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Wildbienen fördern, das können auch Landwirte – Könnte es am Geld scheitern?
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 02.09.2022. Bild: Keystone/Sebastian Gollnow
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Aargauer Bienenprojekt Bauern könnten Wildbienen helfen – fürchten aber kleinere Ernten

Bienenfreundliche Landwirtschaft: Ein Pilotprojekt gilt nach sechs Jahren als erfolgreich beendet. Jetzt gehts um Geld.

Der Aargau gilt gemäss Bauernverband als einer von fünf wichtigen Agrarkantonen. Seit fast sechs Jahren läuft hier ein Pilotprojekt, das Bauern und Imkerinnen zusammenbringen will, damit die für die Natur so wichtigen Wildbienen wieder mehr Lebensraum erhalten – auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Bund und Kanton unterstützen das Projekt finanziell.

Warum sind Wildbienen wichtig?

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Legende: Weltweit gibt es über 16‘000 Bienenarten, wovon 615 auch in der Schweiz vorkommen. Im Bild: Eine Wildbiene. Keystone/Arne Dedert
  • Wildbienen produzieren zwar keinen Honig. Sie sind aber fleissige und unersetzliche Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen.
  • «Über 600 Arten leben in der Schweiz, doch ihre Bestände nehmen massiv ab», warnt der Bund auf seiner Website «wild und wertvoll».
  • Die Wildbiene müsse gleich gegen mehrere Probleme ankämpfen, hält der Bund fest: «Zu wenig Futter, zu wenige Nistplätze, zu viele Gifte.»
  • In stark gedüngten Wiesen und Monokulturen finden Wildbienen zu wenig Nahrung; auch mangelt es Randflächen, offenen Bodenstellen, Hecken, Steinhaufen, wo sich die Bienen einen Nistplatz einrichten können.

347 Aargauer Landwirtschaftsbetriebe und über 250 Imkerinnen und Imker haben am Projekt «Bienenfreundliche Landwirtschaft im Aargau» teilgenommen. Und kurz vor Ablauf des Pilotversuchs zeigt sich: Bereits kleine Massnahmen helfen den Wildbienen. Aber es braucht Aufwand, das nötige Wisssen – und möglicherweise einen Ertragsverzicht bei den Bäuerinnen und Bauern.

600 Sandhaufen für Wildbienen

Im Verlauf des Aargauer Projekts mähten Landwirte ihre Wiesen zu anderen als den gewohnten Zeiten, oder sie liessen die Blüten länger auf dem Feld stehen. Andere Landwirte wiederum haben Sandhaufen aufgeschüttet. In diesen können die Wildbienen nisten.

Sandhaufen
Legende: Solche Sandhaufen dienen als Nistplätze für die Wildbienen. zvg/Bauernverband Aargau

«Die rund 600 Sandhaufen, die Aargauer Bauernfamilien angelegt haben, bringen wirklich etwas», erklärt Ralph Bucher vom Aargauer Bauernverband. Festgestellt haben dies Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Agroscope (Schweizer Forschung für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt) und dem Fibl (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), die den Aargauer Versuch begleiten. Während sie im ersten Jahr in einem Sandhaufen neun Nester vorfanden, waren es im zweiten Jahr bereits 17 – die Wildbienen nutzen also den neuen Lebensraum.

Konflikt zwischen Biodiversität und Ertrag?

Die kleineren Massnahmen funktionieren also. Wie sieht es aber aus mit grösseren Eingriffen in die Landwirtschaft? Keine Pestizide mehr, keine Monokulturen? «Wenn man möglichst viele Bienen in einem Getreidefeld möchte, sollte man nichts machen, aber man muss Unkraut in Kauf nehmen», sagt Ralph Bucher vom Aargauer Bauernverband. «Dazu kommt, dass man viel weniger Getreide ernten kann. Das ist ein Zielkonflikt.» Die Konsequenz sei, dass man Getreide importieren müsste, was wiederum aus Sicht der Bauern nicht sinnvoll sei.

Wenn man viele Bienen in einem Feld möchte, sollte man dort nichts machen.
Autor: Ralph Bucher Geschäftsführer Aargauer Bauernverband

Allerdings gibt es zum Beispiel neue Weizensorten, bei denen die Halme nicht ganz so dicht gedrängt stehen. Dazwischen können Blumen wachsen, die den Wildbienen wichtige Nahrung liefern.

Der Versuch hat gezeigt, dass dies für beide Seiten funktionieren kann. Nur: «Im Gegenzug müsste man diese Art von Landwirtschaft aber entschädigen, weil sie weniger Ertrag abwirft», hält Bucher fest. Es geht schlussendlich ums Geld – die Frage ist, wer die Ertragsausfälle zugunsten von Wildbienen bezahlt.

Die Erkenntnisse aus dem Aargauer Pilotprojekt sollen nicht nur der Projektregion dienen, sondern der ganzen Schweizer Landwirtschaft etwas bringen. Ende Jahr ist der Aargauer Pilotversuch zu Ende. Dann dürften die Diskussionen um die Finanzierung von Massnahmen für die Wildbienen erst richtig losgehen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 02.09.2022, 06:31 Uhr;

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