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Neuer Ansatz beim Contact Tracing
Aus Echo der Zeit vom 19.11.2020.
abspielen. Laufzeit 04:56 Minuten.
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Super-Spreader Das bringt das sogenannte «Rückwärts»-Tracing

Weil man inzwischen mehr über das Virus weiss, könne man den Ort einer Ansteckung besser eruieren, sagen Wissenschafter.

Es gibt immer noch viel, was man nicht weiss über das Coronavirus. Was aber inzwischen ziemlich klar ist: Es verbreitet sich nicht schön brav gleichmässig vom einen zum nächsten. Nein – es verhält sich ausgesprochen sprunghaft.

Marcel Salathé

Marcel Salathé

Professor für Epidemiologie

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Marcel Salathé ist Epidemiologe an der ETH Lausanne (EPFL). Er ist Professor und leitet das Digital Epidemiology Lab an der EPFL. Bis im Februar 2021 war er zudem Mitglied der Covid-Taskforce des Bundes.

«Viele Personen stecken niemanden an oder nur eine Person, aber gewisse Personen stecken sehr viele an», sagt Marcel Salathé, Epidemiologe an der ETH Lausanne. Es ist eine Eigenschaft, die auf der einen Seite nervt, das Virus wird dadurch unberechenbarer. Man kann diese Überdispersion, wie dies die Fachleute nennen, aber auch positiv sehen und versuchen, sie zu nutzen.

Hinweis auf gleichen Ansteckungsort

Real zeigt sie sich darin, dass sich das Virus vor allem in sogenannten Super-Spreading-Events oder Clustern verbreitet. Die Idee wäre jetzt, dass Contact-Tracer versuchen, diese Super-Spreading-Events schnell zu finden. «Es geht dabei nicht einmal darum, wer das war, sondern eher wo», sagt Salathé.

Wenn plötzlich Personen im System auftauchten, die alle an demselben Event waren und alle in diesem Zeitraum hätten angesteckt werden können, so sei das ein mögliches Indiz dafür, dass es sich bei dem Event um einen sogenannten Cluster handle. «Und da sind vielleicht noch ganz viele Personen, die auch angesteckt worden sind, die das aber nicht wissen, weil sie asymptomatisch sind.» Das sei ein grosses Problem mit dieser Krankheit.

Es geht dabei nicht einmal darum, wer der Super-Spreader war, sondern eher wo.
Autor: Marcel SalathéEpidemiologe

Ein Beispiel: Den Contact-Tracern fällt auf, dass es erstens mehr Fälle gibt und die Betroffenen zweitens alle vor sechs Tagen an einer Hochzeit waren. Der Verdacht: Das könnte die Quelle all dieser Infektionen sein. «Wenn man einen solchen Cluster identifiziert hat mit diesem Rückwärts-Tracing, dann ist das natürlich noch nicht das Ende», so Salathé. «Dann muss man ja trotzdem das Forward-Tracing machen mit all den Personen, die an diesem Event waren. »

Video
Covid-Taskforce empfiehlt «Backward Tracing»
Aus SRF News vom 15.11.2020.
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Gerade weil das Coronavirus sich so unstet verhält und so oft an einzelnen Orten durch einzelne Personen so viele angesteckt werden und anderswo keine, würde man, wenn man sich stärker auf diese Cluster konzentriert, viel eher dort nach Infizierten suchen, wo es sich auch lohnt, so der ETH-Forscher.

Neue Empfehlung ist in Arbeit

Ein Stück weit wird das längst gemacht. Jeder Contact-Tracer denkt natürlich darüber nach, wo die Quelle der Infektion sein mag, wenn er einen Infizierten vor sich hat. Aber das sogenannte Backward-Tracing – oder Rückwärts-Tracing – will dem mehr Gewicht geben und das Vorgehen systematisieren.

Mit Checklisten zum Beispiel, wo Cluster besonders häufig entstehen: in Discos, bei Chören, Kegelabenden und eben Hochzeiten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) arbeitet zurzeit an einer neuen Empfehlung, die Vorschläge enthalten wird, was das konkret für die Contact-Tracer bedeuten könnte.

Ein Erklär-Thread zum Rückwärts-Tracing

Info 3, 19.11.2020, 17 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    An SRF zum ,Fake-Check' (fürchterlicher Ausdruck, by the way) über den PCR-Test: Weshalb behandeln Sie die Problematik der falsch-positiven Fälle und der nachweisbar nicht-mehr-infektiösen Fälle nicht? Die Kritiker, die mir im Netz begegnet sind (z. B. Bhakdi) beziehen sich darauf, und die entsprechenden Probleme bei Massentestung unter Niedrigprävalenz werden unter Fachleuten lebhaft diskutiert. Können wir uns darauf verlassen, dass im Zweifelsfall, auch unter Zeitdruck, doppelt getestet wird?
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Das gemeinsame an allen Superspreadingevents ist doch, dass diese in Innenräumen stattfanden, wo sich viele Menschen recht nahe kamen. Ob mit oder ohne Maske spielt dabei nur eine kleine Rolle. Müsste man deshalb nicht viel konsequenter und den ganzen Winter hindurch solche Anlässe verbieten und es auch systematisch kontrollieren bzw. so büssen, dass es wehtut?
    1. Antwort von Patrik Moser  (Superunknow)
      Eigentlich gute Idee, nur dann würde das auch Schulen betreffen. Für mich und meine Kinder wäre das ok, aber ich denke die Mehrheit sieht das anders.
    2. Antwort von Urs Dupont  (udupont)
      Danke für den Hinweis, werter Herr Moser. Grundsätzlich haben Sie recht, aber ich denke, man muss eben abwägen. Ich denke, dass der Besuch der Schule viel wichtiger ist, als z.B. der Besuch eines Jodelfestivals mit mehreren hundert Teilnehmern, die sich dann auch noch die ganze Nacht in vielen Restaurants (dank Freinacht!!!) zusätzlich intensiv austauschen. Abgesehen davon, der Schulbesuch ist nur ein sehr begrenztes, überschaubares Risiko, umso mehr, wenn sich die Eltern diszipliniert verhalten
    3. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Meist Festivitäten oder Singanlässe. Die Anzahl der feinen Tröpfchen, die sich auch weiter verteilen, nimmt mit der Lautstärke stark zu. Oder sind euch Superspreadings in Klassenzimmern u. dgl. bekannt? Ich frage aus Neugier, aber wenn nicht viele solche Fälle bekannt sind, besteht wohl an Schulen die grössere Ansteckungsgefahr in der Pause (wobei ich mir ja wünschte, man liesse wenigstens die Kinder damit in Ruhe).
  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Wenn ich so lese sn was man bei dieser Covid App so rumbastelt und ich noch an der Erlichkeit vieler Menschen denke kommt es mir immer mehr vor als wäre es Theorie die fern der brauchbaren Praxis ist! Ich habe die App auch installiert aber mit jedem tag schwindet mein glaube dass sie viel bringt !?!?!?