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Abgesagte Grossveranstaltungen Festivaldirektor: «Es bräuchte den Dialog mit den Behörden»

Der Schweizer Festivalsommer fällt wohl auch in diesem Jahr aus. Nachdem bereits das Greenfield-Festival abgesagt werden musste, ziehen nun auch das Gurtenfestival und das Openair St. Gallen nach. Da der Bund keine Planungssicherheit geschaffen habe, werde es für Grossveranstaltungen schwierig, erklärt Christof Huber vom Openair St. Gallen im Interview.

Christof Huber

Christof Huber

Festivaldirektor

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Christof Huber ist 1993 als Assistent des Geschäftsführers beim Open Air St. Gallen eingestiegen. Heute ist er Festivaldirektor beim Openair St. Gallen und beim Summerdays Festival Arbon. Huber war Verwaltungsratspräsident bei Wepromote und führt künftig bei der Gadget abc Entertainment Group AG den Bereich Festivals.

SRF News: Zum zweiten Mal findet das Openair St. Gallen nicht statt. Was sind die Gründe für die Absage?

Christof Huber: Das ist ein harter Schlag. Letztes Jahr haben wir die Verschiebung relativ früh organisiert, koordiniert und das Programm gebucht. Aber je mehr Zeit vergangen ist, in der wir auf Antworten gewartet haben, desto klarer wurde, dass ein Festival mit der fehlenden Planungssicherheit nicht möglich ist. Aber wir schauen mit Zuversicht auf das nächste Jahr.

Sie haben mit der Absage relativ lange zugewartet. Haben Sie doch noch an eine Durchführung geglaubt?

Wir haben relativ früh dem Bund kommuniziert, dass wir an einen Tisch sitzen wollen, um zu besprechen, unter welchen Voraussetzungen Grossveranstaltungen stattfinden können. Wir haben versucht, Druck zu machen. Leider hat dieser Dialog bisher nicht stattgefunden.

So können wir ein Festival in der Grössenordnung des Openairs St. Gallen nicht durchführen.

Die Künstler haben begonnen, sich bei uns zu melden, weil andere Länder wie Deutschland und Belgien ihre Festivals absagen. Das war dann auch der Grund, dass wir gesagt haben: Es ist zu unsicher. So können wir ein Festival in der Grössenordnung des Openair St. Gallen nicht durchführen.

Also schieben Sie die Schuld den Behörden zu?

Es wäre für uns notwendig gewesen, dass wir diesen Dialog führen können, auch um Alternativkonzepte entwickeln zu können. Ich glaube das Know-how der Eventbranche müsste besser genutzt werden, wie das in anderen Ländern der Fall ist.

War auch ein Alternativprogramm ein Thema – allenfalls mit speziellen Massnahmen?

Wir haben alle Massnahmen und Konzepte durchgedacht. Auf internationaler Ebene gab es ein Konzept. In anderen Ländern ist angedacht, dass man – wenn die Impfkampagne genügend weit fortgeschritten ist – mit Schnelltests und weiteren Hygiene-Massnahmen arbeiten kann. So gäbe es allenfalls Lösungen, um sicher Festivals durchzuführen. Aber auch hier: Ohne den Dialog mit den Behörden ist es nicht möglich.

Das Parlament hat eine Art Ausfallversicherung für grössere Veranstaltungen eingeführt.

Ich glaube, das Openair St. Gallen kann davon nicht profitieren. Einerseits kommen 50 Prozent dieser Gelder von den Kantonen. Und andererseits braucht es eine bestehende Bewilligung. Im Moment werden Veranstaltungen ja nicht bewilligt, weil es ein Veranstaltungsverbot gibt. Da gibt es viele offene Fragen zu klären.

Wir wollen veranstalten, das ist unser grosses Ziel.

Bis dahin müssen wir mit Kurzarbeit und Ausfallentschädigungen über die Runden kommen. Ausserdem möchten wir auch kleinere alternative Projekte machen. Denn wir wollen veranstalten, das ist unser grosses Ziel.

Wie sieht es denn finanziell aus: Ist das Openair St. Gallen abgesichert?

Die Kultur hat hier gute Lösungen gefunden. Wir haben einen guten Draht zum Kanton, wir werden gehört. Wir würden uns natürlich wünschen, dass die Ausfallentschädigungen den ganzen Schaden decken würden. Im Moment sind es 80 Prozent des Schadens. Da bleibt ein signifikanter Restposten übrig. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zu Hause in Kurzarbeit. Wir konnten ein Jahr so überbrücken, aber es wird heftig – und nicht nur für uns. Wir sind auch verantwortlich für sehr viele Zulieferer, Partner und Freelancer.

Das Gespräch führte Simone Herrmann.

SRF 4 News, 22.03.2021, 14:00 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Gerber  (P.Gerber)
    Wieso übernimmt nicht SRF die Übertragung?
    Ist doch Öffentliches TV!
    Alle müssen in dieser Krisensituation ihren Teil beitragen. Schliesslich wird der ja von der Gesellschaft getragen.
  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Dankschreiben hierfür gehen primär an Corona-Leugner, "Bill Gates ist schuld"-Theoretiker, Impfbasher, "Donald Duck"-Tracinglister, unsolidarische egoistische Interessengruppierungen, eine bestimmte Partei; und erst in zweiter Linie an die Regierungen von Bund und Kantonen.... ;-))
    1. Antwort von Adrian Wyssen  (Gemse68)
      Und was wollen sie uns genau mitteilen?
  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Dinosaurier konnten sich dank einer Phase von guten Bedingungen zu ihrer z.T. spektakulären Grösse entwickeln. Sie verschwanden nach einem einzigen - ungeplanten - Ereignis,auf das sie nicht mit Anpassung reagieren konnten. In Zeiten schnell wechselnder Bedingungen können Regierungen auch unter Druck keine Planungssicherheit schaffen. Da hilft nur Flexibilität. Vielleicht sind grossartige Grossveranstaltungen dafür einfach zu unflexibel. Schön,dass es sie gab und man daran verdienen konnte.