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Neue Ausfallversicherung soll Grossveranstaltern helfen
Aus HeuteMorgen vom 22.03.2021.
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Neue Ausfallversicherung Das Dilemma der Grossveranstalter

Ob diesen Sommer Openair-Konzerte und Sportanlässe stattfinden werden, hängt primär von der Entwicklung der Pandemie ab. Aber nicht nur. Ebenso zentral ist, ob die Veranstalter die Planung in Angriff nehmen können.

Das Parlament hat deshalb letzte Woche den Artikel 11a ins überarbeitete Covid-Gesetz eingefügt, der eine Art Ausfallversicherung für Grossveranstaltungen einführt. Diese soll den Organisatoren erlauben, trotz Pandemie besser planen zu können. Doch der Schutzschirm macht die Branche nur halb glücklich.

Das Heitere Openair will es nochmals versuchen

Das gilt etwa für Christoph Bill, den Geschäftsführer des Heitere Openair in Zofingen. 2020 musste es pandemiebedingt abgesagt werden. Dieses Jahr will es Bill noch einmal versuchen.

Begeisterte Metal-Fans jubeln einer Band zu
Legende: Ob das Heitere Openair dieses Jahr in einem ähnlichen Umfang stattfinden kann wie hier bei einem Schandmaul-Konzert, steht noch in den Sternen. Keystone

Gegen 50 Bands sollen Anfang August auftreten, darunter auch einige Schweizer Bands. Das Programm ist mit dem letztjährigen fast identisch, weil die Verträge um ein Jahr verschoben worden sind.

Dennoch bleibt die Frage, ob ein Veranstalter jetzt das Risiko eingehen soll, die Feinplanung anzugehen und erste Vorauszahlungen zu tätigen. Bill, der auch Präsident der Branchenvereinigung der Konzertveranstalter SMPA ist, sieht sich vor einem Dilemma. «Eigentlich steigen die Kosten laufend und die Risiken werden grösser.»

Man weiss nicht, welchem Risiko man sich aussetzt. Das kann dazu führen, dass man die Notbremse ziehen muss.
Autor: Christoph BillGeschäftsführer Heitere Openair

Trotzdem wolle man der Kundschaft etwas bieten. «Gleichzeitig weiss man nicht, welchem Risiko man sich aussetzt. Das führt in vielen Fällen dazu, dass man die Notbremse ziehen muss.»

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Kleine Kulturbetriebe hoffen auf baldige Wiedereröffnung
Aus 10 vor 10 vom 16.03.2021.
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Bill selbst hat die Notbremse bisher nicht gezogen. Er hofft darauf, dass die neu beschlossene Risikogarantie auch für seine Veranstaltungen gelten wird.

Wenn Grossveranstaltungen abgesagt werden müssen, kann sich der Bund laut dem Gesetz an den ungedeckten Kosten beteiligen. Geld vom Bund gibt es aber nur zur Hälfte. Für die andere Hälfte muss der jeweilige Kanton aufkommen.

Besucher des Zürich Openairs 2019, auf der Bühne die Band Wanda
Legende: Das Zürich Openair – hier 2019 mit der Band Wanda – könnte als überregionaler Anlass betrachtet werden. Keystone

Allerdings sieht das Gesetz vor, dass nur Anlässe von überkantonaler Bedeutung unterstützt werden dürfen. Doch wo zieht der Bund die Grenze?

Die Befürchtung ist, dass wir 26 verschiedene Lösungen und Tempi haben werden.
Autor: Christoph KamberPräsident Expo-Event

Christoph Bill etwa ist überzeugt, dass sein Anlass ein überregionaler sei. An das Heitere Openair würden auch Besucher aus Luzern, Bern und Solothurn anreisen. Ob das der Bund gleich sieht, ist noch unklar.

Festivalbesucher am Paleo Festival in Nyon, 2019
Legende: Das Paléo Festival in Nyon kann dieses Jahr nicht stattfinden. Es soll aber eine Ersatzveranstaltung geben. Keystone

Auch Christoph Kamber bereitet die unklar definierte Abgrenzung Bauchschmerzen. Kamber ist Präsident von Expo-Event, dem Verband der Messe-Veranstalter und Zulieferbetriebe.

Auch wenn die Branchenvertreter den neuen Schutzschirm begrüssen, hätten sie sich eine zentrale Anlaufstelle beim Bund gewünscht, ähnlich wie in Österreich. «Die Befürchtung ist, dass wir 26 verschiedene Lösungen und Tempi haben werden», so Kamber.

Die Angst vor dem Flickenteppich

Die Angst vor einem Flickenteppich sei gross. Kamber verweist auf die Härtefallregelungen, die kantonal unterschiedlich ausgestaltet worden sind.
Bei den Kantonen, die den Schutzschirm mit umsetzen und mitfinanzieren müssen, zeigt man sich dagegen optimistisch. Der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker etwa begrüsst die Lösung.

Ich bin zuversichtlich, dass man eine sinnvolle Lösung findet.
Autor: Ernst StockerPräsident Finanzdirektorenkonferenz

Unkonventionell und unbürokratisch solle die Umsetzung werden, fordert er von Bund und Kantonen, sagt der Kantonsvertreter. «Wir haben immer Lösungen gefunden bei den Härtefallmassnahmen», so Stocker. «Ich bin zuversichtlich, dass man auch hier eine sinnvolle Lösung findet.»

Nun ist der Bund gefordert. Er muss in einer Verordnung die Details klären. Doch die Veranstalter warnen, dass es jetzt schnell gehen müsse. Ansonsten bliebe vielen nichts anderes übrig, als bald erneut die Notbremse zu ziehen.

HeuteMorgen, 22.03.2021, 6:00 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Das ist ja wie eine Erdbebenversicherung abschliessen wenn es schon bebt.
  • Kommentar von Lara Windler  (winlara)
    Die Veranstalter sollen doch einen Ticketvorverkauf machen. Und zwar derart, dass die Leute wählen können, ob sie ihr Ticket ‚à fond perdu‘ oder mit Rückerstattungsgarantie kaufen. Wenn genug Leute bereit sind, das Konzert vorzufinanzieren und auf Rückerstattung bei nicht Stattfinden des Konzertes verzichten: na, dann los!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Lara Windler: Würden Sie so ein Ticket ohne Rückerstattung bei Ausfall kaufen? Ich glaube nicht, dass genügend Konzertfans bereit wären dafür. Somit müsste der Preis für die wenigen Kaufwilligen noch höher angesetzt werden, um die Selbstkosten des Veranstalters zu decken. Dies würde aber weitere potentielle Kunden vergraulen und vom Kauf abhalten, da sie glauben viel zu viel bezahlen zu müssen. Es ist eben wirklich ein Dilemma wie im SRF-Titel angedeutet.
  • Kommentar von Stefan Huwiler  (huwist)
    Komplett unverständlich wie man jetzt ein Openair für diesen Sommer planen kann. Und auch noch unbürokratische Hilfe erwarten. Es ist doch klar, dass das nicht stattfinden kann.
    Also auf absolute Sparflamme zurückfahren und für 2022 vorausdenken. Und das sollte auch mit Geldmitteln unterstützt werden. Aber sicher nicht eine Planung für einen Anlass, der allerhöchstens mit grösstem Risiko und einem richtig schlechten Gefühl durchgeführt werden könnte.
    1. Antwort von Patrick Salonen  (Patrick Salonen)
      @Huwiler: Ich gehe davon aus, dass es nicht mehr eine Sparflamme sein wird. Es dürfte Lichterlöschen angesagt sein, wenn es einen weiteren Sommer ohne jegliche Aktivitäten geben wird. Dies trifft dann leider nicht nur die Veranstalter, welche zwar zuerst die Segel steichen müssen. Es wird eine riesen grossen Rattenschwanz hinter sich herziehen, teilweise in Branchen, in welchen man sich nicht vorstellen konnte, dass es diese auch davon betroffen sein könnten...