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1 Jahr Swiss-Covid-App
Aus 10 vor 10 vom 25.05.2021.
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1 Jahr Tracing-App Es ist still geworden um die SwissCovid-App

Die Erwartungen waren hoch, die Technik setzte internationale Standards. Doch die Bilanz nach einem Jahr ist durchzogen.

Vor genau einem Jahr wurde die Pilotphase der SwissCovid-App gestartet. Die Innovation sorgte für Aufsehen. Die App versprach Nutzerinnen und Nutzer zu warnen, wenn diese sich länger als 15 Minuten und näher als 1.5 Meter in der Nähe einer infizierten Person aufhielten. Bluetooth macht es möglich.

Dieser dezentrale Ansatz, an den ETHs in Lausanne und Zürich entwickelt, setzte internationale Standards, was die Wahrung der Privatsphäre angeht – und wurde von Apple und Google übernommen.

Unbegründete Vorbehalte

Ein Jahr nach der Veröffentlichung ist es still geworden um die App. Die Schweizer Bevölkerung wurde nie warm mit ihr. Rund 20 Prozent der Bevölkerung haben die App aktuell aktiviert. Diese Quote ist seit letztem Herbst konstant geblieben. Auch der Herausgeber der App, das Bundesamt für Gesundheit, hat sich höhere Nutzerzahlen erhofft.

Die Verantwortlichen haben es verpasst, eine grössere Nutzerbasis zu schaffen. Fachleute monieren, das BAG und der Bundesrat hätten überzeugender kommunizieren sollen. Viele Leute hatten Vorbehalte wegen des Datenschutzes – welche völlig unbegründet waren.

Ein weiterer Grund, warum sich heute kaum jemand mehr für die App interessiert: Die App ist scheintot. Das ist eigentlich gut, denn die App meldet sich nur, wenn ein heikler Kontakt festgestellt wurde. Es ist aber insofern schlecht, weil die Nutzerinnen und Nutzer sich fragen, ob die App überhaupt noch funktioniert.

Fehlende Weiterentwicklung

Eine frühzeitige Weiterentwicklung hätte geholfen, dass die App im Bewusstsein der Nutzerinnen geblieben wäre. So fehlt bis heute eine Check-in-Funktion, um sich mittels QR-Code an einer Location zu registrieren. Dieses Update hat das BAG nach langem Zögern auf Ende Juni angekündigt.

Zudem ist die SwissCovid-App erst mit der deutschen Corona-Warn-App kompatibel. Mit allen anderen Länder-Apps kann die Schweizer App keine Daten austauschen. Diese sogenannte Interoperabilität scheiterte auf politischer Ebene.

Daten-Blindflug

Es ist praktisch unmöglich, den Effekt der App nachzuvollziehen. Hierfür fehlen die notwendigen Daten. Es wird nicht erhoben, wie viele Personen sich nach einer App-Warnung haben testen lassen – und dann tatsächlich positiv waren. Das Bundesamt für Gesundheit kann nur sagen, dass bisher 80'000 Personen einen Covidcode eingegeben haben, um andere zu warnen.

Eine aktuelle Studie aus England, veröffentlicht in der Fachzeitschrift «Nature», kommt zum Schluss: Die britische Tracing-App, die vergleichbar ist mit der Schweizer App, habe von Ende September bis Ende Dezember 300'000 bis 600'000 Infektionen verhindert.

Es wäre falsch zu sagen, die App sei gescheitert. Doch verschiedene Baustellen – auch menschlicher Natur – haben verhindert, dass die App eine grosse Akzeptanz in der Bevölkerung geniesst.

Pirmin Roos

Pirmin Roos

SRF Inland-Redaktor

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Pirmin Roos arbeitet seit 2016 in der Inlandredaktion von SRF und betreut da die Dossiers Technologie, Netzpolitik und Innovation.

10vor10, 25.05.21, 21:50 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Gion  (dgion)
    Das grösste Problem der App ist das sie zum Funktionieren eine aktive Bluetooth-Schnittstelle benötigt. Kein Mensch welche auch nur die geringste Ahnung von IT-Sicherheit hat würde es in den Sinn kommen mit aktiver Bluetooth-Schnittstelle rumzulaufen. Zu viele Sicherheitslücken welche es ermöglichen das Gerät zu hacken . Es handelt sich um ein typisches IT-Projekt, man programmiert mal einfach etwas - an die Sicherheit denkt man nicht das versucht man dann im nachhinein überzustülpen
  • Kommentar von Bernhard Haeuser  (Bernie H)
    Wozu war die App gleich noch einmal gut? Ach ja, sie hat einem angezeigt was man bereits wusste. Ohne deckendes Test Konzept und viel viel schnellerer Aktualisierung leider wertlos. So wussten wir bereits vorher dass unsere Nachbarn mit Covid infisziert waren. Geschützt hätte uns das Ding aber nicht.
  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    Ein Jahr SwissCovidApp und trotzdem muss man sich in der Beiz registrieren. Mir reicht ein funktionierendes System und ein weiteres werde ich nicht unterstützen. Der Bundesrat leistet sich zu viel Vielspurigkeiten bei den Massnahmen, sodass die Pandemie länger dauert, als sie müsste. Selbst die 5 Gratis-Tests pro Monat hätte man bereits vor 12 Monaten mit einem funktionierenden Warngerät für alle Bürgerinnen und Bürger ersetzen können. Mehr als Bluetooth und Internet braucht das ja nicht!