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Die Schweiz feiert 50 Jahre Frauenstimmrecht
Aus Tagesschau vom 02.09.2021.
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50 Jahre Frauenstimmrecht 150 Persönlichkeiten feiern fünfzig Jahre Frauenstimmrecht

  • Fünfzig Jahre nach dem Einzug der ersten Frauen ins Parlament haben 150 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft im Nationalratssaal das «historische Ereignis» gefeiert.
  • Besonders gewürdigt wurden dabei die Pionierinnen der Frauenbewegung.
  • Justizministerin Karin Keller-Sutter bedankte sich in ihrer Ansprache bei allen Frauen – und auch Männern –, die sich während Jahrzehnten für die politische Gleichberechtigung der Frauen eingesetzt hatten.

Die Einführung des Frauenstimmrechts sei «fraglos» ein Sieg der Frauen gewesen, «die unermüdlich dafür gekämpft hatten, als gleichwertige Bürgerinnen anerkannt zu werden», so Keller-Sutter. Ironischerweise hätten ausgerechnet die ausgebauten Volksrechte dazu beigetragen, dass die Schweiz «im 20. Jahrhundert zu einer demokratie-politischen Nachzüglerin» geworden sei.

Doch am 7. Februar 1971 habe eine Mehrheit der Schweizer Bürger anerkannt, dass es einer Demokratie nicht würdig sei, die Frauen von den politischen Entscheidungen über die Zukunft des Landes auszuschliessen. Der Tag sei damit zur Geburtsstunde jener Demokratie geworden, «auf die wir heute zu Recht stolz sind: einer ganzen Demokratie».

Heute stehe die Schweiz mit einem Frauenanteil von über 40 Prozent im Parlament anderen europäischen Ländern in nichts mehr nach. In anderen politischen Gremien und in den Chefetagen von Unternehmen hingegen gebe es noch Luft nach oben. Und auch andere Herausforderungen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Bekämpfung von häuslicher und sexueller Gewalt blieben bestehen.

Auch Parmelin dankt

Auch Bundespräsident Guy Parmelin bedankte sich «bei allen Personen, die sich für die Einführung des Frauenstimmrechts eingesetzt haben». Für den Entscheid des Schweizer Volkes vor fünfzig Jahren sei ein resolutes Engagement der Frauen entscheidend gewesen. Sie hätten damit «den Grundstein für diesen Sieg» gelegt.

Dank der Frauenbewegung seien auch in der Schweiz die Zeichen der Zeit erkannt worden – rückblickend sage er dazu mit einem erleichternden Seufzer: «Endlich!» Und er zitierte die Zürcher Juristin Getrud Heinzelmann mit den Worten: «Erst ab jetzt entsprechen die Volksabstimmungen auch wirklich ihrer wahren Bedeutung.»

Legende: Bundesrätin Keller-Sutter, hier mit alt Bundesrätin Ruth Dreifuss und alt Nationalrätin Hanna Sahlfeld-Singer, nannte die Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts, die «Geburtsstunde der Demokratie, auf die wir heute mit Recht Stolz sind». Keystone

Bei der Feier sprachen auch alt Bundesrätin Ruth Dreifuss und alt Nationalrätin Hanna Sahlfeld-Singer über ihre Erfahrungen. Sahlfeld-Singer gehörte zu den ersten elf Frauen im Nationalrat. Ausserdem anwesend waren Verteidigungsministerin Viola Amherd, Nationalratspräsident Andreas Aebi, Bundesgerichtspräsidentin Martha Niquille sowie Jugendliche aus allen Kantonen.

Eines der letzten Länder Europas

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Das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde 1971 in einer Volksabstimmung beschlossen. Die meisten Kantone folgten 1971 und 1972 dem Beispiel des Bundes. Einige Kantone hatten das Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene schon früher eingeführt: Waadt und Neuenburg waren 1959 die ersten, 1960 folgte Genf, 1966 Basel-Stadt, 1968 Baselland, 1969 das Tessin. Appenzell Ausserrhoden war 1989 der zweitletzte Kanton, der das Frauenstimmrecht einführte. Nur der Nachbarkanton Innerrhoden verweigerte seinen Frauen die politische Gleichberechtigung noch länger. 1990 lehnten die Innerrhoder Männer an der Landsgemeinde in Appenzell das Frauenstimmrecht ab. Aber noch im gleichen Jahr wurde dem kleinsten Schweizer Kanton das Frauenstimmrecht vom Bundesgericht verordnet. Das reine Männerstimm- und -wahlrecht verletze die von der Bundesverfassung garantierte Gleichberechtigung von Frau und Mann, stellte es fest.

Tagesschau, 02.09.2021, 19:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
    Eigentlich sollte dies ein Datum der Schande sein. Die Schweiz ist bis heute aus ihren Mittelalteransichten nicht herausgetreten und ist in vielen gesellschaftlichen Themen, alles andere als progressiv unterwegs. Ich verstehe es nur zu gut , dass immer mehr jüngere aus der CH abwandern.
    1. Antwort von Hans Aebi  (Sláinte)
      Ha-ha-ha, im Gegenteil. Die Schweiz darf heute sehr stolz sein. Auch wenn das Stimmrecht für Frauen ziemlich spät eingeführt wurde, ist unser Land das einzige Land in Europa und darüber hinaus in welchem Frauen und Männer ein STIMM- und Wahlrecht haben. In andern Ländern haben alle Bürger kein Stimmrecht und dürfen bloss nur alle 4 bis 5 Jahre wählen.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Henchler: Dass das Frauenstimmrecht erst vor 50 Jahren eingeführt wurde, ist beschämend, stimmt. Doch genau so beschämend ist, dass in Deutschland Frauen nicht studieren durften, während dem sie in der Schweiz bereits zum Studium an Unis zugelassen waren. Aber eben mit verschiedenen Ellen messen, bezeichnend. Solange in die Schweiz mehr Menschen ein- statt auswandern, ist Ihr Mittelalteransichten Argument hinfällig. Ich finde es toll, wenn junge Leute ins Ausland gehen um Erfahrungen zu sammeln.
    3. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Herr Henchler, warum nehmen Sie eigentlich jede noch so kleine Gelegenheit (egal, ob es dabei um Politik, Sport oder sonst etwas geht) wahr, um gegen die Schweiz hetzen zu können? Was hat Ihnen die Schweiz denn so Schlimmes getan? Und apropos Mittelalteransichten: War es nicht Deutschland, das erst in den 70er-Jahren Homosexualität als Straftatbestand(!!!) aus dem Gesetzbuch gestrichen hat?
  • Kommentar von Sam Meier  (tsam39947)
    Ist das Frauenstimmrecht nicht längst zur Normalität geworden? Muss man darüber immer und immer wieder berichten?
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Meier: Wenn man bedenkt das unser Land ein richtiger Spätzünder war bei der Einführung des Frauenstimmrechts würde ich schon sagen dass man darüber berichten soll.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Ja muss Mann. Schliesslich ist es erst 50 Jahre her. Es leben noch Frauen und Männer, die dafür verantwortlich sind. Im Positiven wie im Negativen. Es ist überhaupt traurig, dass die Frauen weltweit nicht von Beginn an bei einer Staatsbildung mitreden konnten. Jahrhundertelang Menschen zweiter Klasse. Und immer noch sind wir nicht so weit, dass sich alle Geschlechter auf Augenhöhe begegnen mit den gleichen Rechten und Pflichten. Genau darum muss man immer wieder darüber berichten.