden.

SRF News: Sind Menschen nach einer Corona-Infektion immun oder nicht?

Katrin Zöfel: Noch ist es zu früh für eine abschliessende Antwort. Aber immer mehr Studien deuten darauf hin, dass sich nach einer Infektion tatsächlich eine Immunität bildet, die auch eine Weile hält. Die beiden jüngsten Studien stammen aus Grossbritannien und den USA. Sie sind völlig verschieden.

Die britische Studie hat mehr als 11’000 Pflegefachleute begleitet und beobachtet, ob diese sich mit Corona infizieren oder nicht. Diejenigen, die eine Infektion durchgemacht hatten – das waren gut 1000 – waren geschützt. Sie infizierten sich grösstenteils nicht. Ganz wenige infizierten sich zwar, hatten aber sehr milde Verläufe.

Die Studie aus den USA untersuchte bei einer kleinen Gruppe von Probanden detailliert, welche Antikörper und welche Immunzellen im Blut wie lange nach einer Corona-Infektion noch vorhanden waren. Das Ergebnis war, dass noch mehr als sechs Monate nach der Infektion die Immunzellen vorhanden waren, die es für einen Immunschutz braucht. Ganz sicher ist das immer noch nicht, aber die Chancen stehen gut, dass ein Schutz, der schon sechs Monate hält, nicht sofort zerfällt. Beide Studien sind schon als Pre-Print öffentlich, aber noch nicht offiziell begutachtet.

Die Chancen stehen gut, dass ein Schutz, der schon sechs Monate hält, nicht sofort zerfällt.
Autor: Katrin Zöfel

Man hört immer wieder, dass die schützenden Antikörper nach einer gewissen Zeit verschwinden. Habe ich das falsch verstanden?

Nein, die Antikörper verschwinden mit der Zeit. Das zeigen viele Studien. Aber das ist eigentlich ganz normal: Das Immunsystem produziert sie, um das Virus zu bekämpfen. Es dauert etwa zehn Tage, bis das richtig hochgefahren ist. Wenn die Infektion ausgestanden ist, verschwinden die Antikörper auch allmählich wieder aus dem Blut. Das passiert langsam, und es geht auch nicht unbedingt ganz auf null. Aber die aktive Abwehr ist erst einmal verschwunden.

Die Frage war jetzt: Ist damit auch der Schutz gegen eine zweite Infektion weg? Inzwischen spricht viel dafür, dass unser Immunsystem über das zelluläre Immunsystem einen Schutz aufbaut, der auch dann noch da ist, wenn die Antikörper-Level im Blut längst abgesunken sind.

Was ist mit den Menschen, die sich zweimal infizieren?

Etwa zwei Dutzend Fälle weltweit sind inzwischen sicher nachgewiesen, und es gibt noch ein paar hundert Verdachtsfälle. Auf dem aktuellen Stand sind das Ausnahmen und nicht die Regel – weil nicht jedes Immunsystem gleich reagiert und es nicht jedem Körper gelingt, den Immunschutz aufzubauen.

Wären Hinweise auf eine stabile Immunität «Good News» im Zusammenhang mit Impfungen?

Wenn sich das weiter erhärtet, heisst das, dass es nicht alle paar Monate Auffrischungsimpfungen brauchen wird. Dann würde die Immunität, wenn sie einmal da ist, eine Weile halten.

Wenn sich das weiter erhärtet, heisst das, dass es nicht alle paar Monate Auffrischungsimpfungen braucht.
Autor: Katrin Zöfel

Zusammenfassend ist also das Bild immer noch nicht ganz eindeutig. Aber es ist um einiges positiver als vor ein paar Monaten, als man noch fast gar nichts über die Immunität sagen konnte. Diese Vorsicht vor ein paar Monaten hatte gute Gründe, denn es gibt riesige Unterschiede von Krankheit zu Krankheit: Unser Immungedächtnis kann sich Masern super merken, aber wenn es zum Beispiel bestimmten Erkältungsviren begegnet, den RS-Viren, dann fängt es praktisch jedes Mal von vorne an. Corona liegt – danach sieht es inzwischen aus – immerhin irgendwo dazwischen.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

Echo der Zeit, 20.11.2020, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

49 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
    Irgendwie erinnert mich das ganze an den "schnell zum Arzt, bevor ich wieder gesund bin" Spruch.
  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Es wird in breiten Kreisen von Wissenschaftlern und Ärzten eine mögliche Kreuzimmunität mit anderen Coronaviren, die wir schon kennen, vermutet. Das wäre eine plausible Erklärung dafür, dass viele Krankheitsverläufe mehr oder weniger unbemerkt verlaufen.
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      In früheren Beiträgen las man auch den Verdacht, dass die alljährlichen Grippeviren, einen gewissen Schutz oder Antikörper gegen den Corona
      Virus haben könnten. Deshalb wohl auch die hohe Impfbeteiligung bei der
      diesjährigen Grippeimpfung. Weiss man heute mehr darüber oder war das
      nur eine Vermutung ?
      In
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ist nachgewiesen. Siehe z. B. Science Mag: ,Selective and cross-reactive SARS-CoV-2 T cell epitopes in unexposed humans'
  • Kommentar von Lesek Hottowy  (Lhot)
    Es wird so kommen wie bei Tamiflu. Wenn die Impfstoffe da sind und die Regierungen Massenbestände aufgekauft haben, dann braucht es die Impfung nicht mehr, da das Virus sich totgelaufen hat. Aber Pharma hat gut verdient.
    1. Antwort von Andreas Bern  (AndyBern)
      ist auch möglich