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1. SRG-Umfrage Pattsituation bei «Keine 10-Mio-Schweiz»-Initiative

  • Wäre Ende April abgestimmt worden, hätten 47 Prozent die Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz angenommen, 47 Prozent abgelehnt.
  • Dies ist das Ergebnis der ersten SRG-Umfrage durchgeführt vom Forschungsinstitut GFS Bern.
  • Die Stimmabsichten zur Initiative sind in erster Linie politisch strukturiert, SVP-Wähler befürworten die Initiative mit 95 Prozent. 

Die Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz startet mit einem Patt in den Abstimmungskampf. Je 47 Prozent der Befragten nehmen die Initiative gemäss Umfrage an, respektive lehnen sie ab. Sechs Prozent sind noch unentschlossen.

Die Meinungsbildung zur Initiative ist bereits weit fortgeschritten. Rund 80 Prozent der Stimmberechtigten haben eine klare Position.

95 Prozent Zustimmung bei der SVP

Die Stimmabsichten sind in erster Linie politisch strukturiert. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Parteibindung. Wie zu erwarten fällt die Zustimmung bei der SVP-Wählerschaft äusserst deutlich aus: 95 Prozent sind bestimmt oder eher für die von der SVP lancierte Initiative. «Die SVP-Wählerschaft identifiziert sich quasi mit dieser Initiative», sagt Politikwissenschaftler Lukas Golder.

Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»

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Menschen überqueren Strasse mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.
Legende: Keystone/Urs Flüeler

Ende 2025 lebten rund 9.1 Millionen Personen in der Schweiz. Seit Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 ist die Bevölkerung um rund 1.7 Millionen Personen gewachsen. Das ist hauptsächlich auf die Zuwanderung zurückzuführen. Wie viele Menschen zuwandern, hängt vor allem vom Arbeitsmarkt ab. Unternehmen, aber auch öffentliche Einrichtungen wie Spitäler und Pflegeheime rekrutieren fehlende Fachkräfte häufig im EU-Raum.

Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative) » verlangt, die ständige Wohnbevölkerung zu begrenzen: Vor 2050 müsste die Bevölkerung der Schweiz unter 10 Millionen Menschen bleiben. Würde die ständige Wohnbevölkerung 9.5 Millionen Personen vor 2050 überschreiten, so müssten Bundesrat und Parlament insbesondere im Asylbereich und beim Familiennachzug Massnahmen ergreifen. Der Bundesrat müsste zudem bei internationalen Abkommen, die zum Bevölkerungswachstum beitragen, Ausnahmebestimmungen und Schutzklauseln anrufen oder aushandeln. Würde die 10-Millionen-Grenze überschritten, so müsste die Schweiz diese Abkommen kündigen, nach zwei Jahren auch das Abkommen mit der EU über die Personenfreizügigkeit. Dadurch würden auch die anderen Verträge der Bilateralen I wegfallen.

Anhänger der linken Parteien lehnen die Initiative deutlich ab: 81 Prozent bei den Grünen, 88 Prozent bei der SP.

Im politischen Zentrum präsentiert sich die Vorlage umstritten. Die Anhängerschaft der FDP ist noch nicht eindeutig entschlossen. Sie neigt etwas mehr zum Nein (48 Prozent) als zum Ja (43 Prozent). «Innerhalb der FDP fragt man sich, wie man sich beim Migrationsthema zu positionieren hat», erklärt Golder. Die Konflikte seien oft im Hintergrund geschehen und ausgetragen worden, nun werde darüber mehr debattiert und man sehe, wie die Anhängerschaft gespalten sei.

Ein weiterer zentraler Faktor ist das Vertrauen in die Regierung. Personen mit geringem Vertrauen in den Bundesrat unterstützen die Initiative deutlich häufiger, während jene mit hohem Vertrauen sie mehrheitlich ablehnen.

Mehrheit bei 40- bis 64-Jährigen

Soziodemografische Merkmale spielen im Vergleich zu politischen Faktoren eine untergeordnete Rolle. Tendenziell zeigen Männer etwas höhere Zustimmungswerte als Frauen (50 Prozent zu 44 Prozent). Als einzige Altersgruppe wollen Personen im mittleren Alter (40–64) die Initiative knapp annehmen. Am grössten ist die Ablehnung bei den 18- bis 39-Jährigen mit 52 Prozent.

In den Sprachregionen bestehen Unterschiede: In der französischsprachigen Schweiz ist die Ablehnung etwas deutlicher ausgeprägt und die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen, während sich in der Deutschschweiz und der italienischsprachigen Schweiz ein ausgeglicheneres Bild zeigt. In ländlichen Gebieten und in den Agglomerationen ist die Zustimmung etwas ausgeprägter als in städtischen Räumen.

Meinungen gefestigt – Ausgang offen

Bei der Massen­ein­wanderungs­initiative kippte die Migrationskritik und am Schluss gab es eine Ja-Mehrheit. Könnte dies auch hier der Fall sein? «Ich halte es für wahrscheinlicher, dass sich die Menschen vermehrt mit den Schwächen der Initiative auseinandersetzen, in diesem Fall mit der EU und den Bilateralen», so Golder. Die andere Möglichkeit sei eine populistische Aufladung, welche eine Protestabstimmung provoziert.

Dennoch bleibt die Vorlage offen, da neben besonderen Ereignissen bereits kleine Veränderungen in der Mobilisierung oder in der Gewichtung einzelner Argumente ausreichen können, um das knappe Gleichgewicht zu kippen, so das Fazit von GFS Bern.

Die Eckwerte der SRG-Umfrage

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Die Umfrage zu den Abstimmungen vom 14. Juni 2026 ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut GFS Bern zwischen dem 20. April und dem 3. Mai 2026 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 19'728 stimmberechtigten Teilnehmenden für die Auswertung berücksichtigt; 15'129 aus der Deutschschweiz, 4255 aus der französischen und 344 aus der italienischen Schweiz.

Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Das heisst: Bei einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Telefonische Befragung

Telefonisch befragt wurden 501 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt. Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten.

Online-Befragung

Zusätzlich konnten online bereinigte Angaben von 18'721 Personen und via Social Media 506 Personen verwendet werden. Die Teilnehmenden wurden dazu unter anderem über die Webportale der SRG rekrutiert.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in-Verfahren), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. So nehmen zum Beispiel typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Diese Daten werden aber mittels Gewichtungen an die realen Verhältnisse der Stimmberechtigten angenähert. Es werden dabei räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter oder Geschlecht) und politische Gewichtungsfaktoren eingesetzt. Durch diese Gewichtung wird die Repräsentativität der Stichprobe optimiert. Ziel ist, auch die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von GFS Bern.

Abstimmungsdossier

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Legende: SRF

News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 14. Juni 2026.

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SRF 4 News, 08.05.2026, 06:00 Uhr;liea

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