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Spitäler suchen freiwillige Fachkräfte
Aus 10vor10 vom 18.11.2020.
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Mangel an Pflegekräften Wie die Spitäler ums Personal kämpfen

Personalmangel – ein Dauerbrenner in der Schweizer Gesundheitsbranche. Die Coronapandemie hat das anhaltende Problem noch verstärkt, für die aufwendige Betreuung von Corona-Patienten ist mehr Fachpersonal gefragt. Jedoch hat das Gesundheitswesen gleichzeitig auch mit Ausfällen zu kämpfen, da Mitarbeitende sich mit dem Virus angesteckt haben oder wegen Verdachtsfällen in Quarantäne oder Isolation müssen. «Das Virus macht vor den Gesundheitsangestellten nicht halt», so Yvonne Ribi vom Schweizer Berufsverband des Pflegefachpersonals (SBK).

Wir haben weiterhin eine kritische Situation.
Autor: Peter SchneiderSpitaldirektor Biel

Aufruf an Freiwillige

Im Kanton Bern ist die Situation besonders akut, rund 200 Angestellte in den Spitälern und zusätzlich 450 Mitarbeitende in Heimen fallen wegen der Quarantäne- oder Isolationspflicht aus. Auch der Bieler Spitaldirektor Kristian Schneider ist alarmiert: «Wir haben weiterhin eine kritische Situation. Wir sind immer noch in einer Bedarfssituation». Das Berner Gesundheitsdepartement sucht darum händeringend nach Ersatz.

In einem Aufruf bittet es Freiwillige, Personen mit Ausbildung oder Erfahrung in Pflege- und Gesundheitsberufen, die nicht mehr im Beruf tätig sind, um Hilfe. Über eine digitale Plattform kann sich melden, wer für einen Einsatz im Gesundheitswesen bereit ist. Auch andere Kantone haben ähnliche Aktionen gestartet.

Gleichzeitig mit dem Personalausfall wird bei der Infrastruktur aufgerüstet, die Intensivbetten werden ausgebaut. Es braucht also noch mehr Personal.

Ein Militär und eine Ärztin in einem Spital
Legende: Der Bund schickt Armee und Zivilschutz in die Spitäler. Eine nötige, aber kaum ausreichende Entlastung für das Personal. Keystone

Hilfe von Armee und Zivilschutz

Momentan liegt die Regelung der Patientenversorgung in den Händen der Kantone. Mehrere von ihnen fühlen sich der Situation nicht mehr gewachsen und holen sich Unterstützung vom Bund. Heute gab Bundesrätin Viola Amherd bekannt, dass der Bund den Kantonen Genf, Wallis, Bern, Tessin und bald auch Basel-Stadt Armeeangehörige zum Einsatz in den Spitälern zur Verfügung stelle. Abhilfe soll auch der Zivilschutz leisten. Doch nicht alle Anfragen werden vom Bund auch positiv beantwortet.

Die Personalfrage bleibt angespannt. Als sich im Sommer die Situation entspannte, sei das Coronavirus für die Gesundheitsangestellten präsent geblieben, die Schutzmassnahmen die gleichen, so Yvonne Ribi vom SBK. Viele Verantwortliche hingegen hätten diese Zeit zu wenig genutzt. Man habe sechs Monaten Zeit gehabt, um beispielsweise regionale Personalpools aufzubauen, dies sei aber kaum geschehen.

Austausch von Personal zwischen Spitälern

Bei Überlastung eines Spitals werden momentan die Patienten verlegt, ein interkantonaler Austausch von Personal ist bisher nicht vorgesehen. Diese Transfers von Patienten in andere Kantone seien zwar notwendig, schreibt die SGI in ihrer Mitteilung, jedoch seien diese für betroffene Patienten sowie Angehörige eine grosse Belastung.

Diese Systemlücke scheint das Bundesamt für Gesundheit erkannt zu haben. Auf Anfrage bestätigt der Armeesprecher Stefan Hofer, dass der Koordinierte Sanitätsdienst im Auftrag des BAG prüft, ob im System, in welchem bereits die Bettenkapazitäten von rund 150 Schweizer Akutspitälern abgebildet werden, auch die Personalsituation gezeigt werden könnte.

10vor10 vom 18.11.2020;

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Bortsch  (a2b3c4d5)
    Überall das gleiche Problem :
    Es würden "gerade noch" genug "Intensivbetten" zur Verfügung stehen , woher aber
    genügend geschultes Personal
    nehmen ?
    Ob dies "das Gelbe vom Ei" ist,
    Personal von anderen Stationen
    zu "Covid-Intensiv" zu verlegen
    mag "dahingestellt" sein. Die Situation ist bedauerlicherweise
    jetzt schon oft genug so und wird wohl auch noch einige Zeit
    nicht anders sein .
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  • Kommentar von Petra Huber  (Sunnymam)
    Ich kann dies alles auch bestätigen als Fage. Es ist so nicht mehr toll zum arbeiten. auch bei der normalen Spitex werden die Leistungen nur noch gekürtz oder sogar nicht mehr übernommen dank Politiker und Bundesrat. Wir arbeiten unter bedingungen die uns nicht würdig sind.
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    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Petra Huber: danke und Ihnen weiter alles Gute! Es sind aber nicht die Politiker und der BR: es sind wir alle, die andauernd meckern wegen der zu hohen Krankenkassenprämien. Wir möchten 5er und Weggli: dieses gute Gesundheitssystem zu tieferen Prämien! jetzt, am Anschlag, zeigt sich das ganze Ausmass von dieser Art marktwirtschaftlichem Denken und Handeln. Hoffentlich vergessen wir das alle nicht so schnell, sollte diese Krise vorbeisein.
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  • Kommentar von Thomas Spielmann  (spielmann-psy)
    1. Hauptursache: hochqualifiziertes Pflegepersonal verdient in der Schweiz nur 85% eines hiesigen Durchschnittseinkommens, in D etwa sind dies 115%. Nur 2 Länder fallen da noch hinter die Schweiz zurück: Lettland und Litauen (Quelle OECD Gesundheitsstatistik 2020). 2. Hauptursache: aus ganz persönlichen ethischen Gründen will qualifiziertes Pflegepersonal weg aus dem Beruf: sie wollten mal Leben retten und nicht Handlanger einer Lösung mit „stiller Triage“ oder „stiller Euthanasie“ sein.
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    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Wie mir gerade heute einige Pflegefachpersonen (alle BRD) sagen, wollen sie aber nicht aus der Schweiz weg. Es liegt nicht am Lohn (wobei dieser von Ihnen genannte Durchschnitt ist eben "nur" ein Durchschnitt und hier im Kanton Zürich so nicht stimmt), sondern an den (in normalen Zeiten) guten Arbeitsbedingungen. Jetzt allerdings kommt vieles ans helle Tageslicht: "Pflegen mit Hand und Herz" stimmt mit der aktuellen Anforderungen nicht mehr überein.
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