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Wie sich die Coronakrise auf die Musikschulen auswirkt
Aus Tagesschau vom 01.09.2021.
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Als Folge der Pandemie Deutlich weniger Kinder nehmen Unterricht an Musikschulen

Eine Untersuchung der Hochschule Luzern ergab: Wegen Corona sind die Anmeldungen um zehn Prozent zurückgegangen.

Gian Bucher spielt seit zwei Jahren Trompete. Er nimmt Unterricht an der Musikschule Sarnen im Kanton Obwalden. Es war für den Zehnjährigen schon immer ein Traum, dieses Instrument zu spielen. Entscheidend für Gian Bucher war aber auch, dass er das Instrument vorgängig in einer Schnupperlektion ausprobieren konnte: «Ich bin da hingegangen und habe beim ersten Versuch schon einen Ton aus der Trompete herausgebracht», strahlt der junge Musiker.

Legende: Gian Bucher geht seit August 2019 in den Musikunterricht. Trompete zu spielen, war sein Traum. SRF

Anders als Gian Bucher konnten viele Kinder und Jugendliche diese Erfahrung seit Corona nicht mehr machen. Instrumentenvorstellungen der Musikschulen haben nicht mehr stattgefunden. Dazu kam: Durch den Covid-19-bedingten Lockdown im Frühjahr 2020 mussten Musikschulen ihre Angebote im Fernunterricht durchführen oder ausfallen lassen.

Dies alles hat Auswirkungen auf die Anzahl der Anmeldungen, wie eine Untersuchung der Hochschule Luzern bei rund 400 Musikschulen ergeben hat: Deutlich weniger Kinder und Jugendliche starten in der Schweiz nach den Sommerferien mit einem neuen Instrument.

Trompete, Saxofon und Co. nicht mehr gefragt

Musikpädagoge Marc-Antoine Camp hat die Auswirkungen von Corona auf die musikalische Bildung für die Hochschule Luzern erforscht. Er sagt, dass es tatsächlich eine Rolle gespielt haben könnte, dass die Instrumentenvorstellung nicht mehr haben stattfinden können, beziehungsweise ins Internet verlegt wurde: «Wenn Kinder ein Instrument nicht ausprobieren können, dann ist die Chance eher gering, dass sie es dann wählen oder neu für sich entdecken».

Die Studie der Hochschule Luzern hat ergeben: Der Rückgang bei den Anmeldungen beträgt gegenüber dem Vorjahr rund zehn Prozent.

Deutlich weniger Anmeldungen gab es beim Unterricht für Blasinstrumente und Gesang. Singen im Chor und das Spielen von Blasinstrumenten hatten besonders mit erhöhten Corona-Schutzmassnahmen zu kämpfen. Mögliche Ansteckungsrisiken waren oft ein Thema in den Medien.

Dies hat auch Markus Michel, Leiter der Musikschule in Sarnen, bemerkt: «Das Blasinstrument ist in den Medien als Superspreader oder Aerosolverbreiter bekannt geworden. Wer weiss, vielleicht hat das auch einen Einfluss».

Das Blasinstrument ist in den Medien als Superspreader oder Aerosolverbreiter bekannt geworden.
Autor: Markus Michel Leiter der Musikschule in Sarnen

Die Anmeldezahlen jedenfalls scheinen dies zu bestätigen. Denn: Während das Interesse an Blasinstrumenten gesunken ist, haben die Tasteninstrumente zugelegt, sagt Studienleiter Marc-Antoine Camp: «Das Klavierlernen war schon vor der Pandemie im Trend, hat aber vom Lockdown nochmals profitiert». 

Eltern zögern auch aus finanziellen Gründen

Ein weiterer Grund, weshalb Kinder in diesem Schuljahr den Musikunterricht weniger besuchen, seien die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, führt Marc-Antoine Camp weiter aus. Diese Unsicherheiten spielten sicher für einige Eltern ebenfalls eine Rolle bei der Entscheidung, ob sie ihr Kind an einer Musikschule anmelden oder eben nicht.

Die längerfristigen Auswirkungen auf den Instrumentalunterricht seien indes noch offen. Für den Sarner Musikschulleiter Markus Michel ist es nun vor allem wichtig, in Kontakt mit Kindern und Eltern zu bleiben, um so die Begeisterung für Musik zu wecken - trotz Pandemie.

Tagesschau, 01.09.2021, 19:30 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Die Jugend wird in den Bereichen Sport, Kultur, Musik, Gesundheit gebildet. Nur der alltägliche Umgang mit Geld und der staatsbürgerliche Unterricht werden stiefmütterlich behandelt. Ob da politisches Kalkül dahintersteckt?
  • Kommentar von Ronny Nemetz  (RonnyRonson)
    Das ist leider hausgemacht.
    1. Die Unterrichte sind sehr teuer und ich finde das Preis Leistungsverhältnis passt nicht
    2. In meiner Gemeinde sind die Unterrichtszeiten ein Wahnsinn. Sorry aber zu Mittag 30 Minuten warten nach der Schule um 30 Minuten singen zu können ist ja wohl ein Witz
    3. Da die Schweiz ja ab der Dritten Klasse keinen obl. Musikunterricht anbietet ( Lehrplan 21, der ja gaaaaanz toll ist) werden Kinder von der Musik weg getrieben.
    1. Antwort von Felix Brühwiler  (phelix)
      Da bin ich anderer Meinung.
      1. Der Unterricht ist für Jugendliche subventioniert. Er wird je nach Kanton (z.B Zug) meiner Meinung
      nach viel zu günstig angeboten.
      2. Die Zeiten werden von den Instrumental-/Gesangslehrpersonen mit den Schülern abgemacht. Es ist jedes Jahr eine grosse Herausforderung die Stundenpläne zu erstellen. Man muss sich mit Randstunden begnügen und oft bis Abends unterrichten.
      3. Da geb ich ihnen recht. Das ist unverständlich und nicht förderlich.
      Ich hoffe sie singen